Moviebase The Domestics

The Domestics
The Domestics

Bewertung: 45%

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Originaltitel: The Domestics
Kinostart: 23.08.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: 24.01.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 24.01.2019
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Orion Classics, Kinostar
Produktionsjahr: 2018
Regie: Mike P. Nelson
Drehbuch: Mike P. Nelson
Darsteller: Kate Bosworth, Tyler Hoechlin, Sonoya Mizuno und Lance Reddick

Untergänge, wohin man schaut. Gefühlt scheint 2018 keine Woche zu vergehen, in der nicht mindestens ein düsterer Zukunftsstoff auf die Leinwände oder den Heimkinomarkt geschwemmt wird. Nachdem erst Anfang Juli der neue „Purge“-Streifen das Licht der Welt erblickte, geht nun mit Mike P. Nelsons „The Domestics“ der nächste dystopische Genrereißer an den Start. Dass der wenig zimperliche Thriller hierzulande eine Kinoauswertung erhält, ist angesichts seiner allenfalls mittelmäßigen Qualität durchaus bemerkenswert, sagt aber einiges über die Gedankenspiele des deutschen Verleihers aus, der offenkundig vom Postapokalypse-Hype profitieren möchte. Ob dies gelingt, darf getrost bezweifelt werden. Immerhin muss Nelsons Regiearbeit – anders etwa als „The First Purge“ – ohne die Zugkraft einer etablierten Reihe auskommen.

Seit die US-Regierung die Bevölkerung durch die landesweite Verbreitung tödlicher Toxine dramatisch dezimiert hat, organisiert sich ein Großteil der Überlebenden in brutalen, plündernden Gangs, die unterschiedliche Regionen kontrollieren und sich alles andere als wohlgesonnen sind. Friedfertige Bürger, sogenannte „domestics“, wie Nina (Kate Bosworth, „Before I Wake“) und Mark (Tyler Hoechlin, „Teen Wolf“), deren Ehe eigentlich vor dem Aus stand, ziehen sich in die eigenen vier Wände zurück und setzen alles daran, ein unbehelligtes Leben zu führen. Als Nina jedoch vergeblich auf einen Funkspruch ihrer Eltern wartet, beschließt sie, gemeinsam mit ihrem Gatten nach Milwaukee aufzubrechen. Ihre Fahrt durch ein verwüstetes Land wird schnell zu einem unerbittlichen Kampf ums Überleben.

Dass für Feinheiten in einem Film wie diesem kein Platz ist, muss nicht verwundern. Nelson geht es vor allem darum, den Zuschauer in Angst und Schrecken zu versetzen. Dennoch darf man gerade bei einem nihilistischen Zukunftsszenario erwarten, dass die Koordinaten der beschriebenen Welt etwas genauer abgesteckt werden. Leider begnügt sich der Regisseur und Drehbuchautor mit hingeworfenen Informationshäppchen, die auch durch die gelegentlich eingestreuten Kommentare eines zynischen Radiomoderators nicht origineller oder spannender erscheinen. Statt ein eigenständiges Setting zu entwerfen, klaubt „The Domestics“ Elemente aus anderen Untergangswerken zusammen, wobei vor allem George Millers legendäre „Mad Max“-Reihe mit ihren bizarr aufgemotzten Fahrzeugen Pate gestanden haben muss.

Weitaus ärgerlicher als die überdeutlichen Anleihen sind die Leerstellen des Drehbuchs im Hinblick auf die Hintergründe der gezielten Bevölkerungsausrottung. Was mit der Regierung geschehen ist, die den Massenmord zu verantworten hat und durch ihn eine heile neue Welt errichten wollte, bleibt gänzlich im Dunkeln. Sind die staatlichen Vertreter ebenfalls vom Gift dahingerafft worden? Oder konnten sie in einer Schutzzone Zuflucht finden? Und sollte dies der Fall sein, warum lassen sie den Gangs dann freie Hand? Fragen, die einem unweigerlich in den Sinn kommen, mit denen sich Nelson aber nicht befassen will. Erzählerische Auslassungen sind grundsätzlich nicht verwerflich und taugen durchaus, um – siehe „A Quiet Place“ – Neugier zu erzeugen, wirken allerdings in diesem Fall wie eine Bequemlichkeit des Autors.

Mit Nina und Mark, zwei Menschen, die sich vor der Katastrophe entfremdet haben und nur noch aus der Not heraus zusammenleben, bringt der Film ein reizvolles Protagonisten-Duo in Stellung. Einmal mehr weigert sich der Regisseur jedoch, tiefer zu graben und die Differenzen des Paares gewinnbringend zu nutzen. Ähnlich oberflächlich fühlt sich die an sich begrüßenswerte Wandlung Ninas an, die ihre anfangs stark passive Rolle in Momenten der Bedrohung irgendwann aufgeben darf. Ins Grübeln kommt man außerdem, warum der schöne Einfall einer männerverfolgenden Frauengang am Beispiel des schweigsamen Racheengels Betsy (Sonoya Mizuno, „Ex Machina“) nicht ausführlicher beleuchtet wird. Auch in diesem Punkt verschenkt der postapokalyptische Schocker leichtfertig Potenzial.

Dass die Mängel in der Handlungs- und Figurenzeichnung „The Domestics“ nicht komplett entgleisen lassen, liegt vor allem an Nelsons zumindest ordentlichen Inszenierungskünsten und manchen herrlich verwahrlosten Schauplätzen. Obwohl der lebensgefährliche Roadtrip eher eintönig ausfällt, bringt der Regisseur einige Passagen mit Nervenkitzel-Garantie in den Kasten. Haften bleiben vor allem der Auftritt eines mit Filmverweisen um sich werfenden Psychopathen (lustvoll überdreht: David Dastmalchian, „Blade Runner 2049“) und der Augenblick, in dem der hilfsbereite Nathan (Lance Reddick, „American Horror Story“), eine Zufallsbekanntschaft Ninas und Marks, urplötzlich einen Blick in tiefe Abgründe gewährt. Freunde grotesker Kostümierungen kommen dank der skurril maskierten Gangmitglieder sicherlich auf ihre Kosten, auch wenn man dank der verrückten Verkleidungen der „Purge“-Reihe nicht mehr großartig erschüttert werden kann. Während die Grundstimmung pessimistisch ist, durchbrechen ab und an kleine Humoreinlagen das Geschehen. Recht amüsant sind Nelsons Spielereien mit typischen Klischees des Horrorfilms. Zur Abwechslung springen hier nämlich einmal die Kettensäge und das Motorrad eines Bösewichts nicht an. Clevere Ideen wie diese bietet der staubige, farblich entsättigte Endzeitthriller freilich viel zu selten, um sich nachhaltig ins Gedächtnis einzubrennen. 

>> von Christopher Diekhaus

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