Moviebase The Babadook

The Babadook
The Babadook

Bewertung: 90%

Userbewertung: 95%
bei 556 Stimmen

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Originaltitel: The Babadook
Kinostart: 07.05.2015
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Causeway Films
Produktionsjahr: 2013
Regie: Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West

Filme, die sich mit dem Übernatürlichen beschäftigen, müssen sich an einem Punkt entscheiden, ob sie reine Allegorie sein wollen oder darüber hinausgehen. Steht "das Monster" etwa bloß symbolisch für ein Tabuthema der realen Welt, ein psychologisches Problem, ein historisches Trauma? Oder versucht der jeweilige Autor eine ambivalente Verknüpfung von Wirklichkeit und Fantastik? Der extrem effektive australische Horrorfilm "The Babadook" entscheidet sich erst kurz vor seinem Ende für eine der beiden Möglichkeiten. Gerade diese Unsicherheit aber macht ihn zutiefst furchteinflößend.

"The Babadook" ist ein Film, der sehr raffiniert menschliche Urängste aufgreift, diese mit viel Gefühl für Timing in düsteren "Set Pieces" verbaut und ganz nebenbei noch unerhört stylisch daherkommt. Mit sicherer Hand entwirft Regisseurin und Autorin Jennifer Kent zunächst das dramatische Ausgangssetting: Auch nach 8 Jahren hat die alleinerziehende Mutter Amelia den Unfalltod ihres Mannes noch nicht verarbeitet. Der Unfall geschah auf dem Weg zur Entbindung ihres gemeinsamen Sohnes Samuel – der Tod ihres Mannes und die Geburt ihres Sohnes sind für Amelia also von Anfang an mental verknüpft. Samuel steckt in einer schwierigen Radau-Phase: Mit selbstgebauten Waffen traktiert er seine Mitschüler bis er der Schule verwiesen wird; ständig buhlt er lautstark um die Aufmerksamkeit der Mutter. In einem cleveren Spiel mit den Identifikationsmechanismen des Kinos präsentiert Kent den Jungen zunächst als unerträgliche Nervensäge. Sein ständiger Lärm und die scheinbar grundlose Aggression lassen ihn als Quälgeist erscheinen, der seiner Mutter schwer zusetzt.

Mehr und mehr aber schleichen sich subtile Anzeichen dafür ein, dass es in Wahrheit Amelia ist, deren Verhalten Samuels Ungehorsam provoziert. Weder schenkt sie den Tricks ihres zaubereiverliebten Sohnes Aufmerksamkeit, noch mag sie ihn richtig in den Arm nehmen. Es gibt eine Kluft zwischen Mutter und Sohn, die nicht wenig damit zu tun haben zu scheint, dass Amelia Samuel unterbewusst für den Tod ihres Mannes verantwortlich macht. In diese emotionale Kluft drängt sich dann klammheimlich das Böse, das Grauen. Eines Abends taucht ein mysteriöses Kinderbuch in Samuels Zimmer auf. Sein Titel: Mister Babadook! Es erzählt von einer geheimnisvollen Entität im schwarzen Mantel und Hut, die sich durch dreimaliges Klopfen ankündigt (lautmalerisch: BA-BA-DOOK!) und auf nicht genauer spezifizierte Weise Kinder und Eltern zugleich in den Wahnsinn und schließlich den Tod treibt.

Wer jemals als Kind ein Buch gelesen hat, das ihm oder ihr viele lange, schlaflose Nächte beschert hat, der kann wertschätzen wie schlichtweg genial Kent diese Szene inszeniert: Im flüsternden Ton liest die Mutter Samuel das Buch vor, bis sie plötzlich ins Stocken gerät – die simplen aber bedrohlichen Reime jagen auch ihr Angst ein: "If its in a word or in a look – you can't get rid of the Babadook." Die künstlerische Gestaltung des fiktiven Pop-Up-Buchs ist einfach großartig und trägt im Grunde den ganzen restlichen Film. Kent etabliert in dieser Ursprungsszene das Monster so plastisch und effektiv, dass es im weiteren Verlauf kaum expliziter Bilder bedarf um uns in Angst und Schrecken zu versetzen. Wir wissen: Irgendwo lauert der rätselhafte Babadook.

Wie alle guten Horrorstories, die sich um ein bestimmtes Monster drehen, dringt "The Babadook" nun immer tiefer in das Wesen seines titelgebenden Ungetüms ein. Was ist es und warum taucht es zu dieser Zeit an diesem bestimmten Ort auf? Wie der "Boogeyman" oder Stephen Kings "Es" ist der Babadook zunächst ein typisches Kinder-Monster: Samuel kann vor Angst vor der vermeintlich fiktiven Kreatur kaum mehr schlafen, Amelia reagiert mehr und mehr gereizt auf die Panik ihres Sohns – bis sie beginnt, den Babadook ebenfalls durch die Ecken und Winkel des alten, düsteren Hauses huschen zu sehen, das sie und ihr Sohn bewohnen. Es stellt sich zudem langsam heraus, dass der "Babadook" viel mehr die Externalisierung von Amelias ungelösten Konflikten ist. Zusehends verfällt die verschüchterte Frau dem Wahnsinn, der schließlich auch mörderisch aggressive Züge annimmt.

In dieser Phase droht "The Babadook" kurzzeitig in die oben genannte Kategorie der Allegorie zu verfallen – das Monster visualisiert all die Enttäuschungen, die Trauer und die Wut, die sich in Amelia in den acht Jahren nach dem Tod ihres Mannes aufgestaut haben. Der Babadook übernimmt die Kontrolle und wütet. Eine derart offensichtliche psychologische Parallele wäre in diesem Fall schade, einfach weil der Film auf vielen weiteren Ebenen so großartig funktioniert. Beispielsweise ist er auch eine großartige Studie über die Macht der kreativen "Geburt" eines Monsters: Wer ein Monster erfindet, der macht es real und kann es niemals wieder töten.

 Schließlich schleichen auch Pennywise, Freddy Krüger und Co. auch heute noch die Träume und Ängste zahlloser Kinder und erwachsener Kinder. So ist "The Babadook" auch als durchaus selbstreflexiver Horrorfilm zu verstehen: Der Babadook existiert nun – das fiktive Kinderbuch hat ihn in die Filmwelt gebracht, Kents Film hat ihn in der realen Welt verankert: You can't get rid of the Babadook! Mit dem überraschenden Ende, das sicher für einige Diskussionen sorgen wird, entscheidet sich die Regisseurin jedoch glücklicherweise für einen starken, ambivalenten Ausgang, der diesem detailverliebten, schlauen Film einen gebührenden Abschluss verpasst.

Fazit: Intelligenter Nerventerror, der garantiert unter die Haut geht!

>> von Tim Lindemann

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