Moviebase Rosso - Die Farbe des Todes

Rosso - Die Farbe des Todes
Rosso - Die Farbe des Todes

Bewertung: 90%

Userbewertung: 90%
bei 23 Stimmen

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Originaltitel: Profondo Rosso
Kinostart: 24.04.1991
DVD/Blu-Ray Verkauf: 25.09.2012
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 122 Minuten
Studio: Seda Spettacoli
Produktionsjahr: 1975
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Bernardino Zapponi, Dario Argento
Darsteller: David Hemmings, Daria Nicolodi, Gabriele Lavia, Macha Méril, Eros Pagni, Giuliana Calandra, Piero Mazzinghi, Glauco Mauri, Clara Calamai, Vittorio Fanfoni, Furio Meniconi, Fulvio Mingozzi, Piero Vida, Nicoletta Elmi, Salvatore Baccaro, Bruno Di Luia, Attilio Dottesio, Tom Felleghy, Glauco Onorato

Lange Kamerafahrten, choreographierte Gewaltakte und die Kunstverliebtheit dürften wohl drei der ersten Begriffe sein, auf die man im großen Duden des Films stößt, wenn man nach Argento, Dario[mask.] sucht. Und wahrlich sind diese Begrifflichkeiten definierend und charakterisierend für die Machwerke unseres italienischen Wunderkindes Dario. Diese Mittel und Fähigkeiten sind dem guten Mann aber nicht im Traum zugeflogen, sondern entwickelten sich kontinuierlich bis zu einem gewissen Potential, seine Filme stets durchkreuzend um dadurch merklich zu prägen. Doch alles hat seinen sprichwörtlichen Ursprung und diese Quelle sollte im Jahre 1975 der Filmwelt seine tiefen Wasser offenbaren. „Profondo Rosso“, Argentos nunmehr fünfter Film, stellt eine Geburt dar – sowohl in seiner persönlichen Entwicklung als Regisseur, samt seiner künstlerischen Fertigkeiten, als auch in der großen Welt des Horrorfilms. Ein Klassiker der den Rahmen des Giallos, aber vor allem den des Horrorfilmes sprengt, sie erweitert und das Genre ein weiteres mal differenziert.

Eine dunkle Straße bei Nacht, wie verlassen und lediglich durch Marc (David Hemmings) und einen Freund belebt. Die schwelgerische Zweisamkeit der beiden wird, durch einen schrecklichen Mord, den Marc an einem Fenster beobachtet, gebrochen. Dem Opfer zur Hilfe eilend, findet er sich in einem Appartement wieder, dessen Gang zahlreich bebildert ist und ihn mächtig erschreckt. Doch vom Täter keine Spur, bleibt Marc zutiefst verwirrt zurück – ständig an seinen Erinnerungen und seiner Einbildung zweifelnd. Irgendetwas ist ihm am Tatort aufgefallen; ein Hinweis, etwas Verdächtiges, vielleicht sogar der Täter selbst? Ab nun verfolgen wir Marc auf der spannenden Suche nach dem Mörder, dem Rätsel der Mordnacht – eine Reise in die abgründige Vergangenheit der Erinnerung.

„Profondo Rosso“ (Deep Red); tiefes, intensives und stimulierendes Rot – so wirkt es im Film und beabsichtigt bzw. erzielt damit gewollte Effekte beim Zuschauer. Rot, die Farbe die anregt, Reize weckt und anzieht, genauso verhält es sich mit dem Film selbst. Durch perfekte Setausleuchtung, kunstvolle Verwendung von Farben und die dazu passenden Kameraeinstellungen, erreicht man den Nerv des Zuschauers. Jede Szene, jedes Bild hat ein optisches Zentrum, einen Fixpunkt, der den Zuschauer packt und neugierig macht. Die Wirkung der Farben, eben insbesondere die des Rot, wird hier verwendet um anzuziehen und den Betrachter zu manipulieren – die Macht der Farben, die Kraft der Bilder sind ein trügerischer, aber schrecklich schöner Schleier der Ablenkung, um das narrative Konstrukt mit einer weiteren, subjektiven Ebene zu erweitern. Die Subjektivität eines jeden Betrachters, welche ganz individuell beeinflusst wird und den Film auf der unbewussten Ebene ständig umlenkt, das cineastische Gebilde wird zur Illusion, zur Täuschung. Diese Methoden Argentos, den Filmfreund zu beeinflussen, lassen sich fortan in allen seinen Filmen wiederfinden, in ihrer Quantität (teils auch Qualität) jedoch variierend. Man möge meinen, Dario Argento tritt das kongeniale Vermächtnis Mario Bavas an, der mit Filmen wie „Blutige Seide“ (1960) diese Virtuosität in Ausdrucksstärke bzw. optischer Intensität verwendete; deswegen seien sowohl Bava als auch Argento als „visuellen Regisseure“ zu bezeichnen.

Kunst, ja Kunst ist es, was in Argentos Filmen fabriziert wird und das nicht zuletzt wegen seinen zahlreichen Anspielungen auf Gemälde oder Bilder. Diese Anlehnungen finden in „Profondo Rosso“ gleich zu Beginn statt, als ein Eckcafé gezeigt wird, welches nur spärlich besucht ist. Seltsam isoliert scheint es mit seinen Besuchern zu sein und ein ungutes, leeres Gefühl wird durch diese Szene transportiert. Eben diese Szene zeigt mehr als deutlich, wie sich Argento vom amerikanischen Maler Edward Hopper und dessen angesprochenem Gemälde „Nighthawks“ inspirieren ließ. Mehrere solcher Umsetzung oder Verarbeitungen von Bildern, unter anderem auch noch einmal Edward Hopper, lassen sich im Film finden. Selbst der Architektur wendet sich Dario zu und liefert einige Szenen, die wie fein-kompositorische Gemälde aussehen, denen der Einfluss von Jugendstil und Romantik nicht abzuerkennen ist. Mithilfe dieser stilistischen Mittel wird die Liebe Argentos zur Kunst, der Malerei, der Architektur erkennbar.

Auch die, wie siamesische Zwillinge an Argento angewachsene Progband Goblin lieferte hier bereits die akustische Untermalung und weiß wie gewohnt zu überzeugen. Wunderschön und mitreisend, psychotisch und verstörend begleiten uns Klangwände der ganz besonderen Art, der Film profitiert davon nur und kann mit jeder Szene begeistern.

Doch der Film wäre kein echter Argento, wenn nicht auch noch die langen Arme der Psychologie und dem Phantastischen in unseren kleinen Giallo mit eingreifen würden. Dinge wie Traumata, die ihren grausigen Ursprung in der Kindheit fanden, werden hier ähnlich verarbeitet wie in seinem späteren Giallo „Tenebrae“. Auch das Übernatürliche bildet einen kleinen Bruch in der festgefahrenen Welt des Giallos, da nämlich das erste Opfer im Film, anfangs bei einem Kongress über Parapsychologie, einen Mord vorhersagt. Diese Aspekte lassen „Profondo Rosso“ einiges an Interesse und mehr Potential einer facettenreicheren Geschichte wahren, somit ist also mehr Attraktivität für den Betrachter geboten.

Letztlich soll aber die vielfach gelobte Kamera Argentos erwähnt werden, die auch schon in diesem Film, eindeutig spätere Stilmittel und Merkmale erkennen lässt. Allem voran natürlich erst einmal das großartige Gefühl für Bilder, also die persönliche und dadurch auch charakterisierende Art und Weise Räume, Personen, Gegenstände oder Orte zu präsentieren. Durch diese Einstellungen, in Kombination mit der Verwendung des Lichts, können tolle Stimmungen oder Gefühle eingefangen und an den Zuschauer weitergegeben werden. Jede Szene steht für sich alleine und jeder Szene kommt die gleiche Aufmerksamkeit bzw. Bedeutung zu, deswegen spricht man hier auch so oft von Argentos Filmen im Film selbst. Ob Marc durch einen Gang schleicht, ein normales Mittagessen gezeigt wird oder eben einer der künstlerisch inszenierten Mordsequenzen „zelebriert“ wird – alles sprüht und sprudelt nur so vor Innovation, Kreativität und artifiziellem Charme. Auch die mittlerweile bekannte Verwendung von extremen Nahaufnahmen und der nie stillstehenden Kamera, sind stets präsent und komplettieren den Film zum absoluten Schönling.

„Profondo Rosso“, ein Film der durch seine Schöhnheit bezaubert, sein künstlerische Vielfalt beeindruckt, durch grausige Morde abschreckt und mit einer spannenden Geschichte fesselt. Durch seine einzigartige und zu dem Zeitpunkt neuen Art der Inszenierung, der Stilisierung von Gewalt und dem künstlerischem Flair dieses Filmes, ist er definitiv ein Schlüsselobjekt im Horrorgenre und wie Argento selbst sagte: „Eine Explosion meiner Freiheit“.

>> geschrieben von Benjamin Johann

 

90%
Michael Scheid
geschrieben am 07.09.2006 um 17:00 Uhr
Profondo Rosso stellt einen Wendepunkt im filmischen Leben des Dario Argento dar. Sein bis zu diesem Zeitpunkt gedrehten Filme zeigen bereits die Entwicklung an, welche mit diesem Werk eine erste Entsprechung fand. Profondo Rossi ist ein Ausnahmefilm, auch im Werk von Dario Argento, sowie ein Klassiker des Terrorfilms und Argento wurde und wird immer daran gemessen werden.
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