Moviebase The First Purge

The First Purge
The First Purge

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Originaltitel: The Purge 4
Kinostart: 05.07.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: 08.11.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 08.11.2018
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Blumhouse Productions, Platinum Dunes, Universal Pictures
Produktionsjahr: 2017
Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
Darsteller: Frank Grillo

Dass der vierte Teil der dystopischen „Purge“-Reihe am 4. Juli, dem symbolträchtigen amerikanischen Unabhängigkeitstag, in den US-Kinos aufschlägt, kommt nicht von ungefähr. Ausgerechnet dann, wenn auf nationaler Ebene die Geburtsstunde der Vereinigten Staaten gefeiert wird, wartet auf den Leinwänden der Blick in einen schaurigen Abgrund, der diverse Parallelen zum besorgniserregenden Zustand der Gesellschaft durchscheinen lässt. James DeMonaco, der das finstere Horror-Franchise 2013 mit einem recht konventionellen Home-Invasion-Szenario begann, nimmt im neuen „Purge“-Kapitel die Einführung der titelgebenden Säuberungsnacht ins Visier, in der für zwölf Stunden alle Verbrechen erlaubt sind. Den Regiestab gab der kreative Kopf hinter der brachialen Schocker-Saga dieses Mal an Gerard McMurray weiter, der 2017 mit „Burning Sands“ sein Spielfilmdebüt vorgelegt hatte. „The First Purge“ verspricht eine spannende, neue Perspektive auf den staatlich abgesegneten Gewaltrausch, liefert trotz einiger frischer Ideen aber vor allem vertraute, um nicht zu sagen abgenutzte Eskalationsbilder.

In einem Amerika der nahen Zukunft will die regierende NFFA die Theorien der Wissenschaftlerin Dr. Updale (Marisa Tomei, „Visions – Die dunkle Gabe“) in der Praxis testen und stampft ein soziales Experiment aus dem Boden, das zunächst auf den New Yorker Stadtteil Staten Island beschränkt ist. Eine Nacht lang sollen hier Mord, Vergewaltigung und Diebstahl straffrei sein, sodass die Menschen ihre aufgestauten Aggressionen ableiten und den Rest des Jahres über friedfertig nebeneinander leben können. Wer sich bereit erklärt, an der Säuberung teilzunehmen, erhält als Entschädigung 5000 Dollar und zusätzliche Prämien. Ein Anreiz, der gerade für ärmere Bürger attraktiv ist. Auch der Teenager Isaiah (Joivan Wade, „Doctor Who“) lässt sich von der Aussicht auf Moneten leiten und will am durchgeknallten Junkie Skeletor (Rotimi Paul, „Sleepy Hollow“) Rache nehmen, der ihn mit einem Messer im Gesicht verletzt hat. Isaiahs große Schwester Nya (Lex Scott Davis, „Superfly“) hingegen protestiert lautstark gegen die Pläne der Regierung und verbarrikadiert sich mit anderen Pazifisten zu Beginn des Purge-Probelaufes in einer Kirche. Parallel untersagt der lokale Drogenboss Dmitri (Y’lan Noel, „Insecure“) seinen Gefolgsleuten, mordend durch die Straßen zu ziehen. Irgendwann sieht er sich jedoch gezwungen, zur Tat zu schreiten.

Schon in den vorangegangenen Kapiteln gab Schöpfer DeMonaco seiner düsteren Zukunftsvision einen politischen Anstrich, der zwar dick aufgetragen daherkam, allerdings gezielt an die derzeitige Zerrissenheit der USA andockte und durchaus Unbehagen heraufbeschwören konnte. „The First Purge“ führt diese Gedankenspiele weiter aus, verpasst es aber, den Betrachter mit wirklich neuen Erkenntnissen zu überraschen. Dass die ominöse Säuberungsnacht nicht nur die Kriminalitätsrate nach unten schrauben soll, sondern auch zum Ziel hat, die mittellose Klasse auszudünnen, wissen Kenner der Reihe nur zu gut. Einen interessanten Ansatz bietet das Prequel dennoch, da der Afroamerikaner McMurray fast ausschließlich schwarze Figuren aus einem Ghetto-Umfeld ins Zentrum rückt. Teil vier widmet sich vor allem den Diskriminierten, den an den Rand Gedrängten und Geächteten, um die perfide Logik des Purge-Gedankens zu illustrieren.

Ärgerlich ist allerdings, dass Drehbuchautor DeMonaco und der neue Regisseur die Ursprünge des Gewaltevents bei weitem nicht so umfassend erforschen, wie es sich eigentlich anböte. Gerne hätte man etwa mehr über den Niedergang der Vereinigten Staaten und den damit verbundenen Aufstieg der NFFA erfahren. Diesbezüglich speist der Film sein Publikum jedoch gleich zu Anfang mit einigen plakativen Nachrichtenmeldungen ab, die ein höchst schwammiges Bild der filmischen Realität an die Wand werfen. Konkreter wird es nach dem Startschuss des Experiments, wenn der Zuschauer Einblick in das Lagezentrum erhält, wo der Stabschef der Regierungspartei (Patch Darragh, „The Visit“) und Dr. Updale den Verlauf der Probe-Purge überwachen können, da alle Teilnehmer bedrohlich leuchtende Kontaktlinsen mit eingebauten Kameras erhalten haben. Erstaunt müssen beide feststellen, dass sich der Blutrausch zunächst in Grenzen hält und viele Menschen den Beginn des Tests zum Anlass nehmen, um gemeinsam zu feiern, was wiederum die NFFA zum Eingreifen zwingt. Reichlich plump fällt in diesem Zusammenhang der Sinneswandel der Wissenschaftlerin aus, die mit Oscar-Preisträgerin Marisa Tomei hochkarätig besetzt ist. Potenzial, das die Macher allzu leichtfertig verschenken. 

„The First Purge“ hat zweifelsohne einige gelungene Einfälle zu bieten, kommt inszenatorisch ohne große Schnitzer aus und baut punktuell treffsichere Schockmomente ein. Vieles erscheint inzwischen aber sehr vertraut und taugt deshalb nur noch für sporadische Verstörung. Wie schon im zweiten und dritten Film folgt das Drehbuch unterschiedlichen Figuren durch die verhängnisvolle Nacht, deren Wege sich am Ende kreuzen. Einmal mehr huschen grotesk kostümierte Gestalten durch die dunklen Straßen. Und erneut tendiert das Ganze zunehmend in Richtung eines Actionoverkills. Fast schon lächerlich wirkt die Mobilmachung des Drogengangsters Dmitri, der im letzten Akt zu einer Ein-Mann-Armee mutieren darf. Obwohl die Spannungskurve dabei etwas ansteigt, lädt der Horror-Reißer mit seinen absurden Dialogen und seinen ausbaufähigen Spezialeffekten mehrfach zum Schmunzeln ein. Dass der unsägliche Waffenfetischismus der Amerikaner gegen Ende geradezu zelebriert wird, führt überdies die gesellschaftskritischen Tendenzen ad absurdum. Da der neue Streifen das Purge-Universum nicht zufriedenstellend ausbaut, muss man auf den für September 2018 angekündigte Serienableger hoffen, der die nach wie vor beängstigende Prämisse vielleicht um wirklich reizvolle Facetten erweitern kann.

>> von Christopher Diekhaus

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