Moviebase The Seasoning House

The Seasoning House
The Seasoning House

Bewertung: 80%

Userbewertung: 85%
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Originaltitel: Seasoning House
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 27.09.2013
DVD/Blu-Ray Verleih: 27.09.2013
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 90 Minuten
Studio: Sterling Pictures Ltd., Templeheart Films
Produktionsjahr: 2012
Regie: Paul Hyett
Drehbuch: Paul Hyett, Conal Palmer
Darsteller: Rosie Day, Sean Pertwee, Kevin Howarth, Anna Walton, Jemma Powell, Alec Utgoff, David Lemberg, Dominique Provost-Chalkley, Ryan Oliva, Laurence Saunders, Daniel Vivian, Abigail Hamilton

Es ist immer ein Wagnis, wenn man das Metier, in dem man über die Jahre erfolgreich gewirtschaftet hat, verlässt, um sich an anderen Dingen zu versuchen. Meist geht zumindest der erste Versuch gründlich in die Hose. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Eine von ihnen ist Make-Up-Artist Paul Hyett. Der Mann, der uns die fiesen Kreaturen in Neil Marshalls Höhlen- und Höllentrip „The Descent“ bescherte oder auch Genrefilme wie „The Cottage“ und „Eden Lake“ betreute, wollte etwas Neues versuchen. Durch die Arbeit an den verschiedensten Projekten muss Hyett Blut geleckt haben. So markiert „The Seasoning House“ das Regiedebüt des Künstlers und macht unmissverständlich klar: Auch ein Erstlingswerk kann richtig gut sein.

Ruhig angehen lässt es Hyett nicht und nimmt sich gleich einem schwierigen Thema an: der Krieg am Balkan. Hier steht, etwas ab vom Schuss, das sogenannte „Seasoning House“. Was nach einem Ort für Entspannung und Fröhlichkeit klingt, ist in Wirklichkeit der blanke Horror. In dem Haus werden Mädchen zum Sex mit Soldaten gezwungen. Zuhälter Viktor (Kevin Howarth aus „Gallowwalkers“) lässt sich seine Prostituierten gut bezahlen. Zeit und Lust, sich auch nur ansatzweise um deren Wohlbefinden zu kümmern, hat der „Geschäftsmann“ freilich nicht. Zu diesem Zweck hält er die taubstumme Angel (Rosie Day) im Anwesen, die sich in den Lüftungsschächten zwischen den Zimmern bewegt und die Mädchen – von den Peinigern unbemerkt – unter Drogen setzt und für die Kunden aufbereitet.

Angels Familie wurde im Balkankrieg ermordet und anfangs war auch sie eine von vielen unschuldigen Frauen, die Viktor für seine skrupellosen Spielchen missbrauchte. Doch als er Gefallen an ihr findet, wird sie seine persönliche Sklavin. Bis zu dem Tag, an dem Angel eine Gefangene kennenlernt, die Gebärdensprache kann. Darüber hinaus wird sie Zeugin eines grauenvollen Todes und sinnt auf Rache. Rache an den Soldaten, die sich tagtäglich an den Mädchen vergehen. Rache an Viktor, der all das zu verantworten hat.

Hyetts Filmdebüt ist eine Qual – im positiven Sinne. Als wäre die Ausgangslage nicht schon schlimm genug, foltert der Neuregisseur den Zuschauer auf der nervlichen und körperlichen Ebene gleichermaßen. Das Mitleid gilt von Anfang an den geschundenen Frauen und die Wut auf die gefühlslosen Veteranen steigt von Minute zu Minute. Dazu wird nicht mit drastischen Bildern gespart und die Kamera hält im schmutzigen, ungemein ekelhaften Etablissement überall drauf, wo andere schon längst weggesehen hätten.

Seine Stärke als Prothesen- und Make-Up-Artist zeigt sich auch hier erneut. Manch eine Szene wird dermaßen realistisch und ultrahart herübergebracht (besonders beim Messer-in-den-Mund-Rammen), dass man sich selbst in heutigen Zeiten fragt, wie so etwas wohl gedreht wird. Deswegen ist „The Seasoning House“ absolut nichts für schwache Nerven. Hyett verschont sein Publikum nicht und lässt den Zuschauer das, was den Mädchen im Haus widerfährt, hautnah miterleben.

Besonders gelungen ist hierbei auch die Idee mit der taubstummen Angel, einnehmend und elektrisierend verkörpert von Rosie Day, die zuvor vor allem in US-Serien wie „Family Affairs“ zu sehen war. Sehen wir die Dinge aus ihrer Sicht, wird es still. Von den gellenden Schreien bleibt Angel zwar verschont, doch man blickt mit ihr in die verzweifelten und von Angst zersetzten Gesichter der missbrauchten Frauen und fiebert mit, wenn sie auf der Flucht vor Viktor und den anderen Soldaten durch die engen Schächte in den Wänden rennt. Diese Momente stehen im krassen Kontrast zu den lauten, von Gewalt getränkten Phasen, in denen schon mal das Blut spritzt. Allerdings sind es nicht unbedingt die späteren Racheakte, die an die Nieren gehen, sondern eben jene heftigen Vergewaltigungs- und Folterszenen.

Die Bestie Mensch schlägt unbarmherzig zu. Vor dem Hintergrund des Balkankriegs trifft die Botschaft ungleich schmerzvoller ein. Der ganze Umstand macht „The Seasoning House“ nochmal eine Spur nervenzerrender. Frauen sind hier nutzlose Ware, die einzig zur Befriedigung der Männer dienen. Das ist pure Menschenverachtung und die moralischen, menschlichen Abgründe sind unendlich tief. Für zwischendurch ist Hyetts Erstling deshalb absolut nicht geeignet. Zu lange wirken die eindringlichen Bilder im Haus des Schreckens nach.
 
Fazit: Ultrahartes Genrekino, das emotional an die Seele geht und mit seiner expliziten Gewaltdarstellung an einem düster-dreckigen Schauplatz garantiert nichts für Zartbesaitete ist.

>> verfasst von Janosch Leuffen

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