Moviebase Maze Runner - Die Auserwählten im Labyrinth

Maze Runner - Die Auserwählten im Labyrinth
Maze Runner - Die Auserwählten im Labyrinth

Bewertung: 65%

Userbewertung: 61%
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Originaltitel: The Maze Runner
Kinostart: 16.10.2014
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: Unbekannt
Studio: 20th Century Fox, Gotham Group
Produktionsjahr: 2014
Regie: Wes Ball
Drehbuch: Noah Oppenheim
Darsteller: Dylan O'Brien, Kaya Scodelario, Thomas Brodie-Sangster, Patricia Clarkson, Will Poulter, Ki Hong Lee, Chris Sheffield

Kinder- und Jugendfilme dürfen, ja müssen vielleicht manchmal gruselig sein. Der Autor dieser Zeilen erinnert sich etwa mit genüsslichem Schaudern an die erste Seherfahrung von Nicolas Roegs "Hexen Hexen" – und die darauffolgenden schlaflosen Nächte. Schon in Grimms Märchen "Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen" wird schließlich die Konfrontation mit dem Unheimlichen als wichtiger Teil des Aufwachsens beschrieben. Seit einiger Zeit aber gibt es einen neuen, merkwürdigen Trend im Jugendfilmbereich. Es geht weniger um wohligen Grusel als um existentialistische Untergangsszenarien und zynische Kampfspektakel um Leben und Tod. Die Beispiele sind zahlreich: Da ist etwa der prominenteste Vertreter "Die Tribute von Panem", der Kriegsfilm "Tomorrow When The War Began" oder das Finale der "Harry Potter"-Saga. In die gleiche apokalyptische Kerbe schlägt "The Maze Runner", der wie die eben genannten Filme auf einer Buchreihe basiert. 

Die Prämisse des Franchises ist zunächst von bestechender Simplizität: Thomas (Dylan O'Brien) findet sich plötzlich in einer merkwürdigen Parallelwelt wieder; er erinnert sich an nichts, zu Anfang noch nicht einmal an seinen Namen. Er befindet sich mit ungefähr 40 anderen Jungs zwischen etwa zwölf und siebzehn Jahren in einem bewaldeten Stück Land, das von allen vier Seiten von einem überdimensionalen Labyrinth umgeben ist. Niemand weiß, was außerhalb liegt. Nur die "Maze Runner", eine Elitegruppe innerhalb der männlichen Rangordnung, erforschen tagtäglich das Labyrinth. Doch der riesige Irrgarten verändert sich nicht nur ständig, im Inneren treiben auch gefährliche Monster ihr Unwesen. Klar ist nur eins: Irgendjemand hat die Jungs in diese rätselhafte Welt verfrachtet, wird doch jeden Monat ein Neuankömmling sowie etwas spärlicher Proviant über einen Fahrstuhl zu ihnen gebracht.

Dieser anfängliche Versuchsaufbau erinnert in etwa an "Herr der Fliegen" trifft "Lost" trifft "Die Tribute von Panem" – so ähnlich wurde der Film auch von Debüt-Regisseur Wes Ball selbst beschrieben. Von Beginn an ist auch deutlich, dass es hier durchaus um Leben und Tod geht, fordert das Labyrinth doch immer wieder jugendliche Opfer. Diese relativ düstere, offene erste Hälfte des Films ist tatsächlich spannend inszeniert: Natürlich liegt über jedem Bild ein zentnerschwerer visueller Filter irgendwo zwischen Instagram-Effekt und HipHop-Video, das Innere des Irrgartens aber ist überaus stimmungsvoll in Szene gesetzt. Auch inhaltlich sorgt die relative Ungewissheit durchaus für Interesse. Kenner der Buchreihe werden darauf logischerweise einen anderen Blick haben.

Im Unterschied zu den "Tributen" aber kann Balls Film nicht mit einem Hauptdarsteller aufwarten, der annähernd Jennifer Lawrences Klasse erreicht: Dylan O'Brien ist ein aalglatter Schönling für die Generation Facebook – ihm fehlen die Ecken und Kanten, die der eher raue Ton des Films erfordert. In den emotional anspruchsvolleren Momenten muss er vollständig kapitulieren. Aus der Masse der Jungschauspieler sticht vor allem Will Poulter als Thomas Gegenspieler Gally hervor – zwar mimt er den aggressiven Fiesling schon mit etwas zu viel Elan, immerhin aber bleibt seine Performance im Gedächtnis.

Von Anfang an mag sich der Zuschauer wundern, wie es ein Haufen pubertierender Jungs auf engstem Raum seit mehreren Jahren miteinander aushält. Der Film gibt eher unfreiwillig komische Antworten: Die wöchentlichen Ringkämpfe deuten einen homosexuellen Subtext an, den dieser kreuzbrave Hollywood-Film natürlich nicht weiter auslotet. Zur völlig bizarren Pubertätsmetapher wird "The Maze Runner" dann, als schließlich ein Mädchen in die Arena geschickt wird (mit dem zusätzlichen Hinweis: "Sie ist die Letzte!"). Kaum ist das weibliche Wesen aufgetaucht, drängt es die Jungs aus dem Labyrinth auszubrechen, also die von anonymen Erwachsenen aufgebauten Strukturen zu durchdringen und in die Freiheit zu gelangen. Frühlingserwachen im digitalen Zeitalter.

Ob sich Jugendliche im Jahr 2014 mit diesen symbolisch aufgeladenen Bildern zu identifizieren vermögen, kann hier nicht beurteilt werden. Die fatalistische Brutalität, die "The Maze Runner" im letzten Drittel an den Tag legt, wirkt dabei aber durchaus irritierend. In den "Tributen von Panem" sind die zynischen "Hunger Games" zumindest noch in ein fiktives totalitäres System eingebettet; hier bleiben die Zusammenhänge dubios und vage. Balls Films zeichnet so ein reichlich düsteres Portrait der Jugend im 21. Jahrhundert; mit der zwar unheimlichen, aber auch magisch-wundersamen Atmosphäre von 90er-Filmen wie etwa "Mathilda", "Hexen Hexen" und co hat dieses kühle Endzeitspektakel nichts mehr zu tun. Sollte dies tatsächlich dem heutigen jugendlichen Selbstverständnis entsprechen, erscheint der zugrundeliegende Fatalismus – das Gefühl, bloße Spielfigur in einem unverständlichen, tödlichen Wettkampf zu sein – erst recht verstörend.

>> von Tim Lindemann

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