Moviebase Bad Times at the El Royale

Bad Times at the El Royale
Bad Times at the El Royale

Bewertung: 80%

Userbewertung: 75%
bei 55 Stimmen

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Originaltitel: Bad Times at the El Royale
Kinostart: 11.10.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Twentieth Century Fox
Produktionsjahr: 2018
Regie: Drew Goddard
Drehbuch: Drew Goddard
Darsteller: Jeff Bridges, Cynthia Erivo, Dakota Johnson, Jon Hamm und Chris Hemsworth

Mit seinem Regiedebüt „The Cabin in the Woods“ landete Drehbuchautor Drew Goddard 2012 einen Überraschungshit, der ein genüssliches Spiel mit den Regeln und Motiven des Horrorgenres betrieb. Viele Zuschauer zeigten sich erfreut über das Meta-Werk, das eine längst ausgelutscht erscheinende Standardsituation – eine Gruppe junger Menschen allein im Nirgendwo – als Ausgangspunkt für ein augenzwinkerndes Schock-Vergnügen nutzte. Im Anschluss war der US-Amerikaner unter anderem am Drehbuch zum Zombie-Blockbuster „World War Z“ beteiligt und verfasste für Ridley Scott das Skript zum Weltraumabenteuer „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“, das bekanntlich eine Oscar-Nominierung erhielt. Sechs Jahre nach seinem ersten Spielfilm in hauptverantwortlicher Funktion kehrt Goddard nun als Regisseur auf die große Leinwand zurück und hat einen höchst unterhaltsamen, prominent besetzten Mystery-Thriller im Gepäck, der unverkennbar von Quentin Tarantinos Schaffen beeinflusst wurde.

Die Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo, „Widows – Tödliche Witwen“) und der Priester Daniel Flynn (Jeff Bridges, „Hüter der Erinnerung – The Giver“) staunen nicht schlecht, als sie das auf der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada liegende El Royale betreten und im Eingangsbereich des Hotels vom dampfplaudernden Handelsvertreter Laramie Seymour Sullivan (Jon Hamm, „Mad Men“) empfangen werden, der bislang vergeblich auf einen Angestellten gewartet hat. Kurz darauf erscheint der unsicher wirkende, offenbar einzige Bedienstete Miles (Lewis Pullman, „The Strangers: Opfernacht“) auf der Bildfläche und gibt den neuen Gästen eine kleine Einweisung. Für Aufsehen sorgt schließlich der Auftritt einer geheimnisvollen Fremden (Dakota Johnson, „Suspiria“), die beim Einchecken ihren Namen unterschlägt. Schon bald stellt sich heraus, dass die Anwesenden mit falschen Karten spielen und die altehrwürdige Herberge dunkle Geheimnisse birgt.

Mehr sollte man über die Handlung nicht verraten, da der Film auch von seinen Wendungen, Enthüllungen und plötzlichen Gewaltausbrüchen lebt. Eine Kostprobe seines wirkungsvollen Könnens gibt Goddard schon im Prolog, der konzentriert auf einen deftigen Knalleffekt hinarbeitet. Auch im Folgenden wird es immer mal wieder zu unerwarteten Eruptionen und Konfrontationen kommen, die über den Zuschauer regelrecht hereinbrechen und an die Exzesse eines Quentin Tarantino denken lassen. Erinnerungen kommen ebenso an James Mangolds Psychothriller „Identität“ auf, dessen Prämisse der Grundkonstellation von „Bad Times at the El Royale“ ähnelt. Hier wie dort finden sich eine Reihe zwielichtiger Figuren in einer abgelegenen Unterkunft ein und geraten in einer stürmischen Nacht in einen Strudel aus unheilvollen Ereignissen.

Anders als man es bei einem pulpigen Spannungsstreifen vielleicht erwartet, fokussiert sich Goddard nicht nur auf die Twists und Überraschungen seiner Geschichte, sondern nimmt sich auch die Zeit, seine Protagonisten etwas genauer auszuleuchten. Zu einem Charakterdrama avanciert der Film sicher nicht. Des Öfteren bremst der Regisseur jedoch seine Erzählung zugunsten von markanten Dialogpassagen aus, die dem Ensemble Raum für einprägsame Darbietungen geben. Besonders haften bleiben die Gespräche zwischen Sweet und Flynn, in denen vor allem Jeff Bridges eine beachtliche Verletzlichkeit hervorkitzelt. Einen starken Eindruck hinterlassen zudem die in ihrer kühlen Präzision beunruhigende Dakota Johnson und der im beklemmenden Finale die Bühne enternde Chris Hemsworth, der eindrucksvoll beweist, dass er einen Teufel in Menschengestalt spielen kann.

Auch wenn das verschachtelte, mit vielen Rückblenden arbeitende und in Kapitel eingeteilte Drehbuch einige Charakterhintergründe etwas vorhersehbarer anlegt, bleibt man gerne am Ball und malt sich aus, wie das Ganze wohl eskalieren könnte. Originell ist in jedem Fall die Art und Weise, wie Goddard das Zeitkolorit seines in den ausgehenden sechziger Jahren angesiedelten Thrillers in das Geschehen einfließen lässt. Markante Ereignisse der Epoche, gesellschaftliche Befindlichkeiten und für die Dekade typische Traumata schälen sich langsam aus den Figurenaufstellungen heraus und verleihen dem Werk eine kleine Portion Hintersinn. Mit einem kräftigen Augenzwinkern erlaubt es sich der Regisseur sogar, eines der zentralen Geheimnisse – Stichwort: Filmrolle – nicht aufzulösen, schafft es aber, den Betrachter mit ausgestreuten Hinweisen zum eifrigen Spekulieren zu animieren.

Ein dickes Lob gebührt zweifellos auch der von Martin Whist angeführten Ausstattungsabteilung, die dem titelgebenden Hotel mithilfe vieler zeitspezifischer Details und Gegenstände einen urigen Retro-Charme verpasst. Nicht unterschlagen werden darf ferner die stimmungsvolle Musikauswahl, wobei der Liedeinsatz in einer Szene zwischen Cynthia Erivo und Jeff Bridges, in der ein Hammer Verwendung findet, besonders positiv hervorsticht. Ton- und Handlungsebene gehen an dieser Stelle wunderbar Hand in Hand und sorgen gleichzeitig für Nervenkitzel und Amüsement. Wer Goddard bisher nur für einen gewitzten Erzähler hielt, kann sich hier ein Bild von seinen Fertigkeiten als Regisseur machen.

>> von Christopher Diekhaus

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