Moviebase Psycho

Psycho
Psycho

Bewertung: 95%

Userbewertung: 96%
bei 232 Stimmen

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Originaltitel: Psycho
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 10.06.2001
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: 104 Minuten
Studio: Universal
Produktionsjahr: 1960
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Joseph Stefano
Darsteller: Anthony Perkins, Vera Miles, Janet Leigh, John Gavin, Martin Balsam, Alfred Hitchcock, John McIntire, Simon Oakland, Vaughn Taylor, Lurene Tuttle, Patricia Hitchcock, Frank Albertson, John Anderson, Mort Mills, Francis De Sales, George Eldredge, Sam Flint

Ein Delfin rettet den jungen Sandy aus den Fluten des Ozeans, ein blonder Jüngling kämpft mit einem leuchtenden Schwert gegen den schwarz gekleideten sowie maskierten Bösewicht und ein Kind namens David wird zum Piloten eines Raumschiffs. So sahen meine ersten wichtigen Begegnungen mit den flimmernden Bildern aus diesem Gerät, meine Eltern sagten Fernseher dazu, aus – Filme, die beeindruckten, faszinierten und zum Staunen bewegten. Doch mit einem Film hatte ich schließlich eine ganz andere, intensivere Erfahrung, da mich die Bilder anstatt zum Lachen zu bringen einschüchterten und das erste Mal Angst spüren ließen. Kalte, dumpfe Angst, die wie ein Schauder über den Körper fällt und den Blick mit hypnotischer Kraft doch nicht vom Bildschirm abschweifen lässt. Man erschrickt, fühlt sich nervös und sucht nach Halt, festem Griff, einer Person, hinter der wir uns verstecken können, die uns behutsam an der Hand führt, uns beschützt - eine Kindheitserinnerung wie sie für mich nicht einschlagender hätte sein können. Das war also mein erster Film aus der etwas dunkleren Gefühlswelt der Filmlandschaft, ich konnte ja damals noch nicht wissen, welch ein grandioses Machwerk dieser „Psycho“ war und was sein Regisseur Alfred Hitchcock da wirklich geschaffen hatte.

Die Person, die uns an der Hand hält, ist die attraktive Marion Crane (Janet Leigh), die wir mit 40.000$ Dollar im Handgepäck Richtung Kalifornien begleiten; Geld, dass sie ihrem Vorgesetzten geklaut hat und damit nun aus der Stadt flieht, doch leider hat der Wetterfrosch etwas gegen die übereilte Flucht und zwingt Marion durch starken Regenfall in das ältere Bates-Motel ein wenig abseits des Highways. Während einer wohltuenden Dusche wird sie von einer fremden Person niedergestochen und so beginnt ein Rätselraten mit dem Motelbesitzer Norman Bates, Marions besorgter Schwester Lila (Vera Miles) sowie Marions Geliebtem Sam (John Gavin)...

Gar nicht so spektakulär klingt diese Story, die auf Robert Blochs Buch „Psycho“ basiert und die Grundlage für Joseph Stefanos Drehbuch zu diesem Film bildet, doch bei genauerer Betrachtung ist diese einfache Geschichte so intelligent, so ausgetüftelt und faszinierend - da ihre Genialität erst mit der Umsetzung Hitchcocks richtig begriffen wird. Eine meisterliche Fusion aus Inhalt und Form, die den Film legendär machten, weil wegweisend und genredefinierend.

Eine schwarz-weiße Farbgebung, die im übertragenen Sinne jene Zwielichtigkeit einer jeden im Film vorkommenden Personen reflektiert, kann permanent und mit vermeintlich einfachen Mitteln eine Spannungskurve auf höchstem Niveau halten. Ein warmes, wohlwollendes Gefühl überkommt Einen, welches als nostalgisches Laben in den cineastischen Erfahrungen der alten, der frühen Werken der Filmgeschichte bezeichnet werden darf. Hochinteressant ist „Psycho“, denn der Film beinhaltet mehr Symbolik, bildhafte Ausdrücke, sowie Metaphern als manch anderer Film – beeindruckend, wie das in einen Film, der als Beweis dienen sollte, auch ohne großartige finanzielle Ressourcen auszukommen, verpackt wurde.

Der Film steht in seiner Art auch als wunderschönes Pendant zu Hitchcocks Person; seinem mit bissigem Sarkasmus gespickten Humor, seiner Professionalität und nicht zuletzt den horrenden Filmfertigkeiten. Mit gestohlenem Geld landet Marion also bei dem besagten Motel, wobei das Geld nur ein Aufhänger für den Zuschauer ist, ein Objekt, das eigentlich völlig unwichtig ist und lediglich den Zuschauer manipuliert, also auf eine falsche Fährte führt. An Dreistigkeit und zugleich Intelligenz kaum zu überbieten die Idee, den Zuschauer zum Komplizen und Freund Marion Cranes zumachen, da hier ein so plötzlicher und unerwarteter Wandel in der Kontinuität des Films stattfindet, so dass man sich als an der Hand geführtes Kind nun einer plötzlichen Hilflosigkeit ausgeliefert sieht. Die legendäre Duschszene, die dem Publikum sowohl Identifikationsfigur als auch die, bis dato in Sicherheit wiegend, Distanziertheit nimmt, die man bis zu diesem Punkt relativ gut kontrollieren konnte. In die krimiartige Geschichte des Gelddiebstahls und der hektischen Flucht wird der Kontrapunkt, das Gespräch zwischen Marion und Motelbesitzer Norman Bates, welches nach Verabschiedung unwiderruflich in dem Mord an unsere Begleitperson endet, gesetzt, und bildet einen Punkt, der die Straightforward-Story nun in ein analytisches Psychogramm wandelt. Der Mord als singulärer Shot ist ein Buch alleine wert, da dieser Tötungsakt in der Dusche mit mehr als 70 Kameraeinstellungen, 90 Schnitten und einer gesamten Drehphase von einer ganzen Woche inszeniert wurde; wobei hier nicht mit Zahlen beeindruckt werden soll, sondern eher der Hintergrund zu diesen Werten der Aufmerksamkeit gelten sollte. Aus diesen resultiert nämlich ein völlig gewaltloses Handeln, da ein Messerstich oder -schnitt auch nicht ein einziges mal gezeigt, geschweige denn explizit dargestellt wird. Nun ist diese Szene jedoch so lebendig, so aktiv und real, dass Janet Leigh als Opfer förmlich hingerichtet wird, ohne dass der Zuschauer dabei grafische Gewalt zu sehen bekommt – die Wirkung erfolgt lediglich durch die perfekt ausgeklügelte Schnitt- und Einstellungstechnik, eine inszenatorische Meisterleistung. Eine geniale Schnitt-Gegenschnitttechnik zwischen dem Mörder und seiner Tatwaffe bzw. Marion und ihrem zierlichen, wasserbenetzten Körper; unterstützt wird die Szene (wie natürlich auch der gesamte Film) von der allzu berühmten musikalischen Interpretation von Bernard Herrmann – monoton, hektisch und nervös.

Nun entfaltet sich ein Handlungsnetz, dessen Stränge aus verschiedensten Richtungen stammen, jedoch alle in einem Zentrum miteinander verbunden sind und wie der Gordische Knoten nur von einer Person gelöst werden kann, sich jedoch bei diesem Unterfangen selbst dem Untergang weiht. Norman Bates als geplagtes Individuum, durch gestörte Familienverhältnisse in einen schizophrenen Schwebezustand getrieben, dem wir miteifernd beim Versinken des Autos im Sumpf beistehen, gen Schluss uns dann vor seinem „Alter Ego“ fürchten und in die Enge getrieben fühlen. Letztendlich fühlt man dann doch mit ihm, als er in seiner scheinbar hermetisch abgeschlossenen Kammer sitzt, zusammengezogen und eingehüllt in eine Decke suggeriert er mit dieser Haltung eine Opferrolle, Untertan und Schoßhund einer höheren Instanz. Die unterdrückende Rolle der Mutter äußert sich durch Normans Schizophrenie – eine letzte Äußerung dieser Persönlichkeitsspaltung im Film, als für den Bruchteil einer Sekunde der tote Schädel von Mutter Bates über das zarte Gesicht von Norman projiziert wird.

Anthony Perkins spielt schlichtweg atemberaubend, seine stotternde Sprechweise, das zögerliche, komplexdeterminierte Handeln und Verhalten und die absolut authentisch beängstigende Mimik – ein Jahrhundertschauspiel! Perkins lebt diese Rolle und füllt sie mit einem Meer an Emotionen und Eindrücken, die sich über den Film verteilen und permanent zum Ausdruck kommen, jedoch mal nur akzentuiert im Unterbewussten und sich ein anderes Mal dann in energetischer Hingabe entladen. Eine atemberaubende Darbietung, die von keinem der restlichen Darsteller überboten, noch überhaupt angekratzt werden kann, was deren Schauspiel aber nicht ins Negative stellen soll.

„Psycho“ legte Grundsteine im Film und lenkte ihn in neue Richtungen, inspirierte sogar Regisseure zu neuen Ideen bzw. bildete eine Vorlage für neue Genresparten. Vordergründig gewann natürlich der Thriller mit seiner Spezifizierung des psychologischen Aspektes an Bedeutung, der Psychothriller war etabliert und erfreute sich großer Beliebtheit beim Publikum. Weiterhin wurden durch Faktoren wie den maskierten Killer, sowie Fixierung der Mordwaffe grundlegende Merkmale des Slasher-Genres geboren, die sich bis heute in ihrer Art nicht verändert haben.

Ein Film, der durch seine ungewöhnliche Inszenierung fasziniert, mit einer interessanten Geschichte fesselt und mit einem der charismatischsten Hauptdarsteller im Film Geschichte schrieb. Der beste B-Movie aller Zeiten, mit dem Hitchcock dem damaligen wie auch dem heutigen Hollywood eins bewies: Weder Mittel noch Geld machen einen Film, lediglich Ideenreichtum, Innovation und Talent können, zum wohlgemerkt künstlerischen Erfolg führen. Ambivalenz, ein wundervolles Leitmotiv zieht sich durch den ganzen Film und spiegelt nicht nur narrative Gegebenheiten wider, sondern deutet auch auf die Doppelseitigkeit der Gesellschaft, ihrer Bürger und deren Seele hin – der Kreis lässt sich dann mit der fiktiven Gestalt des Norman Bates schließen und beleuchtet die dunklen Abgründe hinter den Fassaden. Hitchcock und kein Anderer verdient den Titel als „Master of Suspense“, wegen seines Meisterwerks in Schwarz-Weiß, welches nie an Genialität verlieren wird....

>> geschrieben von Benjamin Johann

100%
Uushilumbu
geschrieben am 30.10.2009 um 19:00 Uhr
Kultschocker! Ein Meilenstein, sowohl für die Geschichte des Films als auch für Hitchcock selbst.
80%
Mc Hoffiman
geschrieben am 10.10.2007 um 17:00 Uhr
Nur weil der ein Klassiker ist muss man den noch lange noch nich toll finden also ich war nich ganz zufrieden ....
70%
Djinn
geschrieben am 07.04.2007 um 22:00 Uhr
Völlig überbewertet und keiner hat den Mut, dem Film etwas Schlechtes zuzusprechen. Ich mag alte Horrorfilme (Corman), aber hier fehlte mir einiges. Der Film ist gut, keine Frage -wohl auch begründet ein Klassiker-, aber perfekt ist er nicht!
100%
Lester
geschrieben am 06.02.2007 um 20:00 Uhr
Hitchcock, Psycho, 1960... Kult. Einer der besten Filme aller Zeiten.
100%
Damon Fry
geschrieben am 17.01.2007 um 23:00 Uhr
Ich glaube der erste Film der sich die Verbrechen des Ed Gein zum Vorbild nahm, was weitere Klassiker wie Texas Chainsaw, Das Schweigen der Lämmer usw. hervorbrachte.Ein zurecht kultiger Klassiker. Der Hitchcock überhaupt!!!
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