Moviebase Unknown User

Unknown User
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Bewertung: 50%

Userbewertung: 45%
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Originaltitel: Cybernatural
Kinostart: 16.07.2015
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Blumhouse Productions, Universal Pictures
Produktionsjahr: 2014
Regie: Levan Gabriadze
Drehbuch: Nelson Greaves
Darsteller: Cal Barnes, Matthew Bohrer, Courtney Halverson, Shelley Hennig, Renee Olstead, Renee Olstead

Anfang 2015 erschien hierzulande auf Blu-ray und DVD der Cyberthriller „Open Windows“, in dem Elijah Wood als nerdiger Fanboy in die Fänge eines allmächtigen Hackers gerät. Für Aufsehen sorgte vor allem die eigenwillige Optik des Films, ist der Zuschauer doch über die gesamte Laufzeit an den Laptop-Bildschirm des bedrängten Protagonisten gefesselt, der mit seinem Computer im Anschlag eine aberwitzige Reise durch die Nacht antritt. Starke Ähnlichkeit mit dem Genre-Streifen hat die Horror-Überraschung „Unknown User“. Wo „Open Windows“ seine gewöhnungsbedürftige Ästhetik durch überzogene Actioneinlagen aufzupeppen versucht, verfolgen die Macher hier ein stringenteres Konzept. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, bleiben alle Hauptfiguren in ihrem Zimmer vor ihrem Notebook sitzen, während ein unheimlicher Chat-Teilnehmer sie mit dem Tod bedroht.

Versetzt wird das Publikum von Anfang an in die subjektive Perspektive der Teenagerin Blaire (Shelley Hennig), über deren Computermonitor wir nahezu alle weiteren Ereignisse in Echtzeit wahrnehmen: Ein Jahr nach dem Selbstmord der Highschool-Schönheit Laura Barns, die unter einem online veröffentlichten peinlichen Partyvideo zu leiden hatte, trifft sich Blaire mit ihren Freunden Mitch (Moses Storm), Jess (Renee Olstead), Adam (Will Peltz), Ken (Jacob Wysocki) und Val (Courtney Halverson) zu einer Konferenz auf Skype. Als die Jugendlichen merken, dass sich auch ein unbekannter User in den Video-Chat eingeklinkt hat, versuchen sie, ihn wieder loszuwerden, müssen aber schon bald kapitulieren. Der Gast scheint mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet, infiziert ihre Rechner und verrät ihnen schließlich den Grund für seine Hartnäckigkeit. Am Todestag von Laura Barns will er herausfinden, wer das kompromittierende Video damals ins Netz gestellt hat. Bevor die Schulfreunde wissen, wie ihnen geschieht, nehmen sie auch schon an einem perfiden Spiel teil, das recht schnell erste Opfer fordert.

Griff Nacho Vigalondo in „Open Windows“ vor allem den heute grassierenden Voyeurismus auf, nehmen sich Regisseur Levan Gabriadze und Drehbuchautor Nelson Greaves in „Unknown User“ das Phänomen des Cybermobbings vor. Eine neue Form der Erniedrigung, die noch ein Stück niederträchtiger ist, weil sie unkontrollierbare Kreise zieht und häufig aus der Anonymität heraus geschieht. Interessanterweise wendet sich dieser verheerende Mechanismus hier konsequent gegen mutmaßliche Mittäter, indem eine unbekannte Macht die Jugendlichen plötzlich mit ihrer Rücksichtslosigkeit konfrontiert. Blaire und Co sind keine Engel, das zeigen schon die abschätzigen Kommentare über Laura, die sie während ihres Skype-Chats ohne einen Funken Mitgefühl äußern. Unglücklich ist dabei, dass die Protagonisten durchweg unsympathisch gezeichnet sind, sodass man als Betrachter oft nur mit den Schultern zuckt, wenn sich mal wieder einer von ihnen auf mehr oder weniger makabre Weise aus der Geschichte verabschiedet hat.

Wirklich furchteinflößend geraten die Abgänge meistens nicht, da schon die eingeschränkte Perspektive – alle Figuren sind nur über kleine Videofenster auf Blaires Laptop zu sehen – eine intensive Darstellung verhindert. Vieles bleibt recht vage, auch wenn Gabriadze ab und an mit kleinen Schockeffekten arbeitet. Bezeichnenderweise schreckt man immer dann am heftigsten auf, wenn plötzlich das Skype-typische Anrufgeräusch ertönt. Nicht gerade die beste Empfehlung für einen Horrorfilm.

Einen richtigen Sog entfaltet die Handlung leider nicht, obwohl es nach einem belanglosen Einstieg etwas besser wird. Die wachsende Panik der Jugendlichen ist dank solider Schauspielerleistungen durchaus spürbar – und doch überträgt sie sich nur selten direkt auf den Zuschauer. Das gilt auch für die Sequenz, in der Blaire und ihre verbliebenen Freunde gezwungen werden, sich mit schockierenden Offenbarungen gegenseitig zu zerfleischen. Ein eigentlich gewitzter Einfall, der in der Ausführung allerdings manchmal unfreiwillig komisch wirkt.

Während das Grusellevel relativ niedrig bleibt, können Gabriadze und seine Mitstreiter – zu denen auch Genre-Schwergewicht Jason Blum gehört – wenigstens mit einer konsequenten Eskalation und einer aufschlussreichen Abbildung unseres medialen Nutzungsverhaltens punkten. Wie viele heutige Teenager bewegt sich Blaire durch eine Desktop-Welt aus unterschiedlichen Fenstern (Skype, Google, Facebook, etc.), die parallel geöffnet sind. Alles ist mit einem Klick erreichbar, und einen Fokus gibt es nicht, was dem Film eine eigenwillige Dynamik verleiht, wobei er nicht in wilden Aktionismus abdriftet – so wie „Open Windows“. Im direkten Vergleich schneidet „Unknown User“ etwas besser ab, wenngleich auch dieser Horrorthriller sein Potenzial nicht richtig auszuschöpfen weiß und daher vor allem als Abwandlung des ausgelutschten Found-Footage-Stils interessant ist.

>> von Christopher Diekhaus

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