Moviebase The Witch

The Witch
The Witch

Bewertung: 90%

Userbewertung: 95%
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Originaltitel: The Witch
Kinostart: 19.05.2016
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Parts and Labor, RT Features, Rooks Nest Entertainment
Produktionsjahr: 2015
Regie: Robert Eggers
Drehbuch: Robert Eggers
Darsteller: Anya Taylor Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw, Lucas Dawson, Ellie Grainger

Allen Unkenrufen zum Trotz ist das Horrorkino nach wie vor für Innovationen und Überraschungen gut. Auch in jüngerer Zeit ragten aus der unübersichtlichen Masse an Genrefilmen einige Arbeiten heraus, die ein aufregendes Spiel mit Codes und Konventionen betrieben. „Der Babadook“ von Jennifer Kent ist hier zu nennen, „It Follows“ von David Robert Mitchell, „Ich seh, Ich seh“ von Veronika Franz und Severin Fiala oder „When Animals Dream“ von Jonas Alexander Arnby. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um Debütwerke, was die Leistung der Filmemacher umso bemerkenswerter macht. Einen Platz in dieser Reihe sichert sich mit der verstörenden Schauergeschichte „The Witch“ auch der US-Amerikaner Robert Eggers, der bislang vor allem als Szenen- und Kostümbildner in Erscheinung getreten ist.

Neuengland um 1630, kurz nach der Ankunft der ersten puritanischen Siedler auf amerikanischem Boden: Da er auf eine vollkommen reine Auslegung der Glaubenslehre pocht, wird der strengreligiöse William (Ralph Ineson) aus seiner Kolonie verbannt und muss sich gemeinsam mit seiner Ehefrau Katherine (Kate Dickie) und seinen fünf Kindern in der Wildnis eine neue Existenz aufbauen. Am Rande eines tiefen Waldes errichtet die Familie eine kleine Farm und scheint sich zunächst gut in ihrem autarken Leben zurechtzufinden. Als der jüngste Sohn eines Tages jedoch beim Spielen mit der ältesten Tochter Thomasin (einprägsam: Anya Taylor-Joy) spurlos verschwindet, stehen auf einmal beunruhigende Fragen im Raum: Hat es eine Hexe auf die kleine Gemeinschaft abgesehen? Und könnte Thomasin womöglich empfänglich für böse Einflüsse sein? Während sich die Familie in ihren Glauben flüchtet, brechen Misstrauen und Paranoia mehr und mehr hervor.

Trotz eines gemächlichen Erzähltempos weiß das Spielfilmdebüt von Robert Eggers schon früh zu fesseln, da der Regisseur und Drehbuchautor geschickt mit unterschiedlichen Angstszenarien jongliert. Die Furcht vor dem finsteren Wald, die den Menschen seit jeher verfolgt, wird kombiniert mit der Teufels- und Hexenhysterie, die gerade im 17. Jahrhundert in den Köpfen der Menschen umhergeisterte. Dank einer umfassenden Recherche, die sich unter anderem auf Tagebucheinträge und Gerichtsprotokolle stützt, entwirft Eggers ein erschreckend realistisches Bild der frühen Kolonialzeit, das mit einem altmodischen Sprachstil zusätzlich unterfüttert wird. Großes Unbehagen erzeugt besonders der geradezu fanatische Glaube, der die Familie im Klammergriff hält. Beängstigend ist etwa die Szene, in der eines der Kinder panisch durch den Wald rennt und dabei wie von Sinnen Gebete spricht, um Unheil abzuwenden.

Von dem Moment an, in dem William und seine Liebsten aus der Siedlung verbannt werden, kreiert „The Witch“ eine beklemmende, unheilvolle Atmosphäre. Die puritanische Lehre, die Halt und Sicherheit geben soll, erweist sich als gefährlicher Katalysator der finsteren Mächte und heizt den Zerfall der familiären Einheit entscheidend an. Obwohl Eggers zumeist auf krasse Drehbuchvolten verzichtet, holt er immer mal wieder zu Paukenschlägen aus, die den Zuschauer in den Kinosessel pressen. Unheimlich ist beispielsweise das erste Auftauchen der Hexe, die bei einem unappetitlichen Ritual gezeigt wird. Oder aber eine Exorzismus-Sequenz, die vor allem dank der vorzüglichen Darbietungen der Kinderschauspieler dramatisch-intensive Ausmaße erreicht. Verstörend gerät außerdem das Finale, bei dem der junge Filmemacher einige blutige Schockeffekte bemüht und das Geschehen zunehmend ins Surreale verlagert.

Auch formal überzeugt der gering budgetierte Independent-Film auf ganzer Linie. Naturalistische, stimmungsvolle Aufnahmen des Wald-Settings treffen auf mysteriöse Bilder wie die eines Hasen, in dessen stechendem Blick etwas Bösartiges zu liegen scheint. Unerlässlich für das Gefühl der Beklemmung, das Eggers mit seiner Gruselmär hervorrufen will, ist die variantenreiche, bedrohliche Musik- und Sounduntermalung, die sich unter anderem aus Klagegesängen, dissonanten Geigenklängen und einem nervösen Rasseln zusammensetzt. Der Regisseur und seine Mitstreiter wissen, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums gewinnen kann, und zeigen, dass dafür keine ausufernden Budgets oder großen Exzesse notwendig sind. Vielmehr reichen ein spannendes Thema, eine durchdachte Geschichte, überzeugende Figuren, fähige Darsteller und ein cleverer Einsatz bekannter Stilmittel aus, um einen der eindringlichsten Horrortrips der letzten Jahre auf die Leinwand zu bringen.

>> von Christopher Diekhaus

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