Moviebase Mama

Mama
Mama

Bewertung: 60%

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Originaltitel: Mama
Kinostart: 18.04.2013
DVD/Blu-Ray Verkauf: 29.08.2013
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 96 Minuten
Studio: Universal Pictures
Produktionsjahr: 2013
Regie: Andres Muschietti
Drehbuch: Neil Cross, Andres Muschietti, Barbara Muschietti
Darsteller: Jessica Chastain, Nikolaj Coster-Waldau, Megan Charpentier, Isabelle Nélisse, Daniel Kash, Javier Botet, Jane Moffat, Julia Chantrey, Jayden Greig, Sydney Cross, Morgan McGarry

Nicht erst seit seinem Welterfolg „Pan’s Labyrinth“ gilt Guillermo Del Toro als Förderer junger Talente. Das Märchen aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs verschaffte ihm jedoch auch in Hollywood Gehör und erlaubte die Realisation mancher Projekte, die zuvor vermutlich nur schwer oder überhaupt nicht zu stemmen gewesen wären. Dabei liegen dem Freund des fantastischen Kinos vor allem betont altmodische Gruselgeschichten am Herzen. Filme wie „Don’t Be Afraid of the Dark“ oder „Das Waisenhaus“ lassen sich bei aller künstlerischen wie stilistischen Raffinesse nicht zuletzt als Verbeugung vor dem eher gemütlichen Horrorkino der Vor-“Saw“-Ära interpretieren. Und obwohl Del Toro in beiden Fällen lediglich als ausführender Produzent respektive Co-Autor auftrat, sind seine Handschrift und sein Einfluss jederzeit klar herauszulesen.

Ganz ähnlich verhält es sich nun mit „Mama“, dem Spielfilmdebüt des gebürtigen Argentiniers Andrés Muschietti. Auch diese Geschichte wirkt durchtränkt von vielen der typischen Del Toro-Ingredienzien. Wieder spielen Kinder eine wichtige Rolle, ebenso Märchenelemente und eine Sicht auf die Welt, in der nicht alles mit wissenschaftlichen Methoden vermessen und erfasst werden kann. Das Unsichtbare und Übernatürliche bot Del Toro schon immer die beste, weil kreativste Spielwiese. Mit Muschietti scheint er nicht nur einen talentierten Filmemacher sondern zugleich auch einen Seelenverwandten entdeckt zu haben. Zusammen mit seiner Schwester Barbara entwarf und inszenierte dieser vor knapp fünf Jahren den gleichnamigen Kurzfilm, der mit äußerst bescheidenen Mitteln innerhalb weniger Stunden abgedreht wurde. Für ihn war es seine Visitenkarte, über die Del Toro schließlich auf ihn aufmerksam wurde.

Voller Beigeisterung spricht der große Regisseur dann auch über den Jungen in einem Vorwort zu dessen Kurzfilm, der netterweise kostenfrei im Netz angeschaut werden kann. Im Kern erzählt „Mama“ von einer Familientragödie, die sich mit einer zweiten über Ort und Zeit hinweg verbindet. Ein Familienvater tötet darin seine Ex-Frau und Arbeitskollegen bevor er mit den beiden gemeinsamen Töchtern die Flucht in eine verlassene Waldhütte antritt. Dort plant er seinen und den Tod der Kinder. Letzteres weiß jedoch eine zunächst unsichtbare Kraft zu verhindern und so kommt es, dass die dreijährige Victoria (Megan Charpentier) und die erst einjährige Lilly (Isabelle Nélisse) alleine, ohne Kontakt zu anderen Menschen aufwachsen. Fünf Jahre vergehen ehe man beide völlig verwahrlost und verängstigt findet. Ihre Motorik hat sich in dieser Zeit ebenso wie ihre Sprache zurückgebildet. Gerade die kleine Lilly wirkt traumatisiert. Statt wie ein Kind bewegt sie sich meist wie ein scheues Tier.

Unter der Aufsicht eines Psychologen (Daniel Kash) kommen die Kinder schließlich in die Obhut ihres Onkels (Nikolaj Coster-Waldau) und dessen Freundin Annabel (Golden Globe-Gewinnerin Jessica Chastain). Allerdings merkt die mit ihrer plötzlichen Mutterrolle überforderte Stiefmama, dass mit den Mädchen etwas nicht stimmt. Tatsächlich konkurriert noch eine zweite Mutter um Lilly und Victoria. Die Kinder nennen sie wie selbstverständlich „Mama“. Für den Zuschauer erscheint sie lange Zeit nur als ein schwarzer Fleck an der Wand, als bedrohlicher Schatten, als unscharfer Umriss oder in Gestalt einer Motte. In genau diesen Momenten entwickelt Muschiettis Film seine größte Anziehungskraft und Suspense. Obwohl die eigentlich recht simple Geschichte nie ihre übersinnlichen Einflüsse versteckt oder unnötig tarnt, gelingt ihr es, mehrmals für wohligen Grusel zu sorgen. Das liegt vor allem an Muschiettis souveräner Regie, seiner ausgereiften, überaus atmosphärischen Bildsprache – er ist gelernter Werbefilmer – und dem Talent der beiden Kinderdarsteller, die bereits ohne Unterstützung ihrer CGI-generierten Zweitmama Angst und Schrecken verbreiten.

„Mama“ ist darüber hinaus eine wahre Fundgrube für Freunde des klassischen Horrorkinos. Davon abhängig wie sehr man sich in Muschiettis Werk hineinziehen lässt, mag man die Anleihen an „The Woman in Black“, „Dark Water“ und sogar „Das Schweigen der Lämmer“ (die Motte!) wahlweise als liebevolle Hommage oder ideenlose Kopie bewerten. Dazu borgt sich Muschietti auch bei Del Toro so manches aus. Im behutsamen Aufbau von Atmosphäre und ihrer Figuren sind beide Filmemacher ohnehin auf einer Wellenlänge. Natürlich besitzt „Mama“ auch ganz objektiv einige Schwachpunkte. Während der Film gerade aus der Stille und der Ruhe ein Gefühl der Bedrohung kreiert, sind seine lauten Schreckmomente weniger überzeugend. Gleiches gilt für den zum Ende ausufernden CGI-Einsatz, der dem Mysterium der Geistermutter jedes Geheimnis und jede Poesie raubt. Letztlich bleibt es aber nur bei Schrammen an einem ansonsten erstaunlich reifen Debüt.

>> verfasst von Marcus Wessel

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