Moviebase Border

Border
Border

Bewertung: 80%

Userbewertung: 95%
bei 14 Stimmen

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Originaltitel: Gräns
Kinostart: 11.04.2019
DVD/Blu-Ray Verkauf: 16.08.2019
DVD/Blu-Ray Verleih: 16.08.2019
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 106 Minuten
Studio: Meta Film Stockholm, Spark Film & TV, Kärnfilm
Produktionsjahr: 2018
Regie: Ali Abbasi
Drehbuch: John Ajvide Lindqvist, Ali Abbasi
Darsteller: Eero Milonoff, Sten Ljunggren, Eva Melander, Ann Petren, Jörgen Throsson

Nicht gerade selten sorgen Mystery-Filme aus Skandinavien auf internationalem Parkett für großes Aufsehen. Erst vor anderthalb Jahren überraschte die von Joachim Trier inszenierte Coming-of-Age-Schauermär „Thelma“ ein weltweites Publikum und wurde von einigen Kritikern nicht zu Unrecht mit Brian De Palmas legendärer Stephen-King-Verfilmung „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ verglichen. Viele positive Reaktionen rief auch die 2018 in Cannes uraufgeführte und dort mit dem Hauptpreis in der Sektion „Un Certain Regard“ ausgezeichnete schwedisch-dänische Koproduktion „Border“ hervor, die sich wild durch unterschiedliche Genres pflügt und eine rätselhaft-verschrobene Aura ausstrahlt. Bereits mit seinem zweiten Spielfilm bringt sich der im Iran geborene Regisseur Ali Abbasi („Shelley“) als cleverer Arrangeur abgründig-eigenwilliger Leinwandstimmungen in Stellung.

Aufgrund ihres seltsam deformierten Erscheinungsbildes wird die Grenzbeamtin Tina (Eva Melander, „Jordskott – Der Wald vergisst niemals“) von ihrer Umwelt oft belächelt. Der Respekt ihrer Kollegen ist ihr jedoch sicher, da sie über eine äußerst ungewöhnliche Gabe verfügt. Tina kann die Gefühle ihrer Mitmenschen erschnüffeln, riecht, wenn ein Reisender Angst hat, sich schämt oder nervös ist, und zieht erstaunlich treffsicher all jene aus dem Verkehr, die Illegales im Schilde führen. Verrückt spielt ihr bemerkenswerter Instinkt allerdings, als sie eines Tages bei der Arbeit auf den ähnlich grobschlächtig aussehenden Vore (Eero Milonoff, „Die Nacht der Jäger“) trifft, in dessen Taschen sich nichts Verdächtiges finden lässt. Je häufiger sie dem Fremden begegnet, umso mehr fühlt sie sich von seiner animalischen Ausstrahlung angezogen – was ihren schmarotzerhaften Mitbewohner Roland (Jörgen Thorsson, „Die Brücke – Transit in den Tod“) wiederum stark verunsichert.

Jeder Versuch, den auf einer Kurzgeschichte von John Ajvide Lindqvist basierenden Film eindeutig zu kategorisieren, ist zum Scheitern verurteilt. „Border“, an dessen Drehbuch neben dem Schriftsteller auch Abbasi und Isabella Eklöf („Holiday“) beteiligt waren, reißt mit großer Freude Genregrenzen ein und vermischt munter alle nur erdenklichen Muster. Einstellen darf sich der Betrachter auf Fantasy-Elemente, die sich aus der skandinavischen Folklore speisen, Krimiversatzstücke, Thriller-Anleihen, bizarre Ausflüge in romantische Gefilde und eine unkonventionelle Emanzipationsstory. Nicht alle Puzzleteile greifen sauber ineinander. Und doch ist die zwischen Düsternis, Tragik und absurder Komik schwankende Atmosphäre auf merkwürdige Weise faszinierend.

Abbasi erzählt von der Annäherung zweier Außenseiter, befasst sich mit dem Anderssein und animiert den Zuschauer permanent dazu, über vermeintlich natürliche Grenzziehungen, gesellschaftliche Zwänge, Vorurteile und die sexuelle Vielfalt nachzudenken. Was etwas trocken klingen mag, ist zu keinem Zeitpunkt langweilig. Denn mit seinen Wendungen und schrägen Einfällen gelingt es dem Film immer wieder, das Interesse zu befeuern. Tina und Vore hätten angesichts ihres grotesken Aussehens problemlos zu Witzfiguren mutieren können. Der Regisseur nimmt seine Protagonisten, ihre Ängste und Sehnsüchte allerdings ernst und kreiert – was man anfangs nicht für möglich halten würde – einige ehrlich berührende Momente. Großen Anteil daran hat nicht zuletzt Eva Melander, die unter einer dicken (für den Oscar nominierten) Maske selbst kleinste Gefühlsregungen eindringlich vermitteln kann. Der Schmerz und die Wut über die Lügen in Tinas Leben zeichnen sich auf dem Gesicht der Zollbeamtin vor allem in einer Konfrontation mit ihrem Vater (Sten Ljunggren, „Das Zeichen des Mörders“) quälend deutlich ab.

Neben dem kraftvoll-nuancierten Spiel der Hauptdarstellerin überzeugt in besonderem Maße die Kameraarbeit von Nadim Carlsen, der Tinas innige Beziehung zur Natur und zur Welt der Tiere in seinen Bildern auf intensive Weise greifbar werden lässt. Zu meisterlichen Weihen reicht es für „Border“ am Ende nicht, unter anderem, weil das Finale etwas hastig und holprig wirkt – eine kleine Mystery-Perle, die erfrischend mutig eigene Wege geht, ist Abbasis zweite Regiearbeit aber allemal.

>> von Christopher Diekhaus

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