Moviebase Ratter - Er weiß alles über Dich

Ratter - Er weiß alles über Dich
Ratter - Er weiß alles über Dich

Bewertung: 60%

Userbewertung: 55%
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Originaltitel: Ratter
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 17.03.2016
DVD/Blu-Ray Verleih: 17.03.2016
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 80 Minuten
Studio: Start Motion Pictures
Produktionsjahr: 2015
Regie: Branden Kramer
Drehbuch: Branden Kramer
Darsteller: John Anderson, Ashley Benson, William Michael Freeman, Rebecca Naomi Jones, Matt McGorry


Zuschauer, die nicht mit computerbezogenem Fachvokabular vertraut sind, dürften für den Titel von Branden Kramers Spielfilmdebüt bloß ein Achselzucken übrighaben. Als Remote Administration Tool, kurz RAT genannt, bezeichnet man im Englischen eine Fernwartungssoftware, mit der man sich in einen anderen Rechner einklinken kann, um beispielsweise Reparaturarbeiten vorzunehmen. Ein praktisches Instrument in unserem PC-gestützten Alltag, das leider auch für kriminelle Aktivitäten missbraucht wird. Cyber-Spannern oder Rattern, wie sie abgeleitet heißen, bieten sich vielfältige Möglichkeiten, um in die Privatsphäre eines arglosen Computernutzers einzudringen und sein Leben nachhaltig auszuspionieren. Eben diesem gruseligen Gedanken spürt Jungfilmer Kramer in seiner ersten abendfüllenden Regiearbeit nach.

Für ihr Studium zieht es die hübsche Emma (Ashley Benson) vom Mittleren Westen in die Weltstadt New York, wo sie es sich in einer schönen Wohnung gemütlich macht. Schon bald lernt sie in einer Bibliothek ihren Kommilitonen Michael (Matt McGorry) kennen, der sich von Anfang an um ihre Aufmerksamkeit bemüht. Da Emma aber erst vor kurzem mit ihrem Ex-Freund Schluss gemacht hat, ist sie zunächst unsicher, ob sie sich auf die Avancen des charmanten jungen Mannes einlassen soll. Von ihrer Freundin Nicole (Rebecca Naomi Jones) bestärkt, baut sie schließlich doch eine vertrautere Beziehung zu ihm auf. Parallel kommt es in Emmas Alltag immer häufiger zu seltsamen Ereignissen, die von einem Stalker ausgehen könnten. Was die lebenslustige Studentin nicht ahnt: Schon nach ihrer Ankunft in New York hat sich ein Hacker Zugang zu ihren technischen Geräten verschafft und beobachtet sie seitdem über die Kameras ihres Laptops, ihres Handys und ihrer Spielekonsole.

Neue gesellschaftliche Befindlichkeiten und Gefahren finden irgendwann immer den Weg ins Thriller- und Horrorgenre. Inzwischen gibt es bereits eine Reihe von Filmen, die sich mit den unheimlichen Auswüchsen unseres digitalen Zeitalters befassen. „Unknown User“ und „Unfriend“ kommen einem hier als Erstes in den Sinn, heben sich von „Ratter“ allerdings dadurch ab, dass sie auf übernatürliche Phänomene zurückgreifen. Branden Kramers Debütwerk hingegen ist komplett im Alltag verankert und verweigert sich konsequent billigen Jump-Scare-Methoden. Seinen Schrecken bezieht der Cyberthriller vor allem aus dem Umstand, dass wir von den ersten Einstellungen an die Perspektive des perfiden Stalkers einnehmen. Alles, was wir sehen, sind die Aufnahmen der unterschiedlichen Kameras, die sich in Emmas Umgebung befinden. Wir werden Zeuge, wie sie mit ihren Eltern skypt. Wie sie Michael langsam näherkommt. Und wie sie in ihrer Freizeit die Spielekonsole nutzt. Möglich ist das Eintauchen in ihr Leben, weil die Studentin ihren Laptop und ihr Smartphone fast nie ausschaltet und eigentlich immer griffbereit hat.

Aufgrund  der eigenwilligen Aufmachung, die auch Bildstörungen umfasst, ergeben sich Perspektiven, die der Betrachter in anderen Filmen so niemals zu sehen bekäme. Ein senkrechter Blick an die Decke stellt sich etwa dann ein, wenn Emma unterwegs ist und ihr Handy in ihrer Tasche mit sich herumträgt. Auch wenn die optische Gestaltung manchmal etwas bemüht erscheint (Wer, bitteschön, platziert sein Smartphone stets mit der Kamera nach oben?), kreiert Kramer ein größtenteils glaubwürdiges Überwachungsszenario, das uns wiederholt daran erinnert, dass wir durchgehend die Sicht des Hackers teilen. Regelmäßig greift der Unbekannte in den Bilderfluss ein, indem er bestimmte Aufnahmen mehrfach abspielt oder aber für ihn interessante Details heranzoomt. Beklemmend sind vor allem Momente größter Intimität, die Emmas Ahnungslosigkeit und unseren Wissensvorsprung betonen.

Anders als erwartet, handelt es sich bei der Protagonistin nicht um eine Knallchargen-Figur aus dem Drehbuchsetzkasten. Vielmehr wirkt Emma durch das natürliche, selten affektierte Spiel von Hauptdarstellerin Ashley Benson wie eine ganz normale Studentin, die bloß etwas leichtfertig mit ihren verschiedenen Medien umgeht – was sicher auch auf viele Zuschauer zutreffen dürfte. Mittlerweile benutzen wir die technischen Geräte um uns herum mit einer ausgeprägten Selbstverständlichkeit und halten es oftmals nicht für nötig, etwaige Gefahren zu bedenken.

Bei aller Freude über Kramers gelungene Bestandsaufnahme unserer digitalen Lebenswelt laboriert „Ratter“ jedoch an einem Leiden, das für einen Spielfilm keineswegs unerheblich ist. Zumindest in der ersten Hälfte fehlen dem Psychothriller handfeste Spannungsmomente, da wir die meiste Zeit Emmas verhältnismäßig unspektakulären Alltag verfolgen. Richtig packend ist eigentlich erst das Finale, das dem Zuschauer einen Schlag in die Magengrube versetzt. Am Ende blickt man womöglich mit anderen Augen auf die eigene Computer- und Handynutzung. Denn die modernen Kommunikationsmittel und Kameras, mit denen wir uns sorglos umgeben, sind – das zeigt der Film sehr deutlich – ein willkommenes Einfallstor für Menschen mit böswilligen Absichten.

>> von Christopher Diekhaus

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