Moviebase Dark Skies - Sie sind unter uns

Dark Skies - Sie sind unter uns
Dark Skies - Sie sind unter uns

Bewertung: 70%

Userbewertung: 64%
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Originaltitel: Dark Skies
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 29.01.2015
DVD/Blu-Ray Verleih: 04.12.2014
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 93 Minuten
Studio: Alliance Films, Blumhouse Productions
Produktionsjahr: 2012
Regie: Scott Charles Stewart
Drehbuch: Scott Charles Stewart
Darsteller: Keri Russel, Dakota Goyo, Josh Hamilton, Annie Thurman, Alyvia Alyn Lind, Michael Patrick McGill

Das 21. Jahrhundert stellt sich bisher als das große Zeitalter der Paranoia dar: Noch vor wenigen Jahrzehnten hätten Warnungen vor winzigen, versteckten Kameras und großangelegten Überwachungsplänen der Regierung für mitleidiges Schmunzeln gesorgt. Spätestens mit Edward Snowdens Enthüllungen sind aus den Verschwörungstheorien Fakten, und wir alle wieder ein Stück paranoider geworden. Die Frage drängt sich auf: Wenn die Verrückten von damals die Propheten von heute sind, in welchen Belangen lagen sie denn noch richtig? “Dark Skies”, ein kleiner, feiner B-Horror aus der Schmiede des Genre-Erfolgsproduzenten Jason Blum, greift solche post-modernen Ängste auf und transplantiert sie gekonnt in ein klassisches Horrorgewand.

Augenscheinlich geht es in “Dark Skies” um außerirdischen Horror in bester “Akte X”-Tradition: Sind “die Grauen” schon unter uns? Beobachten sie uns ebenso wie wir ein Insekt im Terrarium? Entführen Sie unsere Kinder und führen grausige Tests an ihnen durch? “I'm ready to believe now!”, sagt der Familienvater Daniel Barrett (Josh Hamilton) an einem Wendepunkt des Films zu seiner Frau Lacy (Keri Russell), die ihn zuvor bereits mit ihren Theorien zu den merkwürdigen Vorkommnissen in ihrem vorstädtlichen Familienhaus konfrontiert hat – ein eindeutiger Wink in Richtung Scully und Mulder. Dabei deuten zunächst alle Zeichen auf klassischen “Haunted House”-Horror: Nächtliches Gerumpel, bizarr gestapelte Gegenstände und weiß getilgte Familienfotos sprechen beim geneigten Genre-Fan schließlich eher für einen Poltergeist oder Dämon. Gewissermaßen sind Außerirdische aber noch perfidere Gegner. Denn wo Geist und Dämon auf menschlichen Deutungssystemen basieren (Religion, Geisterglaube), ist das Alien (wie das englische Wort bereits andeutet) das ganz Andere, Unverständliche.

Für einen Horrorfilm aus der zweiten Reihe setzt “Dark Skies” diese Furcht vor dem Unbekannten visuell erstaunlich innovativ um: Kameramann David Boyd folgt den Protagonisten in langen Takes durch das spießige Reihenhaus und verwandelt es so in ein klaustrophobisches Labyrinth. In anderen Szenen erinnern die Bilder an Aufzeichnungen von Überwachunskameras. Dieses Stilelement ist in der Handlung gespiegelt: Wie so viele männliche Figuren im aktuellen Horrorfilm glaubt Daniel nämlich an die Auflösung aller unheimlichen Vorgänge durch blindes Vertrauen in moderne Technik. Wie selbstverständlich installiert er in allen Zimmern des Hauses Kameras, auch in den Schlafzimmern der beiden Kinder Jesse und Sam und beginnt den Alltag seiner Familie zu überwachen. Hier deutet sich zum ersten Mal an, das “Dark Skies” neben einer klassischen Genre-Atmosphäre auch mit explosivem Subtext aufwartet: Eigentlich geht es in diesem Film nicht vorrangig um böse Außerirdische (die bezeichnenderweise auch fast nie zu sehen sind), sondern um kollektive, wahnhafte Paranoia im Familienzusammenhang.

So ist es kein Zufall, dass Regisseur und Drehbuchautor Scott Stewart der Story des Films einen inoffiziellen Gegenentwurf beischaltet: Mehrmals wird das Ehepaar Barrett im Verlauf des Films bezichtigt, ihre beiden Söhne zu vernachlässigen oder gar körperlich zu misshandeln – die Ausflüchte des Jüngsten, die Außerirdischen hätten ihm die Wunden zugefügt, halten die Nachbarn natürlich für wenig überzeugend. Als Daniel und Lacy anfangen, Fenster und Türen mit Holzlatten zu verbarrikadieren, fragt man sich als Zuschauer schließlich beinahe selbst, ob die beiden nicht einfach verrückt geworden sind. Die “Aliens” könnten sich ja auch als bloße Wahnvorstellung entpuppen, herbeigeführt durch den Besuch dubioser Internetseiten von Verschwörungsfreaks sowie der Konsultation des “Alien-Experten” Pollard (grandios schräger Kurzauftritt: J.K. Simmons). Bis zum leider völlig verworrenen Ende lässt “Dark Skies” beide Möglichkeiten offen.

Nach den beiden kitschigen Trashfilmen “Legion” und “Priest” sorgt Regisseur Stewart mit dieser cleveren Genre-Konstruktion für eine echt positive Überraschung. Wenn einige Plotpoints auch reichlich schwerfällig eingeleitet werden und die Dialoge selten über belanglose Phrasen herauskommen, überzeugt “Dark Skies” als ambivalenter Horrorfilm, der mehr auf Atmosphäre als auf plumpe Jump Scares setzt. Zudem ist Blum und Stewart ein kraftvoller Kommentar zu unseren paranoiden Zeiten der allgegenwärtigen Überwachung gelungen: Denn viel realer und gefährlicher als die Angst vor Außerirdischen ist die diffuse Angst vor der Angst, die uns alle noch so drakonischen Sicherheitsmaßnahmen dankbar akzeptieren lässt.

>> von Tim Lindemann

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