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Moviebase The Purge 2: Anarchy

The Purge 2: Anarchy
The Purge 2: Anarchy

Bewertung: 65%

Userbewertung: 41%
bei 153 Stimmen

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Originaltitel: The Purge 2
Kinostart: 31.07.2014
DVD/Blu-Ray Verkauf: 11.12.2014
DVD/Blu-Ray Verleih: 11.12.2014
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 99 Minuten
Studio: Blumhouse Pictures, Universal
Produktionsjahr: 2014
Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
Darsteller: Frank Grillo, Zach Gilford, Kiele Sanchez

"Die Hölle, das sind die anderen," schrieb Jean-Paul Sartre in seinem Theaterstück "Geschlossene Gesellschaft" und spielte damit auf die tiefsitzende Angst des Menschen vor seinem Gegenüber an. Jeder Fremde könnte potenziell ein Feind sein, der einem den Tod will, so die ultimativ paranoide Konsequenz dieses Denkens. Der kleine, gemeine Thriller "The Purge" griff dieses Thema vor zwei Jahren durchaus clever auf: Zum einen bezog er aus der Angst vor einer entgrenzten Gesellschaft seine Spannung, zum anderen kritisierte er auch deutlich die Instrumentalisierung dieser Angst, mit der gerade in den USA im Waffenverkauf ein zynisches Geschäft gemacht wird. Die Fortsetzung "The Purge: Anarchy" erweitert nun den Blick vom Mikro- auf den Makrokosmos und lässt uns als Zuschauer teilhaben am schockierenden Panorama einer Gesellschaft, die Massenmord mit Methode betreibt.

Die Prämisse bleibt die gleiche: In einer nicht allzu fernen Zukunft werden die USA von einer Art Aristokratie, den "Neuen Patrioten" beherrscht, die dem ausufernden Verbrechen mit dem "Purge", der "Reinigung", entgegenwirken. Jeweils eine Nacht im Jahr sind alle Verbrechen legal, es kann gemordet, gestohlen und vergewaltigt werden, ohne rechtliche Konsequenzen. Wo der erste Film sich in "Home Invasion"-Manier auf nur einen einzigen Haushalt beschränkte, folgen wir nun einer Gruppe von Leuten, die aus verschiedenen Gründen kurz vor Beginn des "Purge" auf den Straßen der Stadt gestrandet sind und nirgendwo Einlass finden. Man kann also von einer interessanten Umkehrung des "Home Invasion"-Motivs sprechen: Die Helden müssen sich nicht gegen ungebetene Gäste wehren, sondern sind selber ausgesperrt und somit schutzlos den animalischen Instinkten der anonymen Masse ausgesetzt. Der vermeintliche Schutz des eigenen Heims existiert hier also von Beginn an nicht mehr, wird als Illusion entlarvt.

Die zusammengewürfelte Truppe um den mysteriösen Anführer "Sergeant" (Frank Grillo) ist auf der Suche nach "sicheren Häfen" in der von allen Regeln befreiten Stadt. Alle diese Stationen erweisen sich jedoch immer wieder als Gefahrenherde: Denn, das macht Regisseur und Autor James DeMonaco kraftvoll deutlich, wenn der Raum für Grenzüberschreitung eröffnet ist, ist selbst der Schutz der eigenen Familie trügerisch. Die hochspannende Frage, die der Film versucht auszuhandeln könnte also wie folgt ausformuliert werden: Ist die Existenz des "Purge" das Problem oder das im Menschen vorhandene Potential, sich daran zu beteiligen? Frei nach dem Motto: Stell dir vor es ist "Purge" und keiner geht hin. 

Diese Erweiterung der Problematik des ersten Teils ist eine sinnvolle und durchdachte Grundlage für eine Fortsetzung – was man bei einem Genre-Sequel ja durchaus mal besonders hervorheben darf. Visuell orientiert sich das Team um Horror-Starproduzent Jason Blum in "The Purge: Anarchy" weniger am Horror als an dystopischen Thrillern der 70er und 80er – etwa an Walter Hills Klassiker "The Warriors", John Carpenters "Assault on Precinct 13" und den italienischen "The Riffs"-Filmen. Die visuelle Drastik wurde dementsprechend in die Höhe geschraubt, aber nicht bis zum Letzten ausgereizt – vieles bleibt weiterhin der Fantasie überlassen. Als größte Gefahr wird dann auch ganz im Stil der genannten Filme eine wüste Straßengang aufgebaut, deren Mitglieder mit ihren unheimlichen Masken und grotesken Waffen für echte Beklemmung sorgen. Leider, und das ist ein generelles Problem des Films, verliert sich dieses Motiv gegen Ende in den Wirren des Plots.

Denn anstatt sich damit zu begnügen, die Auswirkungen des sadistischen Gesellschaftsrituals auf der Straße zu zeigen, versuchen die Filmemacher, ihr Universum immer komplexer zu gestalten. So werden immer neue Stränge der Story und Charaktere eingeführt, jedoch nur halbherzig oder gar nicht zu Ende entwickelt: Ein rätselhafter Anti-Purge-Aktivist und sein Gefolge, eine Geheimgesellschaft, die Menschenjagden veranstaltet, eine monströse Regierungsverschwörung.

Die Fülle dieser an und für sich überzeugenden Ideen verwandelt die zweite Hälfte des Films leider in ein hektisches Wirrwarr. Die Präzision, mit der vorher das Thema "Individuum versus Gesellschaft" behandelt wurde, kommt dem Film abhanden und verschwimmt in der vergleichsweise schwachen Feststellung, dass die "Säuberung" in Wahrheit nur ein perfides Mittel zur Bevölkerungsregulierung ist. Dass es vor allem die "unteren" Klassen sind, die beim "Purge" sterben sollen, ist zwar ein wohlgemeinter politischer Twist, wirkt aber wenig durchdacht. Auch die persönlichen Schicksale der Figuren geraten aus dem Fokus oder wirken wie lieblos abgehandelt – vor allem das Ende zeugt schließlich von kreativer Kapitulation davor, einen Abschluss für das vorher aufgebaute Plot-Ungetüm zu finden.

>> geschrieben von Tim Lindemann

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