Moviebase Knock Knock

Knock Knock
Knock Knock

Bewertung: 50%

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Originaltitel: Knock Knock
Kinostart: 10.12.2015
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Black Bear Pictures, Camp Grey
Produktionsjahr: 2014
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Guillermo Amoedo, Nicolás López
Darsteller: Ana de Armas, Lorenza Izzo, Ignacia Allamand, Keanu Reeves

„Eine verhängnisvolle Affäre“ trifft „Funny Games“. Kampf der Geschlechter und Home-Invasion-Horror gehen Hand in Hand – so oder ähnlich lässt sich der Psychothriller „Knock Knock“ umreißen, mit dem Splatter-Guru Eli Roth überraschend unblutiges Terrain erkundet. Als konkrete Vorlage diente dem Filmemacher der in Vergessenheit geratene Exploitationstreifen „Tödliche Spiele“ von 1977, in dem zwei Psychopathinnen einem Ehemann zu Leibe rücken. Spannende Ansätze hat das Quasi-Remake durchaus zu bieten, richtig schocken kann es aber nicht. Da die satirischen Elemente nur selten genutzt werden, ist das Endergebnis weder Fisch noch Fleisch.

Geschmeidig gleitet zu Beginn die Kamera über die Hollywood Hills und nähert sich einer Vorstadtsiedlung, in der gut situierte Bürger zu Hause sind. Menschen wie der Architekt Evan Webber (Keanu Reeves), der sich nicht beklagen kann. Ein schmuckes Eigenheim, eine hübsche Ehefrau und zwei niedliche Kinder machen das Familienleben perfekt. Überall in dem modernen Anwesen gibt es Fotos, die von einem glücklichen Miteinander künden. Und auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Evan ist ein liebevoller Ehemann und Vater – das wird sofort deutlich. Als seine Gattin mit dem Nachwuchs übers Wochenende ans Meer fährt, bleibt er zurück, um wichtige Entwürfen fertigzustellen. Lange kann er sich allerdings nicht auf seine Arbeit konzentrieren, denn plötzlich stehen die vom Dauerregen durchnässten Schönheiten Genesis (Roth-Ehefrau Lorenza Izzo) und Bel (Ana de Armas) vor der Tür. Auf dem Weg zu einer Party wurden sie angeblich an der falschen Adresse abgesetzt und bitten nun um Einlass. Evan zeigt sich hilfsbereit, ahnt jedoch nicht, wen er sich da ins Haus holt. Kann er die aggressiven Flirtattacken der beiden Frauen zunächst noch abwehren, wird er irgendwann schwach und lässt sich schließlich gehen. Schon am nächsten Morgen bereut er seinen Fehltritt, wird die Besucherinnen aber nicht mehr los.

Macht und Erniedrigung spielen gerade im Horror- und Thriller-Kino eine wichtige Rolle und werden für gewöhnlich von männlichen Figuren ausgeübt. Frauen fungieren häufig bloß als Opfer, selbst wenn im Slasherfilm das Final Girl seit langem eine feste Größe ist. Roth dreht die übliche Konstellation einfach um und präsentiert uns einen Protagonisten, der fast durchweg schwach und hilflos wirkt. Besetzt ist der recht sympathische Familienvater Evan ausgerechnet mit Actionstar Keanu Reeves, der erst vor kurzem in „John Wick“ als kompromissloser Haudegen zu sehen war. Mit etwas Wohlwollen lässt sich der in „Knock Knock“ anbrechende Psychokrieg als augenzwinkernder Kommentar auf die geschlechtsspezifischen Genre-Eigenarten und den Filmapparat im Allgemeinen lesen. Ein Hinweis dafür könnte der gleich zu Anfang prominent ins Bild geholte Hollywood-Schriftzug sein, der einerseits als Ortsmarkierung dient, gleichzeitig aber auch eine symbolische Strahlkraft hat.

Unübersehbar ist in jedem Fall, dass Evan von dem Moment an, als er die Haustür öffnet, jegliche Souveränität verliert und die Kontrolle über das Geschehen nicht mehr zurückgewinnen kann. Verlegen und unsicher entzieht er sich zunächst den Annäherungen der jungen Damen und muss, da die beiden aufdringlich werden, immer wieder seine Position verändern. Eine komisch-absurde Choreografie, die unterstreicht, dass sich der Architekt äußerst unwohl fühlt. Evan ist zu freundlich, um die aufgekratzten Besucherinnen rauszuschmeißen, und genießt zugleich die Komplimente, die Bel und Genesis ihm immer wieder zuwerfen. Viel passiert im Anfangsdrittel nicht, weshalb man sich irgendwann wünscht, dass Roth das Spiel zwischen Zurückhaltung und Anziehung endlich durchbrechen mag.

Eine neue Ebene wird erst erreicht, als das bestellte Uber-Taxi vorfährt und die aufreizenden Gäste den Hausherrn im Bad verführen – womit „Knock Knock“ die Schwelle zum Erotikthriller überschreitet. Etwas irritiert erinnert man sich hier an den in der Eröffnung platzierten Hinweis, dass Evan und seine Frau schon einige Wochen keinen Sex mehr hatten. Ein kleiner Einschub, der, so scheint es zumindest, den ehelichen Ausbruch entschuldigen soll. Aus dem Ruder läuft das Ganze am nächsten Tag, wenn Genesis und Bel ihre anarchisch-ungebremsten Fantasien am Eigentum der Webbers auslassen. Was sich zunächst anfühlt wie eine überdrehte Variante von „Die fetten Jahre sind vorbei“, entwickelt sich zu einem reichlich bizarren Nervenkrieg, der die reißerisch-provokante Stoßrichtung des 70er-Jahre-Vorbilds nicht verschleiert. Der Protagonist wird zum Spielball zweier verrückter Biester, die große Freude daran haben, sein geordnetes Leben komplett auf den Kopf zu stellen.

Beklemmung und Verstörung drängen sich jedoch zu selten auf, da der Film mit allerhand Problemen zu kämpfen hat. Unglaubwürdige Wendungen und Verhaltensweisen sind dabei noch das kleinste Übel, obwohl man sich manchmal ein Kopfschütteln nicht verkneifen kann. Handfeste Spannung sucht man vergebens. Selbst dann, als – Achtung: Standardsituation! – eine andere Figur auftaucht und die aufgedrehten Gäste misstrauisch beäugt. Häufig wirken Bel und Genesis mit ihrem albernen Gekicher und dem übertrieben lasziven Auftreten reichlich pubertär – und eben nicht gefährlich. Wenig hilfreich ist zudem, dass Keanu Reeves in den Momenten, in denen Evans Todesangst zum Ausdruck kommen soll, eher lächerlich chargiert. Platte Dialoge und überflüssige Andeutungen zu den Motiven der beiden Furien tun ihr Übriges, um das eigentlich bedrohliche Szenario entscheidend abzuschwächen und den satirischen Gehalt zu unterlaufen. Als Meta-Thriller zum Verhältnis der Geschlechter taugt „Knock Knock“ bloß ansatzweise. Was schade ist, da der Stoff viel Potenzial für eine reflektierte Haltung bietet. Leider haben wir es hier mit einem Experiment zu tun, dem es an Überzeugungskraft und echter Terrorstimmung fehlt. 

>> von Christopher Diekhaus

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