Moviebase 100 Bloody Acres

100 Bloody Acres
100 Bloody Acres

Bewertung: 65%

Userbewertung: 60%
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Originaltitel: 100 Bloody Acres
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 22.05.2014
DVD/Blu-Ray Verleih: 24.04.2014
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 87 Minuten
Studio: StudioCanal
Produktionsjahr: 2012
Regie: Cameron Cairnes, Colin Cairnes
Drehbuch: Cameron Cairnes, Colin Cairnes
Darsteller: Damon Herriman, Angus Sampson, Anna McGahan, Oliver Ackland, Jamie Kristian, John Jarratt, Chrissie Page, Paul Blackwell

Es ekelt uns meist besonders im Horrorfilm, wenn menschliche Körper in allen Stadien der Zersetzung und Verwesung gezeigt werden. Eine nachvollziehbare Reaktion, assoziieren wir doch jeden Körper auf der Leinwand automatisch mit unserem eigenen. Wie wir es rein evolutionär geschafft haben, uns über diesen Ekel irgendwie gleichzeitig auch zu amüsieren, ist schwerer zu rekonstruieren. Fakt ist, dass findige Filmemacher nun spätestens seit 1963 Geld mit der Mischung aus Humor und Widerwillen verdienen – dem Jahr, in dem Herschell Gordon Lewis die Welt mit "Blood Feast" schockierte. Der neueste Zuwachs in der langen, langen Reihe der Splatter-Komödien ist "100 Bloody Acres", ein australischer Film, in dem Menschen zu Dünger verarbeitet werden.

Zunächst einmal erscheint das alles recht ermüdend, macht das Debüt der Brüder Colin und Cameron Cairnes doch nicht den Anschein, in irgendeiner Form von seinen zahllosen Vorgängern abweichen zu wollen: Der Aufhänger ist erneut das klassische Backwoods-Motiv "Stadt-Idioten gegen Land-Kannibalen", die Protagonisten sind Party-Teenies auf Sauf-Urlaub, die Antagonisten geistig beschränkte Bauern. Im Gegensatz aber zu anderen zeitgenössischen Hinterwäldler-Komödien, etwa dem unsäglichen "Inbred", legen die beiden Regisseure Wert auf Charaktere, die sich diesen rigiden Schablonen immer wieder entziehen. Vermutlich durchaus als Alter Egos der Filmemacher fungierend, stehen im Mittelpunkt des Films die Brüder Reg und Lindsay, die es mit ihrer famosen Düngermischung zu lokalen Berühmtheiten in ihrem Kaff gebracht haben.

Die Szenen zwischen den beiden ungleichen Geschäftspartnern sind großartig und witziger als alle folgenden, erwartbaren Splatter-Einlagen. Das liegt an den beiden tollen Darstellern, Damon Herriman und Angus Sampson, die in den Rollen besetzt wurden, aber vielleicht auch ein bisschen am Gespür der Regisseure für brüderlichen Zwist. Mit diesen beiden sympathischen Bösewichten können die Opfer erwartungsgemäß nicht mithalten, aber auch hier gibt es Überraschungen: Als die drei Jugendlichen schließlich in der Gewalt der Dünger-Brüder gelandet sind, gewinnen auch ihre Figuren an Komplexität und erheben sich über das typische "Kanonenfutter"-Niveau. "100 Bloody Acres" verbildlicht eine Lektion, die sich die unzähligen talentlosen Filmemacher dieses Subgenres gerne zu Herzen nehmen dürften: Wenn der Plot im Grunde ein Nichts ist, sind die Figuren alles! Auch wenn alles nur ein großer, blutiger Scherz ist, tut man gut daran, seine Protagonisten so liebevoll zu zeichnen, wie es die Cairnes' hier tun. 

Präzise getimete Gags gelingen "100 Bloody Acres" zwar nur selten, dafür ist die Grundstimmung des Films zweifellos sympathisch. Mit einem vermutlich minimalen Budget erzeugen die Filmemacher ein stimmiges kleines Universum, ohne dabei Reg und Lindsays Farm zu verlassen. Ausnahme ist ein herrlich schräger, LSD-umnebelter Ausflug in einen eher ärmlichen Märchenpark, in dem eine der entkommenen Geiseln von dem bärtigen Wüterich Lindsey gejagt wird. Es sind solche kleinen Details – ähnlich wie der aufreizend eingängige Werbe-Jingle für den Morganschen Dünger – die "100 Bloody Acres" schließlich auch doch deutlich über den Durchschnitt moderner Splatter-Komödien bugsieren. Nicht zuletzt muss man es den Cairnes' hoch anrechnen, dass sie ihre Grenzen kennen und ohne sichtbaren Einsatz von CGI auskommen – wenn hier das Blut spritzt, dann gleich eimerweise und mit viel Spaß am Gematsche.

In der Originalfassung des Films kommen außerdem auch noch alle Aussie-Fans auf ihre Kosten: Besonders die Nebenfiguren sprechen teilweise allerfeinsten Slang. Aber auch abseits der Dialoge sind die Regisseure um Lokalkolorit bemüht – der Soundtrack besteht etwa ausschließlich aus bizarren australischen Oldies, die man glatt für fiktiv halten könnte, würde einen der Abspann nicht eines Besseren belehren. All das macht "100 Bloody Acres" zwar noch lange nicht zu einer Comedy- oder Horror-Offenbarung, deutlich aber wird durchweg, dass Cast und Crew mit viel Spaß am Ekel bei der Sache waren und so dem vermutlichen prestigelosesten aller Genres wieder einen kleinen Funken Individualität beimischen. 

>> geschrieben von Tim Lindemann

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