Moviebase Bird Box - Schließe deine Augen

Bird Box - Schließe deine Augen
Bird Box - Schließe deine Augen

Bewertung: 60%

Userbewertung: 83%
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Originaltitel: Bird Box
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 21.12.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 21.12.2018
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Bluegrass Films, Chris Morgan Productions, Universal Pictures
Produktionsjahr: 2018
Regie: Susanne Bier
Drehbuch: Eric Heisserer, Josh Malerman
Darsteller: David Dastmalchian, Parminder Nagra, Sarah Paulson, Rosa Salazar, Sandra Bullock, John Malkovich, BD Wong

2018 fanden zahlreiche Endzeitfilme den Weg auf die Leinwände und ins Heimkino, darunter auch der packende, mit einer simplen, aber originellen Prämisse ausgestattete Schocker „A Quiet Place“, in dem es vor allem darauf ankam, keinen Mucks von sich zu geben. Regisseur John Krasinski und Ehefrau Emily Blunt spielten ein vom Schicksal gebeuteltes Paar, das mit seinen Kindern in einer zerstörten, von hörsensiblen Aliens beherrschten Welt ums Überleben kämpfte. In eine ähnliche Kerbe schlägt nun die Netflix-Produktion „Bird Box – Schließe deine Augen“, die auf dem gleichnamigen Roman von Josh Malerman basiert. Wie der deutsche Titelzusatz unterstreicht, zielt die Geschichte allerdings nicht auf den akustischen, sondern den visuellen Sinn ab, von dem sich die Protagonisten nach einer global ausbreitenden Massenhysterie mehr und mehr verabschieden müssen.

Die preisgekrönte dänische Filmemacherin Susanne Bier, die zuletzt die Miniserie „The Night Manager“ inszenierte, und der horrorerprobte Drehbuchautor Eric Heisserer („Lights Out“) beginnen ihre Adaption in medias res: Kurz bevor sie mit den zwei lediglich Mädchen (Vivien Lyra Blair, „Waco“) und Junge (Julian Edwards, „Ready Player One“) genannten Kindern zu seiner riskanten Flussfahrt aufbricht, hält die spürbar aufgewühlte Malorie (überzeugend: Sandra Bullock, „Gravity“) einen flammenden Appell und betont energisch, dass ihre Augen auf der Reise zu einem vermeintlich sicheren Rückzugsort stets bedeckt bleiben müssten. Nach diesem beunruhigenden Auftakt springt die Erzählung fünf Jahre zurück und bebildert die Anfänge der mysteriösen Bedrohung, die ganz unvermittelt über die Menschheit hereinbricht.

Während die Medien vermehrt von unheimlichen Massenselbstmorden in Russland und Europa berichten, fährt die schwangere Malorie mit ihrer Schwester Jessica (Sarah Paulson, „American Horror Story“) zu einem Arzttermin, bei dem ihre Zweifel über das Mutterwerden unumwunden zu Tage treten. Im Anschluss an die Untersuchung werden die beiden Zeuge, wie eine Patientin plötzlich zu einer wilden Furie mutiert. Nur wenig später versinken die Straßen im Chaos. Und auch Jessica wird beim Anblick einer geheimnisvollen Präsenz dazu verleitet, mit ihrem Wagen einen Unfall zu bauen, den sie selbst nicht überlebt. Malorie hingegen kann sich in ein angrenzendes Haus retten und verbarrikadiert sich dort mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von Menschen, zu der unter anderem der Zyniker Douglas (gewohnt prägnant: John Malkovich, „Shadow of the Vampire“) und der besonnene Tom (Trevante Rhodes, „Predator – Upgrade“) gehören.

Den Puls nach oben treibt die Regisseurin schon recht früh. Dann nämlich, als das große Durcheinander rund um Malorie und Jessica losbricht. Binnen Sekunden verwandelt sich eine friedliche Straßenszenerie in ein bürgerkriegsähnliches Schlachtfeld. Autofahrer krachen sehenden Auges ineinander. Passanten laufen absichtlich in den Tod. An mehreren Ecken kommt es zu Explosionen (die nicht ganz gelungen aussehen). Und mittendrin versuchen die Schwestern, einen Weg aus dem mörderischen Tohuwabohu zu finden. Die Desorientierung und die Panik der beiden Frauen übertragen sich direkt auf den Zuschauer, der ebenso wenig begreift, was hier gerade vor sich geht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Visualisierung der mysteriösen Kraft, die die selbstzerstörerischen Impulse in der Bevölkerung auslöst. Von Anfang an arbeitet Bier lediglich mit Andeutungen – einem herannahenden Schatten, kleinen Windböen und säuselnden Stimmen – und verleiht der sich unaufhaltsam ausbreitenden „Seuche“ auf diese Weise eine höchst unheimliche Note. Erklärungen gibt es nicht. Klar wird nur sehr schnell, dass es unabdingbar ist, nicht nach draußen zu schauen, weshalb Malorie und ihre Mitstreiter alle Fenster ihres Zufluchtsortes bedecken.

Obwohl der Überlebenskampf der nicht sonderlich facettenreich gezeichneten Schicksalsgemeinschaft in erster Linie aus Standardsituationen des Endzeitgenres besteht – so tauchen wiederholt hilfesuchende Personen auf, und auch die obligatorische Vorratstour zum Supermarkt wird pflichtbewusst abgehakt –, gelingt es Bier, in manchen Phasen eine enorme Spannung zu erzeugen und das beklemmende Gefühl des Gefangenseins eindringlich zu vermitteln. Dass „Bird Box“ zwischendurch zur Flussfahrt blendet, mit der die Handlung einsetzt, wirkt fast ein wenig bremsend, selbst wenn es dort ebenfalls zu nervenaufreibenden Momenten kommt, da die eine Augenbinde tragende Malorie das Ruderboot fast gänzlich blind durch die Fluten steuert.

Etwas subtiler hätten die Macher sicherlich die innere Reise der Hauptfigur skizzieren können, der es anfangs schwerfällt, sich in einer Mutterrolle zu sehen, die durch die Katastrophe aber langsam in eben diesen Part hineinwächst. Überflüssig, weil arg formelhaft erscheint ein romantisches Verhältnis, das der Film gegen Ende in den Blick nimmt. Und ein bisschen zu sentimental fühlen sich die letzten Szenen an, mit denen sich der große Bogen schließt. Verglichen mit dem eingangs erwähnten Horrorthriller „A Quiet Place“ präsentiert sich die Romanadaption „Bird Box“ weniger intensiv und fesselnd, ist aber dennoch – entgegen ihrem deutschen Untertitel – durchaus einen Blick wert.

>> von Christopher Diekhaus

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