Moviebase Goal of the Dead

Goal of the Dead
Goal of the Dead

Bewertung: 60%

Userbewertung: 65%
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Originaltitel: Goal of the Dead
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 12.06.2014
DVD/Blu-Ray Verleih: 12.06.2014
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 116 Minuten
Studio: Capture The Flag Films
Produktionsjahr: 2014
Regie: Thierry Poiraud, Benjamin Rocher
Drehbuch: Quoc Dang Tran, Marie Garel
Darsteller: Xavier Laurent, Alban Lenoir, Sebastien Vandenberghe, Jenny Arasse, Fabrice Colson, Anthony Pho

Einen Zombiefilm im Fußballkontext zu drehen mag zunächst abwegig erscheinen, folgt aber zumindest einer durchaus amüsanten Idee. Denn der Zombie an sich ist ja gewissermaßen der "Teamplayer" im Horror-Universum: Alleine eine eher traurige Gestalt, in der Masse ein unaufhaltsamer Killer-Organismus. Vampire sind klassischerweise Einzelgänger, Zombies blühen erst im Kollektiv so richtig auf. So lautet der deutsche Werbeslogan zum Film "Goal Of The Dead" des französischen Regisseurs Benjamin Rocher treffenderweise: "11 Zombies müsst ihr sein!" Was aber tatsächlich abwegig erscheint, ist diesen sympathischen Einfall, der einem Kurzfilm, maximal einem knackigen 80-Minüter gut zu Gesicht stehen würde, auf ganze zwei Stunden auszudehnen.

Schon während der einführenden ersten halben Stunde täte es dem Film gut, wenn ein Cutter mit eiserner Schere durchgegriffen hätte: Der zwar durchaus witzige Plot um ein Pariser Top-Team, das zum Pokalspiel in die tiefste französische Provinz reisen muss, wird über alle Maßen gestreckt. Charakteren, die nur als comichafte Schablonen perfekt funktionieren würden, wird eine ausführliche Backstory eingeräumt, für eine Splatter-Komödie wird erstaunlich viel geredet. Im Zentrum des an und für sich simplen Plots steht der Stürmer-Star Sam Lorit, der pikanterweise einst aus eben jenem Kleinstadt-Team floh, das es nun zu schlagen gilt. Klar, dass da die Emotionen hochkochen und ihm nicht gerade ein fröhlicher Empfang bereitet wird – erst recht nicht, wenn plötzlich ein mysteriöser Virus mit ins Spiel kommt, der die Dorftrottel in Bestien verwandelt. 

Regisseur Rocher hat sich im gleichen Subgenre bereits mit dem Film "Die Horde" einen Namen gemacht – einem Streifen, der genau das war, was "Goal Of The Dead" auch sein sollte: Schnell, geschmacklos, brutal, humorvoll. Hinter seinem neuen Werk steckt sichtbar mehr Geld und am durchweg stylischen Look des Films lässt sich absolut nichts aussetzen. Auch das im Komödienfach so wichtige Gespür für Rhythmus ist Rocher nicht abhanden gekommen. Warum aber führt er immer noch weitere Nebenfiguren, Familien- und Liebesbeziehungen in die Story ein, anstatt das Tempo wie in "Die Horde" konstant hoch zu halten?

Glücklicherweise hat er einen tollen Cast für seinen Film versammelt, der die mal trockenen, mal heillos albernen Dialoge größtenteils trägt. Schließlich kommt ihm über die sich arg streckende Laufzeit aber auch seine Grundidee abhanden – am Ende des Films erkennt man in den geifernden Zombie-Horden eher ein Zerrbild der mit Bengalos bewaffneten Ultras wieder anstatt eine augenzwinkernde Reflexion des im Mannschaftssport gefeierten Teamgeists. Von dem witzigen Gedanken, dass das sogenannte "Fußball-Fieber" eine tatsächliche Seuche sein könnte, entfernt sich der Film zusehends.

Genre-Puristen werden außerdem Grund zur Verwunderung haben: Rochers Zombies sind nicht an Menschenfleisch interessiert, geben ihren "Virus" nicht übers Beißen, sondern übers Spucken weiter und erinnern so noch deutlicher an einen wilden Hooligan-Mob als an Ausgeburten der Hölle. Das alles trägt zum Eindruck eines unausgegorenen Drehbuchs bei, das nicht recht weiß, wo es hin soll mit seiner Ausgangssituation. Um als astreiner Party-Splatter mit High-Five-Faktor zu fungieren, mangelt es an Derbheit und Geschwindigkeit, für alles andere ist "Goal Of The Dead" dann doch viel zu flach und brav. Zudem ist der Film überfrachtet mit ständiger Musik-Untermalung, Montagen und anderen Spielereien – eine Szene in Superzeitlupe sorgt allerdings mit ihrer Anspielung auf Wiederholungen in Fußball-TV-Übertragungen für ein Schmunzeln.

Mit seiner "Zombifizierung" typischer Fußball-Themen wie Transfer-Deals, schlecht verstecktem Rassismus und Nonsens-Interviews trifft "Goal Of The Dead" immer mal wieder einen Lachnerv. Als trashiges Begleitprogramm zur WM bietet sich Rochers Film also doch an – bei den zähen zwei Stunden Lauflänge kann man dann auch getrost mal ein Bier holen gehen ohne auf Pause drücken zu müssen – es gibt sogar eine offizielle Halbzeitpause im Film! In der Meisterschaft der Zombiefilme kommt "Goal Of The Dead" allerdings nicht übers Achtelfinale hinaus und dürfte damit schon bald nach abklingen des WM-Fiebers in Vergessenheit geraten.

>> geschrieben von Tim Lindemann

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