Moviebase From Beyond

From Beyond
From Beyond

Bewertung: 75%

Userbewertung: 73%
bei 38 Stimmen

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Originaltitel: From Beyond
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 13.09.2013
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 86 Minuten
Studio: Empire Pictures, Taryn Prov
Produktionsjahr: 1986
Regie: Stuart Gordon
Drehbuch: Brian Yuzna
Darsteller: Jeffrey Combs, Barbara Crampton, Ken Foree, Ted Sorel, Carolyn Purdy-Gordon, Bunny Summers, Bruce McGuire, Del Russel, Dale Wyatt, Karen Christenfeld, Andy Miller, John Leamer

Über den deutschen Sonderweg in Sachen Filmzensur ist an und für sich bereits alles geschrieben worden; nicht jedoch über einen interessanten Nebeneffekt, der sich erst in letzter Zeit äußert: Wie in England und USA schon länger üblich, erscheinen nun auch hierzulande neue Editionen lange unterschlagener Filme, die die oftmals eher ruppige Anmutung dieser Streifen mit edlen Verpackungen und opulenter Sonderausstattung konterkarieren – ganz zu schweigen vom glasklaren HD-Bild. So eine großzügige Behandlung hat nun auch "From Beyond" erfahren, ein außerhalb von Fankreisen eher obskurer Body-Horror von "Re-Animator"-Regisseur Stuart Gordon. Eine Wiederentdeckung ist Gordons wahnwitziger Körper-Trip allemal wert, nur von H.P. Lovecrafts Namen über dem Titel sollte man sich nicht ködern lassen.

Mit dem Schaffen des Horror-Großmeisters aus New England hat Stuarts Blut-und-Schleim-Orgie eigentlich nur den Titel, einige Namen und wenige, grobe Plotentwicklungen gemeinsam. Der Kernunterschied – wie bereits bei Gordons Vorgängerfilm "Re-Animator" – zwischen beiden Werken liegt in ihrem Verhältnis zu einer der Grundfragen des Horrorgenres: Zeigen oder Andeuten. Wo Lovecraft dafür berühmt wurde, mit Begriffen wie "unbeschreiblich" und "namenlos" um sich zu werfen, das düstere Geschehen also in den Kopf des Lesers verlegte, ist der Regisseur Gordon klar von Sam Raimis "Tanz Der Teufel" beeinflusst und bevorzugt die frontale Konfrontation: Mit größtem Vergnügen lässt Gordon menschliche Körper in alle möglichen und unmöglichen Stadien der Zersetzung übergehen. Mit der Vorlage hat das wenig gemein, effektiv ist es dennoch.

In Gordons Version der Story stößt ein Wissenschaftler auf eine Möglichkeit, durch Stimulation der Zirbeldrüse das menschliche Bewusstsein zu erweitern – vor allem, wie es scheint, in sexueller Hinsicht. Eine unheimliche Nebenwirkung dieser Prozedur ist allerdings, dass mysteriöse Wesen aus einer anderen Dimension Einlass in die Köpfe und Lebenswelt der Versuchspersonen finden. Als der Forscher Dr. Pretorius (Ted Sorel) bei einem Selbstversuch (scheinbar) getötet wird, machen sich sein Assistent, eine Psychologin und ein Polizist auf, das Rätsel seines Todes zu lösen – geraten jedoch bald selbst in den Bann des Experiments.

Neben Raimis Splatter-Slapstick wird der Einfluss zweier anderer großer Vorbilder in "From Beyond" sichtbar: David Cronenberg und seine Vorliebe für verformte, verfremdete Körper und Clive Barkers Faszination für sexuelle Obsession und deren drastische spirituelle Auswirkungen. Dass das Verhältnis zwischen dem Forscher Dr. Pretorius und seinem Assistenten Tillinghast alles andere als rein professionell war, vermutet man bereits in der Eröffnungsszene; später macht Gordon den Einfluss der Zirbeldrüsenbehandlung auf die menschliche Libido dann mehr als eindeutig: In einer der bizarrsten Szenen des Films verwandelt sich die spießige Psychologin Dr. McMichaels (Barbara Crampton) plötzlich in eine sexwütige Domina und drangsaliert den bewusstlosen Tillinghast.

Es sind solche Momente, die dem Film seine ureigene Stimmung zwischen schwarzer Komik und verstörender Perversion verleihen. Diese speist sich nicht zuletzt auch aus der Erzählstrategie, jede zunächst unterschwellige Metapher plötzlich klar und deutlich auszusprechen: Die suchterzeugende, bewusstseinserweiternde Wirkung des Sex-Experiments etwa erscheint als Gleichnis für Drogenkonsum, was nicht nur dem Zuschauer, sondern auch Polizist "Bubba" (großartig: Ken Foree) auffällt: "Ich kenne solches Verhalten von der Straße: Sie sind ein Junkie, Dr. McMichaels!"

Eine ebenso zentrale Zutat im Genre-Gebräu des Films sind die spektakulär widerlichen Effekte, im Besonderen die Konstruktion des Wesens, in das sich Dr. Pretorius verwandelt – der zunehmende Verfall des Forschers in einen wandelnden, notgeilen Schleimklumpen erinnert visuell an Rob Bottins Schlachtplatte für Carpenters "The Thing". Nicht weniger fassungslos hinterlassen ein von "Dune" entliehener Riesenwurm, sowie eine Hirnentnahme durchs Auge. Selbst (oder gerade?) für heutige Effekt-Verhältnisse üben diese handgemachten Scheußlichkeiten noch eine starke, wenn auch stellenweise durchaus komische Wirkung aus.

Der hervorragende HD-Transfer dieser Neuauflauge lässt diesen farbenfrohen Wahnsinn in neuem Glanz erstrahlen – lange waren von dem Film nur visuell minderwertige Versionen erhältlich. Doch nicht nur das: Zum ersten Mal in Deutschland erlaubt diese Blu-ray einen Blick auf den unzensierten Director's Cut des Films, der einige für die gängige Kinofassung entfernte Szenen enthält – etwa den surrealen Moment, als eine Ärztin den mutierten Tillinghast darauf hinweist, dass ihn das Verspeisen menschlicher Gehirne "sehr krank" machen könnte. Dazu kommen unzählige Interviews mit den Beteiligten, Dokus über die Effekte, Vergleiche zwischen Storyboard und Film und noch mehr. Wie bereits bei anderen Veröffentlichungen solcher Art, besteht auch hier sicherlich das Paradox, dass der Film eher für schummrige Trash-Kinos als für hochauflösenden, cineastischen Genuss konzipiert scheint. Für Liebhaber ist diese Box dennoch ein Segen und im Gegensatz zu den vielen unsäglichen Horror-Fehlgriffen der 80er-Jahre dürfte "From Beyond" so auch den ein oder anderen neuen Befürworter hinzugewinnen.

>> verfasst von Tim Lindemann

100%
CthulhuFX
geschrieben am 09.01.2014 um 17:31 Uhr
Sehr schön, dieser Film verdient es allemal, als glücklicher Besitzer der Dragon DVD, die ja auch schon eine ansehliche Quali hat kann ich den Flick nur jedem empfehlen, nicht der allerbeste Gordon/Yuzna Lovecraft Streifen, aber trotzdem ein guter! Wer "Das Ding aus einer anderen Welt" mag sollte unbedingt reinschauen.
ParanoidAndroid
geschrieben am 02.01.2014 um 20:42 Uhr
Dass ihr auch Horrorklassiker wie "From Beyond" besprecht, finde ich klasse! Weiter so (und Verhoevens einzig wahren "Robocop" nicht vergessen, wenn er alsbald in seiner ganzen Pracht in Deutschland vertrieben werden darf)!
100%
mülltonne
geschrieben am 02.01.2014 um 16:11 Uhr
Genialer Bodyhorror und neben "Re - Animator" Gordons wohl genialste Lovecraft - Adaption bzw. Werk was von dem Autoren inspiriert wurde. Schön ist neben der erstklassigen Digi - Variante von ofdb.de ebenfalls die Tatsache der Film endlich runter vom Index ist...; - )
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