Moviebase Spuk in Hill House

Spuk in Hill House
Spuk in Hill House

Bewertung: 65%

Userbewertung: 90%
bei 323 Stimmen

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Originaltitel: The Haunting of Hill House
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 12.10.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 12.10.2018
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Amblin Television ,Paramount Television
Produktionsjahr: 2018
Regie: Mike Flanagan
Drehbuch: Shirley Jackson, Mike Flanagan
Darsteller: Samantha Sloyan, Catherine Parker, Jordane Christie, Logan Medina, Amy Partain, Carla Gugino, Oliver Jackson-Cohen

Schicksalsschläge spielen im Horrorgenre eine prominente Rolle, werden aber viel zu selten in ihrer ganzen emotionalen Wucht ausgeleuchtet. Häufig dienen Unfälle, Tragödien und grausame Verbrechen lediglich als Staffage für eine Geisterbahnfahrt, die mit lauten, plakativen Mitteln um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlt. Regisseur und Drehbuchautor Mike Flanagan stemmte sich in seinem bisherigen Schaffen, zumindest phasenweise, recht erfolgreich gegen dieses banale Gruselverständnis und bemühte sich, seinen Figuren echtes Leben einzuhauchen. Gut zu beobachten etwa im raffinierten und ergreifenden Verwirrspiel „Oculus“ oder – mit etwas mehr Abstrichen – in der Blumhouse-Produktion „Ouija: Ursprung des Bösen“. Sein Gespür für die Beschreibung seelischer Ausnahmezustände in Verbindung mit unheimlichen Geschehnissen beweist der 1978 geborene US-Amerikaner nun auch in seiner für Netflix entstandenen freien Neuinterpretation von Shirley Jacksons klassischem Schauerroman „Spuk in Hill House“, der 1959 das Licht der Welt erblickte und zwei Mal für die große Leinwand adaptiert wurde. In die Kinos kamen die Filme hierzulande unter den Titeln „Bis das Blut gefriert“ und „Das Geisterschloss“.

Flanagans lose Adaption erweist sich schon in den für die Kritik begutachteten Folgen eins bis vier als komplexe, auf unterschiedlichen Zeitebenen angesiedelte Familiengeschichte mit gespenstischem Einschlag: Als Hugh (Henry Thomas, „Das Spiel“) und Olivia Crain (Carla Gugino, „Wayward Pines“) gemeinsam mit ihren Kindern Steven (Paxton Singleton, „Alice Fades Away“), Shirley (Lulu Wilson, „Annabelle 2“), Theodora (Mckenna Grace, „Amityville: The Awakening“), Nell (Violet McGraw, „Ready Player One“) und Luke (Julian Hilliard, „Never Goin‘ Back“) in das altehrwürdige Hill House ziehen, stürzen sie sich voller Enthusiasmus in die geplanten Renovierungsarbeiten, um die riesige Villa so schnell wie möglich verkaufen zu können. Furchteinflößende Ereignisse belasten allerdings schon bald das Zusammenleben und münden irgendwann in eine Katastrophe, die die Crains nachhaltig prägt.

Viele Jahre später haben sich die meisten Familienmitglieder eine eigene Existenz aufgebaut, sind aber noch immer von ihren schrecklichen Erfahrungen gezeichnet. Eines Tages erhalten Steven (nun: Michiel Huisman, „The Invitation“), Shirley (Elizabeth Reaser, „Ouija: Ursprung des Bösen“), Theodora (Kate Siegel, „Oculus“), Luke (Oliver Jackson-Cohen, „The Raven – Prophet des Teufels“) und ihr Vater Hugh (Timothy Hutton, „Experiment Killing Room“) einen Hilferuf der psychisch labilen Nell (Victoria Pedretti, „Once Upon a Time in Hollywood“), erkennen jedoch nicht rechtzeitig, wie ernst die Lage ist. Die verängstigte junge Frau begeht schließlich Selbstmord und zwingt ihre engsten Verwandten so, sich mit ihren inneren Dämonen und der grausigen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Bedächtig entblättert Flanagan, der alle zehn Folgen der ersten Staffel inszenierte, welche Auswirkungen das einst im Spukhaus Erlebte auf die Psyche der Protagonisten hat und rückt dafür häufig eine Figur pro Folge besonders in den Mittelpunkt. Fortlaufend springt die in ausgebleichte Bilder getauchte Erzählung zwischen der Gegenwart, den Rückblenden in die Zeit im Anwesen und anderen Erinnerungen hin und her, wobei die Übergänge oftmals fließend sind. Öffnet sich beispielsweise im Hier und Jetzt eine Tür, wird diese Handlung auf der nächsten Ebene gespiegelt.

Dass sich der Regisseur ernsthaft für das angekratzte Innenleben der Geschwister interessiert, zeigt sich von Anfang an. Nach und nach erhält der Betrachter weitere Informationen, erfährt mehr über die Beziehungen und bekommt so ein umfangreiches Bild der Ängste, Verletzungen, Neurosen und Verdrängungsmechanismen präsentiert. Besonders schmerzhaft ist Folge vier, die sich eingehender mit dem suchtkranken Luke befasst, den die Vorkommnisse im Hill House in einen gebrochenen Menschen verwandelt haben. Neben der sorgfältigen Figurenzeichnung gelingt es Flanagan außerdem, seine Schauspieler zu brauchbaren Leistungen anzuspornen. Ein gutes Händchen beweist der Filmemacher, wie schon in seinen vorherigen Werken, bei der Führung seiner Kinderdarsteller, die größtenteils natürlich und ungezwungen agieren.

Weniger eindrücklich sind dafür – jedenfalls in den ersten Episoden – die aufgebotenen Schock- und Gruseleffekte. Geisterhafte Kamerabewegungen, durchs Bild huschende Schatten, schlagartig anschwellende Geräusche und plötzlich hervorbrechende Visionen lassen den Puls hin und wieder kurzeitig nach oben schnellen, zeichnen sich aber leider nicht durch besonderen Einfallsreichtum aus. Manches wirkt etwas plump. Und vieles entstammt dem kleinen Horror-Einmaleins, weshalb die meisten Buh-Momente für genreerprobte Zuschauer leicht vorauszuahnen sind. Sollte es Flanagan in den restlichen Folgen schaffen, seine Schauerelemente etwas wirkungsvoller und origineller in das familiäre Drama einzubauen, dürfte sein neues Serienprojekt einen noch stärkeren Sog entfalten.

>> von Christopher Diekhaus

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