Moviebase Logan

Logan
Logan

Bewertung: 75%

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Originaltitel: Logan: The Wolverine
Kinostart: 02.03.2017
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Donners' Company, Kinberg Genre, Marvel Entertainment
Produktionsjahr: 2016
Regie: James Mangold
Drehbuch: James Mangold, Scott Frank
Darsteller: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Dafne Keen, Boyd Holbrook, Stephen Merchant, Elizabeth Rodriguez, Richard E. Grant, Eriq La Salle, Elise Neal, Quincy Fouse

Dass nach dem wirtschaftlichen Erfolg der rauen Comic-Verfilmung „Deadpool“ weitere Produktionen auf die Rechnung „Superhelden + Blut + Fluchen = Kassenschlager“ setzen würden, stand zu erwarten. Der erste, ebenfalls eindeutig nicht an eine unter 16-jährige Publikumsschicht gerichtete Nutznießer dieses Trends stammt auch aus dem Hause X-Men: „Logan“, in dem Hugh Jackman zum letzten Mal die definierende Rolle seiner Karriere aufnimmt, ist aber insofern noch eine andere Art von Biest als Ryan Reynolds Bad-Taste-Komödie, als dass auf Humor hier weitgehend verzichtet wird. Der finale Auftritt des Wolverine (in seiner jetzigen Inkarnation) ist ein blutiger, verschwitzter, melancholischer Roadtrip durch die Wüste – ohne viel Hoffnung und Skrupel.

Die Idee des gealterten, zynischen Superheldens am Ende seiner Kräfte ist nicht neu, sie geht wohl in dieser Form auf Frank Millers wütenden Batman-Comic „The Dark Knight Returns“ zurück; so drastisch und konzentriert wie in „Logan“ aber wurde diese Entmystifizierung der Halbgötter in Strumpfhosen noch nie auf die Leinwand gebracht. Tatsächlich flucht Wolverine in dem Film von Regisseur James Mangold ganz explizit auf die „verlogenen“ „X-Men“-Comichefte, die er als „Eiskrem für Bettnäßer“ betrachtet, weil sie die harsche Wirklichkeit des Superheldenlebens beschönigten. Harte Worte. War in den letzten „offiziellen“ „X-Men“-Filmen, ganz besonders „First Class“, Logans Ruf als sarkastischer Mensch- und Mutantenhasser immer noch eine Art Running Gag, nimmt Mangold diesen Charakterzug nun bitter ernst: Der Wolverine ist hier ein heruntergekommener, alkoholkranker Zyniker, der sein Geld als Limousinen-Chauffeur für Junggesellenabschiede an der mexikanisch-amerikanischen Grenze verdient – sein letztes Lebensziel ist, den über 90-jährigen Professor X (Patrick Stewart) zu pflegen, mit dem er auf einer Art Schrottplatz in der Wüste haust.

Es ist bemerkenswert, wie weit der Film in dieser Demontage seines vermeintlichen Helden geht: An Logan ist zu Beginn des Films wirklich nichts Heroisches mehr übrig, er ist eine regelrecht unangenehme Leinwandpräsenz. Erst als das Schicksal eine junge Mutantin in das rostige Versteck der ehemaligen X-Men spült, bekommt Wolverine die Chance, seinem Ruf noch einmal gerecht zu werden. „Logan“ spielt nämlich in einer nahen, düsteren Zukunft, in der Mutanten von technokratischen Wissenschaftlern wie dem Oberschurken Zander Rice (Richard E Grant) beinahe gänzlich ausgerottet wurden. Gleichzeitig aber werden unter dem Deckmantel der Wissenschaft in geheimen Labors Mutantenkinder zu Supersoldaten gezüchtet.

Ein solches ist Laura (Dafne Keen), ein junges Mädchen, dem die gleichen stählernen Krallen und Selbstheilungskräfte gegeben sind wie Wolverine. Es wird angedeutet, dass sie gar aus seiner DNA „produziert“ wurde. Auf die aus dem Labor entflohene Mutantin ist ein ganzes Heer von sadistischen Handlangern des Dr. Rice angesetzt worden – nun befindet sie sich also plötzlich in der Obhut ihres zerrütteten „Vaters“, der wiederum mit dem Erbe seiner eigenen Vaterfigur, Professor X, zu kämpfen hat. Nach einer ersten, bereits unvorstellbar brutalen Konfrontation mit den Bösewichten, macht sich die „Familie wider Willen“ also gemeinsam auf die Flucht. Ihr Ziel: Ein verheißungsvoller Ort namens Eden, an dem Laura und die anderen entflohenen Mutanten ein letztes Refugium in der ihnen so feindlich gesinnten Welt finden wollen. Aber existiert Eden überhaupt?

Der klassische Roadmovie-Aspekt ist der beste Teil dieses visuell wie atmosphärisch äußerst stimmigen Films; die verschiedenen Stationen der Reise, die ständigen Gefahren der Straße bringen die Figuren einander näher und sorgen so für eine gelungene Charakterzeichnung. Und noch ein anderes klassisches Hollywood-Genre zitiert der Film explizit: den Western. Mangold, der schließlich auch schon „Todeszug nach Yuma“ neu verfilmte, fügt an prominenter Stelle einen Clip aus dem klassischen Western „Shane“ mit Alan Ladd ein und parallelisiert seinen Anti-Helden mit dem des Klassikers.

In Sachen Drastik aber lässt „Logan“ die meisten Western, ja sogar die meisten aktuellen Horrorfilme im Vergleich verblassen. Hier wird so unnachgiebig mit Stahlkrallen und allen anderen verfügbaren Stich- und Schusswaffen aufeinander losgegangen, dass das Kunstblut nur so in Sturzbächen fließt. Ohne Zweifel werden es viele Fans des Wolfsmutanten begrüßen, dass der tödlichen Kraft von Wolverines markantestem Merkmal endlich einmal ihre „realistischen“ Auswirkungen zugestanden werden; und nicht nur das – auch die kleine Laura schlitzt und schlachtet sich blutüberströmt durch die Bösewichterhorden. Eine der wenigen Schwächen des Films ist aber, dass er hier das Maß verliert: Sind die Kampfszenen der ersten Hälfte noch hochgradig spannend, verliert der Film im ganzen Gemetzel schließlich ein wenig seine Stringenz.

Zweifellos aber ist „Logan“ ein brachialer, gekonnter Vertreter der „X-Men“-Saga – und mehr noch: eigentlich böte er sich rein theoretisch als perfekter, blutroter Schlussstrich unter der Superheldenfilmflut des 21. Jahrhunderts an. Denn schließlich war es vor allem Jackmans Wolverine, der in Bryan Singers „X-Men“ im Jahr 2000 den Hype um Marvel und DC im Kino lostrat. Wäre diese letzte Heldenreise nicht ein guter Anlass, den maskierten Heroen allgemein eine wohlverdiente Pause zu gönnen? Paradoxerweise dürfte der mit Sicherheit große finanzielle Erfolg von Mangolds Film eben diese Vorstellung zunichtemachen.

>> von Tim Lindemann

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