Moviebase Tideland

Tideland
Tideland

Bewertung: 70%

Userbewertung: 81%
bei 18 Stimmen

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Originaltitel: Tideland
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 08.10.2007
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 113 Minuten
Studio: Capri Films / EuroVideo
Produktionsjahr: 2005
Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Terry Gilliam
Darsteller: Jodelle Ferland, Wendy Anderson, Jeff Bridges, Brendan Fletcher, Jennifer Tilly, Aldon Adair, Sally Crooks, Janet McTeer, Dylan Taylor, Kent Wolkowski
Leichthändig ging die Produktion des Mystery-Dramas „Tideland“ nicht vonstatten. Erst wollte sich keine Produktionsfirma für das außergewöhnliche Werk finden lassen, dann brachte Terry Gilliam seinen Film fast in Eigenregie ins Kino. Dank einschlägiger Filmography hatte es der amerikanische Mittsechziger ohnehin nicht so einfach. Was aus dem Projekt letztendlich geworden ist, kann sich trotz sichtbarer Schwächen durchaus sehen lassen.

Die 8-jährige Jeliza-Rose führt ein schweres Leben: Ihre Eltern (Jeff Bridges und Jennifer Tilly) sind Junkies. Mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit präpariert sie Vaters Heroinspritzen und lässt sich von ihrer Mutter Rauch ins Gesicht blasen. Als letztere nach einer Überdosis verstirbt, zieht das Mädchen mit seinem Vater in Omas leerstehendes Landhaus mitten im Nirgendwo. In der Einsamkeit droht Jeliza allmählich den Verstand zu verlieren. Sie führt Gespräche mit ihren vier abgerissenen Barbiepuppenköpfen, und immer mehr zieht sie sich in ihre eigene, lebhafte Fantasiewelt zurück. In der Umgebung lernt sie jedoch bald die mysteriöse Dell kennen, die mit ihrem schwerstbehinderten Bruder Dickens in einem Haus in der Nähe lebt. Dickens und Jelizah-Rose beginnen eine Art Freundschaft und erleben ihre imaginäre Abenteuer nun gemeinsam.

Jeliza durchlebt eine fragwürdige Kindheit, die ihr junges Leben bereits stark zeichnete. Umso deutlicher kristallisiert sich das Können des Jungsstars Jodelle Ferland aus dem tristen Einheitsspiel der Konkurrenz. Über den Auftritt im ebenso fantastisch angehauchten Silent Hill mag mancher Kritiker geteilter Meinung sein. Die schauspielerische Finesse und Bandbreite steht spätestens seit „Tideland“ außer Frage. Wie eine der ganz Großen meistert Ferland die gestiegene Erwartungshaltung mit Bravour. Ihrem Filmvater Noah (Jeff Bridges) setzt sie bereits zu Beginn einen fachgerecht durchgeführten Schuss, während Mutter mit geschwollenen Füssen bereits auf eine ausgiebige Massage und noch mehr Drogen wartet. Im späteren Verlauf drängen sich erste sexuelle Erfahrungen in den Vordergrund, die Jodelle mit ihrem fast 30 Jahre älteren Schauspielpartner Brendan Fletcher absolvieren muss. Pädagogen werden aufschreien. Fraglich bleibt allein der Werdegang von Jodelle Ferland. Ist ein 10-jähriges Mädchen wirklich bereit, derart verfrüht verschrobene Gedanken wie die hier dargestellten in sich aufzusaugen?

Nach dem Tod ihres süchtigen Vaters flüchtet sich Jeliza in die eigens erdachte Fantasiewelt, in der Puppenköpfe regieren, weitläufige Felder zu Ozeanen werden und Mumien das Sorgerecht für Kinder bekommen. Um verschrobene Denkweisen war Gilliam nie verlegen. So schwer der Schock und die Trauer um die verflossenen Eltern auch sitzen mag, Jeliza macht es sich in der Einöde gemütlich und lebt ihr Leben so, wie es sich für ein junges, mit verqueren Ansichten ausgestattetes Mädchen gehört. Nicht weniger auffällige Nachbarn warten im nächsten Farmerhaus bereits auf den Neuankömmling. Mit dem unterbemittelten Dickens ist zugleich auch der erste Freund fürs Leben gefunden. In bester „Alice im Wunderland“ Manier warten an jeder Biegung dann auch neue Gefahren und Abenteuer auf die Entdeckernatur. Selbst Elemente des Disney-Klassikers „Pinocchio“ sind tief im Grundkonzept von „Tideland“ verankert.

Ein wohl bemerkt lockeres Konzept. „Tideland“ hält sich an keine strickten Eckpunkte, weshalb das Geschehen von Schauplatz zu Schauplatz springt und Aktionen mit reiner Willkür ins Leben gerufen werden. Gilliam verfällt sich leider zu oft selbst. Gefangen im Fantasiereich spielen Eckpfeiler des Spannungsaufbaus eine untergeordnete Rolle. Ihren Tribut muss die zu ausgiebige Spielzeit zollen. So fabelhaft und faszinierend die Verformung und Einschübe der Ödnis auch wirken mag, gezogen und verloren besitzen sie nur noch die Hälfte ihrer ursprünglich kraftvollen Wirkung. Visuell und akustisch liefert Gilliam nämlich das Glanzstück seines Portfolios.

Witzige Einschübe garantieren die sprechenden Puppenköpfe, die zugleich Spiel- und Lebensgefährten von Jeliza Rose darstellen. Anfangs noch mit kenntlichen Lippenbewegungen vertont, erhalten Mustique, Devil Red Lips und Co. schon bald ein Eigenleben. Mit trauriger Leichtigkeit ist es dann auch die kindliche Hauptdarstellerin selbst, die ihrer Gedankenwelt zu entfliehen versucht. Einen klaren Standpunkt bezieht Terry Gilliam speziell im explosiven Finale nicht. Ob man der Hinterfragung von Metaphorik nachgeht, mit schwindelerregender Leichtigkeit das Gezeigte verfolgt oder sogar ein wenig Mitgefühl für die Charaktere entwickelt: „Tideland“ bleibt in jeder Hinsicht und für jede Interpretation offen.

Der Höhepunkt seiner Karriere ist dem Ex - Monty Python Mitglied nicht gelungen. Viel zu selten flackern blendende Lichtblicke im für Gilliam Verhältnisse doch recht karg anmutenden „Tideland“ auf. Zu viele Elemente, die als Mixtur nicht so recht funktionieren wollen, stecken in dem arg traurigen, mit melancholischer Schönheit versetzten Schauspiel, das sich zu oft selbst in seiner Welt verliert. Gekürzt und auf das Wesentliche gebracht, hätte viel Potential in dem von Finanziers verhassten Schauermärchen gesteckt. In die weite, mit goldgeben Feldern versetzte Prairie, singt vielleicht auch heute eine Jeliza Rose, auf der Suche nach der richtigen Welt und ein wenig Liebe.

>> verfasst von Torsten Schrader

40%
FF
geschrieben am 15.04.2009 um 13:00 Uhr
ich war auch sehr enttäuscht von diesem film. die ausgangslage ist wirklich gut und auch die grundidee hat mir gefallen. ich wollte den film wirklich mögen, jedoch konnte ich nicht darüber hinwegsehen, dass eigentlich alles recht langweilig ist. vielleicht habe ich einfach zu viel erwartet. man liest da etwa von einem mix zwischen alice im wunderland und psycho, oder dass der film verstörend wirke, inhaltlich an die grenzen gehe, etc.zu sehen bekommt man jedoch die etwas seltsamen fantasien eines kleinkindes die, bei aller lieber zur poesie, nicht gerade glaubwürdig sind.also da schaue ich lieber nochmals pans labyrinth oder big fish. beide filme zielen in eine andere richtung, aber irgendwie vermitteln die auch etwas... tideland wirkt dagegen inhaltlich und stilistisch abgemagert
40%
Kakaomaus
geschrieben am 10.12.2007 um 08:00 Uhr
Ich hatte viel mehr vom Film erwartet. 113 Minuten sind definitiv zuviel. Das Mädchen spielt ein Trauerspiel und ihre Fantasiewelt kommt viel zu kurz. Pans Labyrinth war im Gegensatz dazu ein Erfolg.Selbst wenn man sich auf den Film einlässt, es kommt keine Spannung auf.Dass das Mädchen ein verkacktes Elternhaus hat wird in den ersten 10 Minuten klar, der Rest zeigt ihre Einsamkeit.Ich habe leider nicht verstanden, worauf alles hinausführen sollte. Sehr schade
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