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Oculus
Oculus

Bewertung: 70%

Userbewertung: 75%
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Originaltitel: Oculus
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 05.12.2014
DVD/Blu-Ray Verleih: 05.12.2014
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 100 Minuten
Studio: FilmDistrict, Intrepid Pictures
Produktionsjahr: 2012
Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard
Darsteller: Katee Sackhoff, Brenton Thwaites, Rory Cochrane, Annalise Basso, Garrett Ryan

Ein Mann, ein Raum, ein Spiegel. Das sind die Zutaten von Mike Flanagans Kurzfilm „Oculus: Chapter 3 – The Man with the Plan“, der von einem verzweifelten Kampf gegen ein möglicherweise verfluchtes Artefakt erzählt und 2006 auf Festivalreisen ging. Einige Jahre später erhielt der junge Filmemacher den Zuschlag für eine Langversion seiner kleinen, fiesen Horrorgeschichte und stand damit vor der Aufgabe, einen Stoff von 30 Minuten auf etwas mehr als anderthalb Stunden auszubauen. Gewiss kein Selbstläufer, da bei „aufgeblähten“ Kurzfilmen oft die Gefahr besteht, dass sie am Ende nicht mehr als ihre Ursprungsidee zu bieten haben. Flanagan erweist sich jedoch als umsichtiger Genre-Kenner und reichert die simple Ausgangssituation um eine zweite Zeitebene an, die den routiniert inszenierten Gruselstreifen mitunter in die Nähe eines komplexen Familiendramas rückt.

Zehn Jahre nachdem er für den Mord an seiner Eltern verurteilt wurde, darf der 21-jährige Tim Russell (Brenton Thwaites) die Psychiatrie verlassen und freut sich, dass ihn seine ältere Schwester Kaylie (Karen Gillan) nicht vergessen hat. Die junge Frau ist ebenfalls glücklich, ihren Bruder wiederzusehen, und hat bereits Vorkehrungen getroffen, um seinen Namen und den ihrer Familie ein für alle Mal reinzuwaschen. Immerhin ist Kaylie fest davon überzeugt, dass weder Tim noch ihr labiler Vater für die schreckliche Familientragödie verantwortlich sind, sondern ein antiker Spiegel, der damals im Arbeitszimmer hing. Um ihre Vermutungen zu beweisen, hat sie das zwischenzeitlich verschollene Artefakt wieder aufgetrieben und bereitet nun, unter Zuhilfenahme diverser technischer Geräte, ein wissenschaftliches Experiment vor, das die dämonische Macht herausfordern soll. Tim wiederum ist bei dem Gedanken, böse Geister zu wecken, alles andere als wohl zumute.

Auch wenn ein altes, geheimnisumwittertes Anwesen zentraler Handlungsort ist, fällt „Oculus“ streng genommen nicht in die Kategorie der Haunted-House-Filme. Verflucht scheint schließlich nicht das Gebäude an sich, sondern der geheimnisvolle Spiegel, der, wie Kaylie stakkatoartig referiert, über vier Jahrhunderte an ganz unterschiedlichen Orten zu grausamen Todesfällen geführt hat. Interessant ist an Flanagans elegant gefilmter Schauermär bereits ihre Prämisse, die übliche Konventionen (das Übernatürliche wird ungewollt entfesselt) gezielt unterläuft. Hier ist die Protagonistin geradezu besessen davon, die bösen Mächte aus dem Spiegel zu befreien, ohne Rücksicht auf die Gefahren, die sie damit heraufbeschwört. Manchmal wirkt sie in ihrer Erklärwut wie von Sinnen, was umso mehr ins Auge springt, wenn man die Reaktionen ihres Bruders zum Vergleich heranzieht. Tim, der gerade erst die Psychiatrie verlassen hat, plädiert die ganze Zeit an Kaylies Verstand und versucht seiner Schwester zu erklären, dass uns Erinnerungen, insbesondere bei traumatischen Ereignissen, böse Streiche spielen können.

Eingewoben in die geschwisterlichen Diskussionen sind Rückblenden zur Vorgeschichte, die im Grunde spannender ausfallen als das Geschehen im Hier und Jetzt, da wir Zeuge werden, wie der Wahnsinn langsam von den Russells Besitz ergreift. Schleichend, aber unaufhaltsam machen sich im Familienleben Aggressionen breit, Vater und Mutter entfremden sich, und die Kinder werden befallen von einer lähmenden Angst, die auch den Zuschauer erfasst. Eindringlich geraten dabei nicht nur die Darbietungen von Katee Sackhoff und Rory Cochrane als entzweites Ehepaar. Auch die Jungdarsteller Annalise Basso und Garrett Ryan leisten, gemessen an Horrorfilm-Maßstäben, Außergewöhnliches. Immerhin lassen sie die wachsende Panik ihrer Figuren jederzeit glaubhaft erscheinen und stellen „Oculus“ damit erst auf solide Füße.

Als erzählerischer Clou erweist sich Flanagans Entscheidung, die zwei Zeitebenen der Geschichte mit fortlaufender Dauer weiter zu verschmelzen, bis sie im letzten Drittel schließlich vollends ineinanderfließen und das Spiel mit (falscher) Wahrnehmung und Erinnerung auf die Spitze treiben. Leider unterlaufen dem jungen Regisseur auf diesem Weg nicht nur einige Redundanzen. Gleichzeitig versteigt er sich, vor allem gegen Ende, immer häufiger in simple Geisterbahneffekte, die den fast schon tragischen Handlungsentwicklungen etwas von ihrer Ausdruckskraft nehmen. Handfeste Jump Scares sind insgesamt recht spärlich über die gesamte Laufzeit verteilt, kommen dafür aber manchmal erstaunlich böse daher (Stichwort: Apfel!), wobei sie Hardcore-Horrorfans nicht wirklich beeindrucken dürften. Alle anderen hingegen könnten durchaus auf ihre Kosten kommen. Auch, weil der nur selten blutige Film trotz einiger Schönheitsfehler atmosphärisch zu überzeugen weiß. Ein bedrohlich brummender Klangteppich und geschickt gesetzte Schnitte zwischen Vergangenheit und Gegenwart machen „Oculus“ zu einer Erfahrung, die aus dem großen Einerlei des Horror-Outputs definitiv heraussticht.

Wie so oft sei dem interessierten Zuschauer angeraten, sich nicht allzu ausgiebig mit etwaigem Werbematerial auseinanderzusetzen. Denn dummerweise sind im Trailer einmal mehr einige der besten Szenen enthalten, die ihre Wirkung verlieren, wenn man sie vorab bereits gesehen hat.

>> von Christopher Diekhaus

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