Moviebase The Last Days

The Last Days
The Last Days

Bewertung: 60%

Userbewertung: 65%
bei 60 Stimmen

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Originaltitel: Los ultimos dias
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 02.05.2014
DVD/Blu-Ray Verleih: 02.05.2014
Freigabe: FSK 12
Lauflänge: 102 Minuten
Studio: Antena 3 Films, Eurimages
Produktionsjahr: 2012
Regie: David Pastor, Àlex Pastor
Drehbuch: David Pastor, Àlex Pastor
Darsteller: Quim Gutiérrez, José Coronado, Marta Etura, Leticia Dolera, Mikel Iglesias

Wenn im Film das Weltende naht, könnte man durchaus häufiger zu dem Schluss kommen, dass die Menschheit für das Unheil irgendwie selbst verantwortlich ist. Selbst wenn wie in "Armageddon" nur ein gesichtsloser Steinbrocken auf die Erde zurast, wird meist angedeutet, dass das Universum, oder eben: der Regisseur, uns damit für bestimmte Verfehlungen bestrafen will. Noch offensichtlicher ist das in allegorischen Untergangsszenarien wie "Die Stadt der Blinden", in denen diverse Formen kollektiver Hysterie verhandelt werden. In diese Kerbe schlägt auch der neue Film der spanischen Regie-Brüder David und Àlex Pastor: In "The Last Days" wird die Weltbevölkerung von einer mysteriösen Panik vor dem Verlassen geschlossener Räume, der Agoraphobie, befallen – mit dramatischen Konsequenzen.

Spannend ist in "The Last Days" dabei vor allem, dass die Zuschauer den Grund für den Niedergang der Zivilisation erst nach und nach erfahren: Der Film wirft uns zunächst ins kalte Wasser, indem er uns kommentarlos mit einem verwüsteten, menschenleeren Barcelona konfrontiert, sowie den scheinbar grundlos in einem Bürogebäude verbarrikadierten Hauptfiguren. Dabei handelt es sich um Marc (Quim Guiterrez) und Enrique (José Coronado), ein mehr als ungewöhnliches Protagonisten-Paar: Marc, ein Informatiker, stand vor dem Ausbruch der "Panico" (wie die "Krankheit" im Volksmund genannt wird) kurz vor der Entlassung durch den Personalchef Enrique – nun ist er gezwungen mit dem zuvor verhassten Vorgesetzten gemeinsame Sache zu machen. Denn wie es so ist in Endzeit-Filmen haben beide Männer eine Mission: Marc sucht seine schwangere Freundin Julia, Enrique versucht zu seinem kranken Vater ins Krankenhaus zu gelangen. Das geht nur unterirdisch und so schlagen sich die beiden gemeinsam durch die Kanalisationen und U-Bahn-Tunnels, in denen marodierende Banden ihr Unwesen treiben.

Die Pastor-Brüder, die schon in ihrem Vorgängerfilm "Carriers" die Menschheit mit ihrem Ende konfrontierten, inszenieren die Odyssee der beiden mit viel Gespür fürs Genre – einerseits durch eine detailverliebte Ästhetik der Verwüstung, andererseits durch präzise getimete Spannungsbögen. Schade nur, dass ihnen nach der cleveren Einführung der Ausgangssituation nur wenig Neues einfällt. So kippt das Genreverständnis teilweise ins reine Abhaken gängiger Apokalypse-Klischees,  entliehen von zahlreichen Vorbildern von "Die Klapperschlange" bis "Children of Men". Zugute kommt den Regisseuren allerdings ihr klassisch anmutendes Bildverständnis und so finden sich in all der Hektik immer wieder einige beeindruckende Einstellungen und Kamerafahrten – es steckt sichtlich viel Mühe in der Inszenierung von "The Last Days".

Die große Schwäche des Films aber ist, dass seine ursprüngliche Idee der Ausweitung auf einen abendfüllenden Film nicht gewachsen ist. Es fällt streckenweise schwer, Empathie für Figuren zu empfinden, die aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage sind vor die Tür zu gehen. Im Gegensatz zu "Die Stadt der Blinden", in dem das "Symptom" der kollektiven Blindheit für nachvollziehbaren Schrecken sorgte, wirkt die Idee der Agoraphobie von Anfang an nur auf rein metaphorischer Ebene. Natürlich ist "The Last Days" ein Kommentar auf eine Gesellschaft, die per Mausklick Kontinente durchwandert, aber zunehmend die Verbindung zur realen Außenwelt verliert. Diese Allegorie ginge in Ordnung, wenn "The Last Days" auch davon ab als spannender Genrefilm funktionieren würde. Das ist aber nur bedingt der Fall, tatsächlich rutscht der Film mit seiner Problematik gelegentlich gar ins unfreiwillig Komische: In einer Szene kurz vor Schluss muss Marc eine kleine Straße überqueren um zu seiner geliebten Julia ins Nebengebäude zu gelangen. Die Pastors inszenieren das mit pompöser Hollywood-Musik, dramatischen Close-Ups und Zeitlupe – da kann man sich ein kleines Lächeln leider nicht verkneifen.

Gerettet wird "The Last Days" dann vor allem von seinem Hauptdarstellerpaar: Die zwei ungleichen Männer, die nach gemeinsam überstandenen Kämpfen gegen Durst, Hunger, Verbrecher und einen Bären (!) schließlich dicke Freunde werden, verleihen dem streckenweise arg löchrigen Plot einen angenehmen Schwerpunkt – und sind mit Guiterrez und Coronado treffend besetzt. Das Ende schlägt dann allerdings wieder einen so kruden Schlenker, dass der Film einen mit eher gemischten Gefühlen entlässt. Jede Kino-Generation bekommt die Apokalypse, die sie verdient – scheinbar sind wir Stubenhocker einfach zu schrecklich unspektakulär. 

>> geschrieben von Tim Lindemann

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