Moviebase Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod

Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod
Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod

Bewertung: 80%

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Originaltitel: Balada triste de trompeta
Kinostart: 08.12.2011
DVD/Blu-Ray Verkauf: 27.04.2012
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 101 Minuten
Studio: Koch Media
Produktionsjahr: 2010
Regie: Álex de la Iglesia
Drehbuch: Álex de la Iglesia
Darsteller: Santiago Segura, Fernando Guillén Cuervo, Antonio de la Torre, Fran Perea, Sancho Gracia, Javier Botet, Raúl Arévalo, Joxean Bengoetxea, Terele Pávez, Carlos Areces, Manuel Tejada, Carolina Bang
Die Zeit unter General und Diktator Francisco Franco war ein trauriges Kapitel in der Geschichte Spaniens. Bis zu seinem Tod im November 1975 war Franco Staatschef von Spanien. In diese Zeit fiel auch ein blutiger Bürgerkrieg, der viele Opfer forderte. Genau da setzt die Handlung von „Mad Circus“ an. Regisseur Álex de la Iglesia geht damit ein großes Wagnis ein: die Verknüpfung von ernster Kriegsthematik gepaart mit einer skurrilen Liebes- und Rachegeschichte kann entweder völlig danebengehen oder richtig gut werden. Das Werk von de la Iglesia darf sich ohne Zweifel zu letzterer Kategorie zählen.

Der Zirkus ist in Zeiten des brutalen Bürgerkriegs der einzige Ort für andere Gedanken. Die Clowns lassen das Publikum für einen Moment das deprimierende Leben unter der Führung Francos vergessen. Mitten in einer Zirkusshow platzen Anhänger Francos in die Manege – und zwangsrekrutieren Javiers Vater, der als Clown im Zirkus spielt. Von der einen auf die andere Sekunde findet er sich im Clownskostüm mit einer Machete bewaffnet im Krieg wieder.

Viele Jahre vergehen. Aus Javier ist inzwischen ein Mann geworden, der in die Fußstapfen seines geliebten Vaters getreten ist. Als trauriger Clown heuert er bei einem chaotischen Zirkus an und wird vom Fleck weg verpflichtet. Doch als er sich in die attraktive Artistin Natalia verliebt, beginnt eine turbulente Zeit. Denn Natalia ist die Freundin von Javiers Showpartner Sergio, der vor allem durch ständige Betrunkenheit und Gewalt gegen Natalia auffällt. Als sich Javier und Natalia auf einem Jahrmarktbesuch näher kommen, steht plötzlich Sergio vor ihnen. Es kommt zu einem heftigen Kampf, bei dem Sergios Gesicht entstellt wird. Javier flüchtet, doch schon bald flammt die Liebe zu Natalia wieder in ihm auf. Als trauriger Clown im Priesterkostüm sinnt der verzweifelte Javier auf Rache…

Eine starke Optik mit entsättigten und doch so kräftigen Bildern, eine ungeheuer einnehmende Atmosphäre und eine spannende Handlung – der verrückte Zirkus punktet in jeder Kategorie. Das Ganze ist stets surreal und dabei gleichzeitig so nachvollziehbar, dass man sich dem Gezeigten nur schwer entziehen kann. Es gibt sowohl skurrile, seltsam anmutende als auch tieftraurige und melancholische Phasen. Das alles eingebettet in der furchtbaren Zeit des spanischen Bürgerkriegs sorgt für ein schweres Gemüt. Dennoch lässt sich ohne Zweifel sagen: De la Iglesias Filmparabel ist nicht nur ein Film. Es ist Kunst.

Der Zirkus als letzte Zufluchtsstätte, um in Kriegszeiten etwas Schönes zu sehen, stellt sich dabei als perfekter Handlungsort heraus. Die beiden Clowns personifizieren den damaligen Zustand. Der „dumme August“ als lustiger Clown, stellvertretend für Diktator Franco selbst. Ein zu Kindern hin ungemein sympathischer Mann („Kinder sind das Wertvollste“), in Wahrheit aber ein versoffener Rüpel, der keine Probleme damit hat, Frauen zu verprügeln. Ein zerbrochene Seele, die anderen Leid hinzufügt, um sich selbst stärker zu fühlen. Als Pendant das traurige Clownsgesicht (Volk Spaniens) mit einer guten Seele, aber (zunächst) ohne jeglichen Mumm in den Knochen. Ein Tunichtgut, ein Trottel, aber genau deshalb so liebenswert. Das Drama zwischen den beiden Konkurrenten ist so brutal wie traurig. Und dabei sind es nicht zwingend die blutigen Szenen, die wie ein dicker Kloß im Halse stecken bleiben.

Der Titel könnte passender kaum sein. Was sich hier abspielt, ist ein völlig verrückter Zirkus. Die Bilder brennen sich ins Gedächtnis. Die pure Erniedrigung, die Javier spüren muss, als er beim Taubenschießen die erledigten Vögel wie ein Hund im Mund beim Schützen abliefert, überträgt sich in all ihrer Wucht auf den Zuschauer. Man möchte dem armen Tropf entgegen brüllen, sich nun endlich zu wehren. Doch ist es der richtige Weg, auf die gleiche Art und Weise an seinen Peinigern Rache auszuüben? Eine Frage der Moral, auf die jeder eine andere Antwort haben wird. Javier beantwortet diese Frage mit einem lauten Ja.

Wenn nach gut einer Stunde Spielzeit Javier seinen Heilungsprozess durch Selbstverletzung einleitet, steht dem Rachefeldzug nichts mehr im Weg. Auch wenn es gegenüber anderen mit einer FSK 18 versehenen Filmen recht wenige detaillierte Tötungsszenen gibt, dürfte das Gefühl in der Magengegend weitaus schlimmer sein. Die psychische Gewalt überwiegt hier deutlich, durch die unglaublich düsteren Bilder wird diese noch verstärkt. Kompromisslos lässt de la Iglesia seiner Vision freien Lauf. Ein Lauf, der für alle Beteiligten in einem schmerzhaften Finale gipfelt.

„Mad Circus“ wurde im vorletzten Jahr für die beste Regie und das beste Drehbuch bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet. Ob zurecht oder nicht, sollte jeder selbst entscheiden. Doch auch ohne diese Preise bleibt der Genremix ein packendes, teilweise schockierendes und vor allem großartiges Werk mit dem gruseligsten Clown seit Stephen Kings „Es“.

>> verfasst von Janosch Leuffen

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