Moviebase We Are Still Here

We Are Still Here
We Are Still Here

Bewertung: 55%

Userbewertung: 60%
bei 65 Stimmen

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Originaltitel: We Are Still Here
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 04.01.2016
DVD/Blu-Ray Verleih: 04.01.2016
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 80 Minuten
Studio: Tiberius Film
Produktionsjahr: 2015
Regie: Ted Geoghegan
Drehbuch: Ted Geoghegan
Darsteller: Larry Fessenden, Barbara Crampton, Andrew Sensenig, Lisa Marie

Ein Ehepaar, das sich zum Trauern in die verschneite Einöde Neuenglands zurückzieht. Ein altes Haus samt unheimlichen Kellerräumen. Und ein Filmtitel, der deutlich macht, dass die neuen Bewohner keineswegs alleine sind. Ted Geoghegans Regiedebüt „We Are Still Here“ fühlt sich wie ein klassischer Spukhausstreifen an, nimmt irgendwann jedoch eine brachiale Wendung – was einige Zuschauer verstören dürfte und andere erfreuen wird. Erwarten kann man eine Hommage an das Horrorkino 1970er und 1980er Jahre. Und eine Verbeugung vor Terrormeister Lucio Fulci, dessen Schocker „Das Haus an der Friedhofsmauer“ als konkrete Inspirationsquelle diente. Auch wenn das Endergebnis einige Wünsche offen lässt, sollte man Geoghegan definitiv im Auge behalten. Inszenatorisches Talent und großes Gespür für Genrebefindlichkeiten blitzen nämlich immer wieder auf.

Neuengland im Jahr 1979: Nach dem Unfalltod ihres erwachsenen Sohnes Bobby kaufen Anne (Barbara Crampton, „You’re Next“) und Paul Sacchetti (Andrew Sensenig) ein freistehendes Anwesen im Nirgendwo. Hier wollen die trauernden Eltern neue Kraft finden und den Schrecken des tragischen Ereignisses langsam hinter sich lassen. Seit ihrem Einzug fühlt Anne jedoch eine seltsame Präsenz im Haus und ist sich schon bald sicher, dass Bobby Kontakt aufnehmen will. Paul bleibt skeptisch, bis ihr Nachbar Dave McCabe (Monte Markham) mit seiner Gattin vorbeischaut und den Sacchettis von der grausigen Vergangenheit ihres neuen Heims erzählt. Als kurz darauf ein Handwerker bei Arbeiten im Keller des Hauses schwere Verbrennungen erleidet, bittet Anne die Eltern von Bobbys früherem Mitbewohner um Hilfe, denn May (Lisa Marie) und Jacob (Larry Fessenden) kennen sich mit übernatürlichen Phänomenen aus.

Alles, was man für einen klassischen Haunted-House-Film braucht, findet man in Geoghegans Drehbuch wieder. Angefangen beim Tod eines geliebten Menschen, der die Protagonisten aufs Land hinaustreibt. Über ein dunkles Geheimnis, das mit dem Schicksal der früheren Bewohner zusammenhängt. Bis hin zu Einheimischen, die sich erstaunlich abweisend verhalten. Setting und Handlung wirken bestens vertraut, ziehen den Betrachter aber durchaus in den Bann. Schon gleich zu Anfang versteht es der Regienovize, der bislang als Presseagent, Produzent und Autor in Erscheinung trat, handfeste Beklemmung und ein authentisches 70er-Jahre-Gefühl zu erzeugen. Starre, farbentsättigte Einstellungen der einsamen Winterlandschaft und aus dem Inneren des Hauses unterstreichen die Trauer und die Isolation des Ehepaars, während der beunruhigende Score das kommende Grauen andeutet. Epizentrum der ersten bösen Vorzeichen ist der düster-verwinkelte Keller des neuen Anwesens, in dem schon früh geisterhafte Erscheinungen zu beobachten sind.

Mit großen Schockmomenten hält sich Geoghegan spürbar zurück, sondern baut vielmehr auf eine diffus-unheilvolle Stimmung, die langsam zu kippen beginnt, als May und Jacob die Szenerie betreten. Zwei Althippies, die sich von den konservativ-geerdeten Sacchettis merklich unterscheiden. Mit einer Séance, die schrecklich aus dem Ruder läuft, bricht schließlich die Hölle los. Und „We Are Still Here“ schwenkt, ganz im Geiste Lucio Fulcis, plötzlich um in Richtung derben Splatter-Horror. Vor allem in den letzten zehn Minuten geht es ordentlich zur Sache, wobei die FSK-16-Freigabe etwas kurios anmutet. Immerhin reagieren die deutschen Sittenwächter sonst schon bei weniger blutigen Eskalationen äußerst restriktiv.

Der Wechsel vom schleichenden Grusel hin zu deftigen Schlachtsequenzen mag eine überraschende Abwandlung üblicher Haunted-House-Muster sein, bringt allerdings auch einige Probleme mit sich. Groteskes Overacting – besonders im Fall von Genre-Ikone Larry Fessenden – und Effekte, die nicht immer überzeugend ausfallen, schwächen die Wirkung ab. Darüber hinaus geht die anfangs heraufbeschworene Beklemmung mehr und mehr verloren, selbst wenn das Ende die Verzweiflung der Protagonisten noch einmal aufgreift. Im Grunde hat es fast den Anschein, als gehörten die ersten beiden Drittel zu einem gänzlich anderen Film. Die Atmosphäre des Einstiegs stellt sich verstärkt wieder in den schaurig-schönen Abspannbildern ein, die den Zuschauer anhand von alten Zeitungsausschnitten mit weiteren Informationen zum Fluch des Geisteranwesens versorgen.

>> von Christopher Diekhaus

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