Moviebase Revenge

Revenge
Revenge

Bewertung: 75%

Userbewertung: 50%
bei 161 Stimmen

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Originaltitel: Revenge
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 23.08.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 23.08.2018
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 108 Minuten
Studio: M.E.S. Productions, Monkey Pack Films, Charades
Produktionsjahr: 2017
Regie: Coralie Fargeat
Drehbuch: Coralie Fargeat
Darsteller: Matilda Anna Ingrid Lutz, Kevin Janssens, Avant Strangel, Guillaume Bouchède

Filme, denen ein glänzender Ruf vorauseilt, die auf Festivals gefeiert werden, sind meistens mit Vorsicht zu genießen. Denn nicht selten erweist sich der Hype als Bürde für das hochgelobte Werk, das in vielen Fällen die Erwartungen nicht erfüllen kann. Besonders freuen darf man sich über Ausnahmen von dieser Regel, zu denen zweifelsohne auch Coralie Fargeats Regiedebüt „Revenge“ gehört. Angepriesen als harter, gewitzter und packender Survial-Thriller, entführt der drastische Schocker sein Publikum tatsächlich auf eine irrwitzige Achterbahnfahrt inklusive eines brachialen Geschlechterkampfes und eines cleveren Umgangs mit den Konventionen und Darstellungsweisen des verrufenen Rape-and-Revenge-Kinos. Eines Subgenres, das mit Ingmar Bergmans religiös aufgeladenem Drama „Die Jungfrauenquelle“ mutmaßlich seinen Anfang nahm und in den siebziger Jahren mit Wes Cravens „Das letzte Haus links“ und Meir Zarchis „Ich spuck' auf dein Grab“ kontrovers diskutierte Klassiker hervorbrachte.

Geschäftsmann Richard (Kevin Janssens, „The Ardennes – Ohne jeden Ausweg“) will mit seiner deutlich jüngeren Geliebten Jen (Matilda Anna Ingrid Lutz, „Rings“) noch etwas Zeit in einer luxuriösen Villa mitten in der Wüste verbringen, bevor seine Partner Stan (Vincent Colombe, „Point Blank – Aus kurzer Distanz“) und Dimitri (Guillaume Bouchède, „Plötzlich Papa“) dort für das traditionelle Jagdwochenende aufkreuzen. Dummerweise reisen die beiden allerdings früher als erwartet an, sodass die idyllische Zweisamkeit schnell dahin ist. Nach einer ausgelassenen Partynacht am Pool kommt es am nächsten Morgen in Richards Abwesenheit zu einem schrecklichen Zwischenfall mit ungeahnten Folgen: Obwohl Jen den aufdringlichen Stan entschieden zurückweist, vergewaltigt er sie, während Dimitri den Übergriff nonchalant geschehen lässt. Richard will seine traumatisierte Freundin anschließend mit Geld zum Schweigen bringen, unterschätzt dabei aber ihre Wut. Als die junge Frau Reißaus nimmt, wird sie von den drei Männern bis an den Rand einer Schlucht verfolgt und von ihrem Geliebten rücksichtslos in die Tiefe gestoßen. Wie durch ein Wunder überlebt sie den Sturz und liefert sich schon bald ein unerbittliches Katz-und-Maus-Spiel mit dem feigen Trio.

Logik- und Plausibilitätsverfechter dürften einen schweren Stand haben, da Fargeat dem Betrachter einiges an Wohlwollen abverlangt. Dass Jen nicht zu Tode kommt und sich später mit gravierenden Verletzungen durch die Wüste schleppt, ist sicher nicht sehr glaubwürdig. Der Wucht des Films tun diese Umstände jedoch keinen Abbruch. Schon der Einstieg lässt erahnen, dass die Regisseurin ihr Handwerk vorzüglich beherrscht. Spektakulär-vibrierende Bilder der weiten Einöde, poppige Farbenspiele und ästhetisch aufregende Spiegelungen senden tolle Reize aus, die man von einem Exploitation-Streifen nicht gewohnt ist. Die pulsierenden Elektroklänge aus der Feder von Robin Coudert („Amityville: The Awakening“) ziehen den Zuschauer unweigerlich in das Geschehen hinein. Schmerzhaft überzeugende Bluteffekte, von denen es nicht gerade wenige gibt, machen den Horror des Überlebenskampfes dramatisch spürbar. Und immer wieder schafft es Fargeat, die auch das Drehbuch verfasste, den simpel-gradlinigen Plot mit ungemein packend arrangierten Verfolgungsszenen aufzuwerten. Das beste Beispiel für ihr Können ist der in roten Lebenssaft getränkte Showdown, bei dem die Macherin die verwinkelte Architektur der Wüstenvilla effektiv nutzt, um den Nervenkitzel in einer famosen Plansequenz bis ins Unerträgliche zu steigern.

Sehenswert und unterhaltsam ist „Revenge“ allerdings nicht nur, weil der Film eine fiebrig-schweißtreibende und kompromisslose Handlung erzählt. Zu etwas Besonderem wird er auch deshalb, weil die französische Regisseurin ungehemmt mit den Mustern des berüchtigten Rape-and-Revenge-Genres jongliert und sie mit Spaß am Experimentieren aufbricht. Wird Jen anfangs noch als Lolli lutschende, lasziv-naive Sexbombe in Szene gesetzt, erlebt sie nach dem fatalen Sturz eine regelrechte Wiedergeburt und mutiert zu einem mythisch überhöhten Racheengel, der sein Überleben mit erstaunlichen Lösungen sichert. Schonungslos seziert Fargeat das widerwärtige Verhalten der männlichen Figuren, wobei sie keinen Zweifel daran lässt, wie erbärmlich Stans Rechtfertigung für die Vergewaltigung ist.

Anders als man es aus vielen artverwandten Thrillern kennt, geilt sich die Kamera nicht an dem erzwungenen Sex-Akt und Jens Qualen auf, sondern lässt den Übergriff konsequent außerhalb des Bildes stattfinden, nur um später die drastischen Wunden der Hobbyjäger umso deutlicher auszustellen. Nicht von ungefähr wird im Finale der permanent ins Bild kommende nackte Körper eines Mannes unverhohlen zu einem Schauobjekt degradiert. Ein letzter kluger Schachzug in einem wilden, mit biblischen Symbolen garnierten Rundumschlag, der anderen billig-ausbeuterischen Schockern selbstbewusst den Mittelfinger entgegenstreckt.

>> von Christopher Diekhaus

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