Moviebase Strange Circus

Strange Circus
Strange Circus

Bewertung: 70%

Userbewertung: 70%
bei 5 Stimmen

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Originaltitel: Kimyô na sâkasu
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 16.02.2007
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 108 Minuten
Studio: Rapid Eye Movies
Produktionsjahr: 2006
Regie: Shion Sono
Drehbuch: Shion Sono
Darsteller: Tomorowo Taguchi, Erika Mine, Masumi Miyazaki, Issei Ishida, Rie Kuwana, Hiroshi Ôguchi, Mai Takahashi

Der japanische Filmemacher Sion Sono hat augenscheinlich ein Faible für das Abseitige, Bizzare, Groteske. Ihn interessieren die Abgründe, die Täler, die sich in jedem von uns auftun können. Das Gute, das Schöne, das Wahre erfahren in seinem Universum eine radikale Umdeutung. In Sonos Welt stellen sie das Bizarre und Sonderbare dar. Ganz einfach, weil es sie eigentlich nicht gibt, geben darf. Wie schon in seinem auch hierzulande äußerst populären Vorgänger „Suicide Circle“ hangelt sich auch „Strange Circus“ an den Abgründen der menschlichen Seele entlang. Im direkten Vergleich fällt jedoch bei seinem neuesten Werk die überstilisierte Ästhetik auf, die den Film in eine Twilight Zone zwischen Traum und Traumata eintauchen lässt.

Man kommt nicht umhin, bei einem Text über Sono den Namen David Lynch zu erwähnen. Zu offensichtlich gestalten sich die Parallelen zwischen beiden. Und so, wie es bei einem „typischen“ Lynch keinen Sinn macht, dessen Inhalt zu referieren, so unnütz erscheint eine Nacherzählung der Handlung auch bei „Strange Circus“ (wobei dies der Vollständigkeit halber im nächsten Absatz versucht werden soll). Zumal ohnehin zunächst nicht klar ist, was hier wirklich gespielt wird, was real ist und was nicht. Unter außer Achtlassung mancher stilistischer und inhaltlicher Schnörkel ließe sich „Strange Circus“ am ehesten als Missbrauchs- respektive Familien-Drama mit Anflügen eines tiefschwarzen Humors und psychologischen Falltüren umschreiben.

Eine erfolgreiche Romanautorin namens Taeko (Masumi Miyazaki) arbeitet an einer Geschichte über ein 12jähriges Mädchen (Rie Kuwana), das die eigene Kindheit als Hölle auf Erden erfährt. Mitsuko muss ihre Eltern beim Sex beobachten, eingesperrt in einen Cellokasten. Doch damit nicht genug. Es kommt zu einem Rollentausch. Ihr sadistischer Vater vergewaltigt Mitsuko vor den Augen ihrer Mutter, die wiederum aus dem Koffer heraus zusieht. Immer und immer wieder. Taeko schildert das Martyrium dieses Mädchens derart plastisch und schonungslos, dass uns alsbald eine fürchterliche Ahnung beschleicht. Was wäre, wenn Mitsuko nicht nur eine Romanfigur ist? Schreibt Taeko in Wahrheit die Geschehnisse ihrer eigenen Kindheit auf?

Mit aller Macht will uns Sono eine solche Lesart einbläuen. Das monothematische Voice Over-Muster wiederholt Mitsukos Gedanken wie „Ich bin meine Mutter und meine Mutter ist ich!“, was die Identitätsfrage wenig subtil in das Zentrum des Films stellt. Im Unterschied zu Lynch liegt Sono jedoch nichts daran, Fragen offen und unbeantwortet zu lassen. Auch wenn es anstrengender und unbequemer sein mag, die Puzzlearbeit ganz dem Zuschauer zu überlassen – und damit zugleich die Interpretation des Films – es hätte „Strange Circus“ besser zu Gesicht gestanden. Stattdessen darf in einer knapp 20minütigen Auflösung alles aufgearbeitet und erklärt werden.

Zum Ende hin spielt Sono nochmals mit dem bekannten „War alles nur ein Traum?“-Stilmittel, das in einem vergleichbaren Kontext auch von Japans Regie-Exzentriker Takeshi Miike in seinem Meisterstück „Audition“ eingesetzt wurde. Die Verquickung von sexuell aufgeladenen Fantasien und blutigen Einsprengseln rückt Sono ohnehin in die Nähe von Miike. Wie dieser versucht Sono, die Schmerzgrenze des Zuschauers über bizarre Einfälle und kurzen dafür aber umso heftigeren Nadelstichen des Perversen zu attackieren. Dass er hierfür die Charaktere ihrer durchaus realistischen Erdung berauben muss, scheint er in Kauf zu nehmen. Zu grotesk ist das, was er uns in letzter Konsequenz anzubieten hat.

Natürlich soll die knallbunte Präsentation, die Glitzerwelt des titelgebenden schrägen Zirkus und die suggestive Farbästhetik mit der eigentlichen Handlung und dessen tragischen Sujet kollidieren. Der Film bezieht gerade seinen Reiz aus dem Wechselspiel dieser Pole – Form und Inhalt – die sich auf einer psychologischen, nicht-kognitiven Ebene treffen. Die karnevaleske Verpackung ist da nur das Eyecandy, über das Sono uns seine bittere Pille verkauft.

>> verfasst von Marcus Wessel

60%
gonca
geschrieben am 09.09.2009 um 07:00 Uhr
Eine perverse gar kankhafte story die zwischen realität und trauma schwankt, jedoch durchaus gelungen ;) mit der besten kamerafühung die ich seit langem gesehn habe.. empfehlenswert!!
50%
orb
geschrieben am 13.02.2007 um 15:00 Uhr
habe den film gesehen. ganz schön abgefahren, sehr strange! man muss sehr viel geduld mitbringen und lynch wie miike filme lieben, dann ist man hier richtig. ;-)orb
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