Moviebase The Boy

The Boy
The Boy

Bewertung: 65%

Userbewertung: 56%
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Originaltitel: The Boy
Kinostart: 18.02.2016
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Lakeshore Entertainment, STX Entertainment
Produktionsjahr: 2015
Regie: William Brent Bell
Drehbuch: Stacey Menear
Darsteller: Lauren Cohan, Rupert Evans, Ben Robson, Jim Norton, Diana Hardcastle

Nach wie vor sind Puppen im Horrorkino äußerst beliebt. 2014 durfte die aus „The Conjuring – Die Heimsuchung“ bekannte Annabelle in einem Spin-off Angst und Schrecken verbreiten. Und nun entführt uns „The Boy“ in die unheimliche Welt von Brahms, einer Porzellanfigur, mit der es eine junge Nanny im englischen Hinterland zu tun bekommt. Regisseur William Brent Bell („The Devil Inside“) setzt dabei die wenig originellen Zutaten erfreulich wirkungsvoll zusammen und bindet den Zuschauer lange Zeit an das Geschehen. Dass man am Ende dennoch ein wenig ernüchtert ist, liegt am missratenen dritten Akt, der eine beklemmende Gruselstimmung gegen platte Genreexzesse eintauscht.

Wo andere Filme eine ausführliche Exposition bemühen, begibt sich „The Boy“ gleich in medias res: Gemeinsam mit Greta („The Walking Dead“-Star Lauren Cohan) erleben wir die Fahrt zum abgelegenen Anwesen der Heelshires (Diana Hardcastle und Jim Norton), die eine Kinderfrau für ihren achtjährigen Sohn suchen. Nach der Ankunft muss die Amerikanerin allerdings erschrocken feststellen, dass sie nicht auf einen Jungen aufpassen soll, sondern auf eine lebensgroße Puppe, die von den Hausherren wie ein echtes Kind umsorgt wird. Brahms liebt Musik, muss gefüttert und mit einem Gutenachtkuss ins Bett gebracht werden. Andernfalls könnte der Porzellanknirps ein unangenehmes Verhalten an den Tag legen. Das zumindest geben die Heelshires der neuen Nanny mit auf den Weg, bevor sie zu einem längst überfälligen Urlaub aufbrechen. Zunächst tut Greta die Hinweise als dummes Geschwätz ab, doch dann mehren sich die Anzeichen, dass die Puppe tatsächlich ein Eigenleben führt. Kein Wunder, dass sich die junge Frau irgendwann gemeinsam mit dem Lebensmittellieferanten Malcolm (Rupert Evans) auf Spurensuche begibt.

Dass Bell mit „The Boy“ das Genre-Rad nicht neu erfinden will, unterstreichen schon die Szenen von der Anfahrt, die an die Eröffnungsbilder aus Stanley Kubricks „Shining“ erinnern. Eine riesige Villa mitten im Nirgendwo hat gefühlt jeder zweite Gruselfilm zu bieten. Und das verwunderliche Ehepaar erfüllt alle Kriterien, die man von derartigen Figuren erwarten darf. Die Grundkonstellation ist – positiv ausgedrückt – überaus klassisch, entwickelt aber trotzdem eine erstaunliche Anziehungskraft. Das Herrenhaus wirkt mit seinem Türmchen und Erkern bereits beim ersten Anblick furchteinflößend. Die Inneneinrichtung strahlt nicht gerade Behaglichkeit aus. Und die Heelshires sind trotz aller Exzentrik keine billigen Knallchargen, sondern werden von einer tiefen Trauer erdrückt.

Warum es Greta überhaupt in die englische Einöde verschlagen hat, erfahren wir in den Telefongesprächen mit ihrer Schwester, die Drehbuchautor Stacey Menear vereinzelt in die Handlung einstreut. Offenbar ist sie vor ihrem gewalttätigen Ex-Freund geflohen und will sich nun mit etwas Abstand neu sammeln. Umso praktischer, dass Mr. und Mrs. Heelshire die Kinderfrau für eine vermeintlich leichte Aufgabe bestens entlohnen. Bei Licht betrachtet ist das Szenario, das die junge US-Amerikanerin in dem verwinkelten Anwesen vorfindet, reichlich absurd und müsste jeden halbwegs klar denkenden Menschen schleunigst zum Aufbruch bewegen. Lauren Cohen jedoch bringt Gretas Bedürfnis nach einer Veränderung ebenso überzeugend zum Ausdruck wie die Mischung aus Verstörung und Belustigung, mit der sie auf das merkwürdige Verhalten ihrer Arbeitgeber reagiert. Plausibilitätsfanatiker dürften die Entscheidung der Protagonistin freilich auch im weiteren Verlauf kritisch hinterfragen.

Hat das alte Ehepaar das Haus einmal verlassen, beginnt der Regisseur, langsam an der Spannungsschraube zu drehen. Bedächtig gleitet die Kamera durch die Flure und Zimmer der düster-ausladenden Villa. Seltsame Geräusche ertönen immer wieder. Kleine, zweckmäßige  Schockeffekte werden bemüht. Und wiederholt deuten subjektive Einstellungen – besonders einprägsam: die Duschszene – ein Erwachen der Puppe an, deren Gestaltung den Machern allemal gelungen ist. Mit seinen weißen, ebenmäßigen Zügen wirkt Brahms fast ein wenig traurig, manchmal aber auch nur unheimlich.

Obwohl Malcolm, der zwischendurch vorbeischaut, vor allem als Funktionsfigur auftritt und wichtige Informationen zum Hintergrund der Puppe erst mit einiger Verzögerung preisgibt, geht die Beziehung zwischen ihm und Greta zuweilen über das genreübliche Klischeegeplänkel hinaus. Schon bei ihrer ersten Begegnung scherzen die beiden ausgelassen miteinander. Und dank der gut aufgelegten Darsteller stellt sich augenblicklich eine erfrischende Ungezwungenheit ein.

Was den Plot betrifft, sollte man definitiv keine Wunderdinge erwarten. Schon eher solide Erzählkost, die im letzten Drittel leider in aufgeregten Aktionismus verfällt. Der Twist, der unter anderem an einen bestimmten Wes-Craven-Streifen denken lässt, ist passabel, mehr aber auch nicht. Und die sorgsam aufgebaute Atmosphäre entlädt sich in einem reißerisch inszenierten Überlebenskampf, der mitunter haarscharf an der Grenze zur unfreiwilligen Komik vorbeischrammt. Schade, denn so verspielt „The Boy“ leichtfertig eine noch bessere Wertung.

>> von Christopher Diekhaus

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