Moviebase Rigor Mortis

Rigor Mortis
Rigor Mortis

Bewertung: 80%

Userbewertung: 85%
bei 78 Stimmen

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Originaltitel: Jiang Shi
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 15.04.2014
DVD/Blu-Ray Verleih: 11.04.2014
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 100 Minuten
Studio: Kudos Films
Produktionsjahr: 2013
Regie: Juno Mak
Drehbuch: Philip Yung
Darsteller: Chin Siu-Ho, Kara Hui, Pau Hei-Ching, Anthony Chan Yau, Lo Hoi-Pang, Richard Ng, Chung Fat, Billy Lau

Den Spitznamen "Traumfabrik" trägt Hollywood nicht zufällig: Dass Filme nicht nur wie keine andere Kunstform Träume imitieren können, sondern im Grunde immer auch selbst wie Träume funktionieren, wird seit langem diskutiert. Ein Film wie ein Alptraum erscheint nun mit "Rigor Mortis" auch hierzulande. Der Debütfilm des Hongkonger Regisseurs Juno Mak rekonstruiert so gekonnt wie schon lange kein Horrorfilm mehr die surrealen, nicht-linearen Strukturen eines Alptraums, spricht weniger die logische linke Gehirnhälfte an, als die mit Symbolen und eben auch Träumen beauftragte rechte.

"Rigor Mortis" spielt in einem gigantischen, hässlichen Wohnblock, von Anfang an aber ist deutlich, dass dieser Ort rein geographisch nicht eindeutig verortbar ist: Kein "Establishing Shot" zeigt uns die Umgebung oder genaue Lage des Hauses, die wenigen Außenaufnahmen wirken verwaschen und irgendwie unwirklich. Der Plot beginnt mit dem Einzug des berühmten Schauspielers Siu-Ho in das Appartment 4224 – eigentlich sucht der vom Leben enttäuschte Mann aber nur einen ruhigen Platz zum Sterben. Als er sich jedoch versucht das Leben zu nehmen, offenbart sich ihm eine furchtbare Geistererscheinung. Im selben Moment tritt der Restaurantbesitzer Yau in den Raum, rettet Siu-Ho und bannt den Geist. Yau entpuppt sich bald als letzter überlebender Dämonen- und Vampirjäger des Landes, der hier seinen ruhigen Lebensabend verbringen will. Doch dieser Plan geht nicht auf: Nach der Rettung Siu-Hos mehren sich die rätselhaften Ereignisse. Rastlose Geister durchstreifen das Haus, ein Mann verschwindet scheinbar spurlos und ein gefährlicher Schwarzmagier tritt auf den Plan...

Juno Mak erzeugt mit einer für einen Debütregisseur verblüffend sicheren Hand eine spürbar entrückte Stimmung, die mal ins grotesk Komische, mal ins schiere Grauen umkippen kann. Er bevölkert sein Setting mit schrägen Figuren und setzt sie mit präzisen Dialogen gekonnt zueinander in Beziehung. Immer wieder aber streut er auch kurze, heftige Schockmomente ein, die einerseits mit an "The Shining" erinnernder Suspense, andererseits mit heftigstem Hongkong-Splatter verstören. Eingebettet ist dieser Genre-Cocktail in eine Story voller bizarrer schwarzmagischer Rituale und okkulter Motive – diese sind nicht bloß schmückendes Beiwerk sondern ein wichtiger Bestandteil des Films, funktionieren sie doch perfekt im Kosmos des Wohnblocks, in dem die Gesetze der Wirklichkeit scheinbar aufgehört haben zu existieren.

Inhaltlich verhandelt "Rigur Mortis" clever das typische Geistermotiv des "Nicht-Loslassen-Könnens". Alle Figuren kämpfen mit vergangenen und verdrängten Enttäuschungen und Traumata, die sich schließlich in Form von Grauen und Gewalt Bahn brechen. Das größte Unglück für alle Beteiligten verursacht dabei eine trauernde, alte Witwe, die ihren verstorbenen Ehemann mit absolut allen Mitteln ins Leben zurückrufen will. Als zu diesem Zweck schließlich sogar ein Kind geopfert werden soll, überschlagen sich die Ereignisse. Juno Mak kreiert einen wahrhaft schauerlichen Endgegner der in einem atemlosen Finale seinen beiden unfreiwilligen Helden gegenüber steht. Dort weht plötzlich gar ein Hauch von "A Chinese Ghost Story" und alten Kung-Fu-Filmen durch das karge Setting, wenn auch mit um einiges drastischeren Bildern.

Einzig mit der an das eigentliche Ende angefügten Schlusssequenz tut sich der Regisseur keinen Gefallen. Hier wird plötzlich eine Meta-Ebene eröffnet, die alles zuvor Geschehene in Frage stellt. Zwar werden auch hier keine endgültigen Antworten gegeben, dennoch schwächt der Film damit seine vorherige, bezugslose Traumlogik, die den Zuschauer in stetige Alarmbereitschaft versetzte. Dennoch ist "Rigor Mortis" großartiges Horrorkino mit kühnem visuellen Verständnis und der Bereitschaft, zwischen verschiedenen Genre-Stimmungen hin und her zu wechseln. Die düsteren Bilder klingen noch lange nach Filmende nach – ganz wie bei einem Alptraum eben.  

>> verfasst von Tim Lindemann

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