Moviebase Jessabelle

Jessabelle
Jessabelle

Bewertung: 45%

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Originaltitel: Jessabelle
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 26.11.2015
DVD/Blu-Ray Verleih: 26.11.2015
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 86 Minuten
Studio: Lionsgate
Produktionsjahr: 2014
Regie: Kevin Greutert
Drehbuch: Robert Ben Garant
Darsteller: Sarah Snook, Mark Webber, Joelle Carter, David Andrews, Amber Stevens, Ana de la Reguera, Larisa Oleynik

Gotische Südstaaten-Geschichten können wahrlich furchteinflößend sein. Das demonstrierte etwa US-Regisseur Don Siegel mit seinem Psychothriller „Betrogen“ aus dem Jahr 1971, in dem der damalige Machostar Clint Eastwood als verwundeter Soldat in einem abgelegenen Mädcheninternat Neid und Missgunst entfacht. Einen prägenden Eindruck hinterließ auch der Horrorschocker „Angel Heart“ von Alan Parker, der einen abgehalfterten Privatdetektiv in die unheimliche Landschaft Louisianas führt. In jüngerer Zeit war der amerikanischen Süden beispielsweise in Iain Softleys Gruselstreifen „Der verbotene Schlüssel“ als bedrohlicher, von mystischen Kräften durchdrungener Lebensraum zu sehen. Einreihen kann sich in diese Liste die Spukgeschichte „Jessabelle – Die Vorhersehung“, mit der sich Kevin Greutert nach den eher blutrünstigen Genrewerken „Saw VI“ und „Saw 3D – Vollendung“ an einer milderen Schreckensvision versucht.

Gleichwohl steht am Anfang ein großer Knall: Gerade erst hat sich die schwangere Jessie (bemüht: Sarah Snook) dazu entschlossen, mit ihrem Freund Mark zusammenzuziehen, da wird das Pärchen auch schon in einen Unfall verwickelt, den der Verlobte mit dem Leben bezahlt. Die junge Frau verliert ihr Baby und kommt mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus, das sie erst zwei Monate später wieder verlassen kann. Da sie noch etwas länger an den Rollstuhl gefesselt ist und vorerst nicht alleine leben kann, nimmt sie widerwillig Kontakt zu ihrem entfremdeten Vater Leon (lustlos-routiniert: David Andrews) auf, der im tiefsten Louisiana wohnt. Nach der Rückkehr in ihr Elternhaus bezieht Jessie das frühere Zimmer ihrer Mutter, die kurz nach der Geburt an einem Gehirntumor verstarb. Von Anfang an hat sie das Gefühl, dass eine finstere Präsenz im Anwesen umherschleicht, und bekommt es erst recht mit der Angst zu tun, als sie durch Zufall einige Videokassetten entdeckt. Bänder, auf denen Jessies Mutter Tarot-Karten auslegt und den Tod ihrer Tochter vorhersieht.

Dass „Jessabelle“ in übernatürlichen Gefilden spielt, verdeutlicht Greutert schon mit einem mysteriösen Zitat zu Beginn des Films. Von einem Schatten und dem Schicksal ist hier die Rede. Bedeutungsschwere Worte, die die weitere Marschrichtung vorgeben, auch wenn die Handlung im Anschluss erst einmal in der Realität verankert scheint. Sobald die arg gebeutelte Protagonistin allerdings in ihre Heimat zurückkehrt, zieht eine bedrückende, rätselhafte Stimmung auf: Ein altes Haus, das deutlich bessere Zeiten erlebt hat. Ein Schlafzimmer, dessen Tür von einem Schrank versperrt wird. Und eine Landschaft, die einen geradezu verwunschenen Eindruck macht. Atmosphärisch und latent bedrohlich sind vor allem die wiederkehrenden Bilder der Sumpfumgebung. Ein wild wuchernder Naturraum, der seinen eigenen Gesetzen folgt.

Obwohl die Inszenierung durchaus ein beunruhigendes Gefühl erzeugt, will der Film nicht richtig in die Gänge kommen. Szenen wie die Begegnung Jessies mit ihrer verstorbenen Mutter über die Videotapes lassen nicht nur die notwendige emotionale Wucht vermissen. Auch das unheimliche Potenzial, das in den Botschaften aus der Vergangenheit schlummert, wird unzureichend aktiviert. Ähnliches gilt für den Zustand der Hauptfigur, die Übergriffen im Prinzip hilflos ausgesetzt ist, da sie ihre Beine noch nicht bewegen kann. Zu selten macht sich das Drehbuch von Robert Ben Garant dieses Handicap zunutze und verpasst damit die Chance, den Zuschauer weiter an die schicksalsgeplagte Protagonistin zu binden.

Das Auftauchen bzw. die Attacken der geisterhaften Erscheinung sind routiniert in Szene gesetzt. An einigen Stellen kann man sogar ein wenig zusammenzucken. Und Jessies gelegentliche Albträume sorgen für kurzzeitige, wenngleich plakative Verunsicherung. Greutert klimpert ausgiebig auf der Klaviatur des Genres, schafft es aber nicht, eine mitreißende Sinfonie des Grauens anzustimmen. Was auch den eher uninspirierten Nachforschungen der Hauptfigur geschuldet ist. Unterstützt von ihrem früheren, plötzlich auftauchenden Freund Preston (wenig einprägsam: Mark Webber), klappert sie auf der Suche nach Antworten für die Bedrohung aus dem Jenseits irgendwann unterschiedliche Anlaufstellen ab. Mehr als  sattsam bekannte Horrorklischees kommen dabei aber nicht herum. Die wiederholt eingestreuten Voodoo-Bezüge werden nicht vertieft, sondern dienen lediglich als effekthascherische Stimmungsanheizer und haben einen schalen Beigeschmack. Schließlich stellt der Film die afroamerikanischen Figuren fast durchweg als feindselig-fremde Wesen dar.

Am Ende liefert „Jessabelle“ für seine übernatürlichen Spukeinlagen eine halbwegs brauchbare Erklärung, die sogar tragische Ausmaße erreicht. Das am helllichten Tag stattfindende Finale wird allerdings viel zu überhastet abgewickelt, sodass man weniger geplättet zurückbleibt als etwa nach der finalen Wendung in „Der verbotene Schlüssel“. Einmal mehr wird hier die Gelegenheit für eine nachwirkende Southern Gothic Tale verschenkt.

>> von Christopher Diekhaus

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