Moviebase Moon

Moon
Moon

Bewertung: 80%

Userbewertung: 90%
bei 96 Stimmen

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Originaltitel: Moon
Kinostart: 14.07.2010
DVD/Blu-Ray Verkauf: 07.01.2011
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 97 Minuten
Studio: Liberty Films UK / Koch Media
Produktionsjahr: 2009
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Duncan Jones
Darsteller: Sam Rockwell, Kaya Scodelario, Benedict Wong, Malcolm Stewart, Dominique McElligott, Rosie Shaw, Adrienne Shaw, Matt Berry, Robin Chalk

Dass lange Einsamkeit im All kein der geistigen Gesundheit besonders zuträglicher Zustand ist, gehört inzwischen zu den stereotypen Handlungselementen des Science-Fiction-Kinos. Meist sind es lange Raumreisen, auf denen die Astronauten, einsam über ein Schiff und womöglich eine schlafende Besatzung wachend, glauben den Verstand zu verlieren (oder es tatsächlich tun), seltsame Personen sehen, Stimmen hören und was der Halluzinationsmöglichkeiten mehr sind.

„Moon“, der erste Langfilm des Briten Duncan Jones, greift dieses Topos zwar auf, setzt aber auf einer sehr wenig dramatisch gestrickten Grunderzählung auf. Sam Bell (Sam Rockwell) steht kurz vor dem Ende seines dreijährigen Arbeitsvertrages. In einer einsamen Station auf dem Mond leistet er alleine Dienst und überwacht den maschinellen Abbau eines für die Energieversorgung der Erde grundlegenden Stoffes. Wenige Wochen vor seiner geplanten Abreise gen Erde, wo seine Frau und seine Tochter auf ihn warten, sieht er plötzlich eine Frau in den Räumen der Station - offenbar eine Halluzination. Eine weitere seltsame Wahrnehmung führt dann jedoch zu einem schweren Unfall, dessen Folgen Sams Weltbild grundlegend erschüttern wird. Davon in einer, in dieser Kritik zu berichten, wäre unredlich gegenüber jenen, die sich vom Film gerne noch überraschen lassen wollen, weshalb an dieser Stelle von der weiteren Handlung geschwiegen wird.

Das auf einer Idee von Jones basierende Drehbuch von Nathan Parker nimmt sich eine kleine, sehr intime Geschichte, und strickt daraus eine Erzählung, die sich keineswegs auf oberflächliche Storyelemente der Science-Fiction beschränkt, sondern weit darüber hinaus geht und auf grundlegende Fragen von Moral und Menschlichkeit verweist.

Dass das über weite Strecken überhaupt funktioniert, liegt vor allem an Sam Rockwell, der den Film fast im Alleingang auf seinen Schultern trägt. Hatte Rockwell sich bisher schon als Darsteller für alle Bedürfnisse und Problemstellungen etabliert, so gelingt es ihm in „Moon“, über die vollen anderthalb Stunden des Films zu überzeugen. Dabei wirkt er in der zweiten Hälfte, die für Sam Bell sicherlich die emotional schwierigere ist, sehr zurückgenommen, was der Größe seiner Erfahrungen fast unangemessen erscheint. Aber statt ihn mit Neugier und Empörung reagieren zu lassen, stattet Rockwell seine Figur mit großer Erschöpfung vom Leben und seinen Grausamkeiten aus. Das ist stellenweise zermürbend anzusehen, trägt den Film aber auch dann über seine ganze Dauer, wenn die großen Enthüllungen bereits vorbei sind.

„Moon“ leistet sich nämlich den Luxus, auf allzu konventionelle Spannungsbögen zu verzichten; auch wenn der Film am Schluss noch einmal einen dramatischen Wettlauf um die Zeit inszeniert, geschehen die großen Ereignisse schon deutlich früher; Jones ist weniger daran interessiert, aus den Vorgängen auf der Mondstation ein Geheimnis zu machen als eher daran, wie Sam damit umgeht. Mit anderen Worten: Nicht was vor sich geht ist wichtig, sondern wie es geschieht. Nur dadurch mag man dem Film auch sein etwas sehr konventionelles Ende verzeihen, das die Ungeheuerlichkeit der Ereignisse in doch sehr schlichtes Wohlgefallen aufzulösen scheint. Da bewegt sich der Film dann auf das Territorium gesellschaftlicher Mächte und Kräfte, die er vorher klugerweise, gerade in der Reduktion auf die Figur Sam, links hat liegen lassen; und da kann er in den allerletzten zwei Minuten natürlich nicht die Kraft entwickeln, die er vorher gezeigt hat.

Gelungen ist in „Moon“  auch das Setting. Die Räume sind durchgehend und offenbar primär Nutzräume, die eine industrielle, fast sterile Kühle ausstrahlen, in hellem Weiß gehalten und fast unwirklich sauber dafür, dass man Sam nie putzen sieht; und so sehr sich darin die Menschenfeindlichkeit der hier geleisteten Arbeit widerspiegelt, so sehr finden sich zugleich die Ecken, die von Sam offenbar bewohnt sind, leicht chaotisch eingerichtet. Der Film verbringt anfangs viel Zeit damit, seinem Protagonisten bei alltäglichen Verrichtungen zu zeigen, die dann immer stärker den Eindruck erwecken, Mittel zu dem Zweck zu sein, trotz der Einsamkeit den Verstand nicht zu verlieren.

Natürlich ist Sam nicht ganz allein; mit Frau und Tochter auf der Erde tauscht er Videobotschaften aus, die aber aufgrund eines technischen Defekts einen großen Umweg machen müssen; und dann ist da natürlich noch „Gerty“ (im Original von Kevin Spacey gesprochen), als Stationscomputer und Hilfsroboter zugleich Mädchen für alles, Ratgeber und Gesprächspartner. Aber kann man ihm trauen? Denn spätestens seit „2001: Odyssee im Weltraum“ weiß man ja, und „Wall-E“ hat das zuletzt noch einmal weitererzählt, dass Computer, die die Besatzung im Auftrag einer größeren Organisation „betreuen“, durchaus gefährliche Gegner sein können. Jones und Parker haben sich für „Gerty“ eine etwas andere Lösung einfallen lassen; man muss ja nicht jede stereotype Erzählung wieder aufnehmen.

>> verfasst von Rochus Wolff

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