Halloween Kills – Filmkritik: Was taugt der Extended Cut?

Besser als viele andere Filmemacher vor ihm ging der mit schrägen Independent-Produktionen bekannt gewordene David Gordon Green das Abenteuer Halloween an. Unter eben diesem Titel lenkte er die Reihe, die über die Jahre aus John Carpenters Horrorklassiker Halloween – Die Nacht des Grauens entstanden war, in eine neue Richtung. In seiner Arbeit ließ er alle bisherigen Fortsetzungen und Remakes außen vor und benutzte das kultisch verehrte Original von 1978 als einzigen Anknüpfungspunkt. Greens Halloween, der 2018 in die Kinos kam, präsentiert sich so als eine Mischung aus Reboot und Sequel, die 40 Jahre nach den Ereignissen aus dem Carpenter-Werk spielt.

Maskenkiller Michael Myers alias The Shape (James Jude Courtney) meuchelt sich darin nach der Flucht aus einem Gefangenentransporter erneut durch Haddonfield, während seine alte Rivalin, die noch immer vom Trauma seines ersten Blutbads gezeichnete Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), bis an die Zähne bewaffnet auf ihn wartet. Am Ende von Halloween wird sie durch einen Messerstich verletzt. Und er scheint in den Flammen ihres Hauses umzukommen. Die Fortsetzung Halloween Kills, die ebenfalls unter der Regie David Gordon Greens gedreht wurde, lässt den emotionslosen Messermann freilich wiederaufstehen und setzt direkt an den Vorgänger, also die Halloween-Nacht 2018, an.

Obwohl der kreative Kopf hinter dem Horrorstreifen davon sprach, dass die im Oktober 2021 veröffentlichte Kinofassung schon einem Director’s Cut gleichkomme, stellte er rund um den Leinwandstart eine spätere Extended-Cut-Version in Aussicht, die dann als ultimative Vision des Regisseurs gelten dürfe. Nachdem eben diese um knapp vier Minuten längere Halloween Kills-Variante bereits im Dezember 2021 in Nordamerika auf den Markt geworfen wurde, erscheint sie Ende Februar 2022 auch hierzulande in ihrer ganzen Pracht.

Das ausgedehnte Finale im Extended Cut

Inhaltlich unterscheiden sich die beiden Fassungen nur minimal, sieht man einmal von einem ausgedehnten Finale im Extended Cut ab, auf das wir weiter unten kurz eingehen wollen. Legte Halloween den Fokus auf das Duell zwischen Laurie und Michael, versucht Halloween Kills, ein größeres Bild des Terrors in Haddonfield an die Wand zu malen. Klare Anzeichen dafür gibt es schon in den ersten Minuten, die sich dem schwer verletzten Polizisten Frank Hawkins (Will Patton) widmen. Wie eine stimmungsvolle, Carpenters Ursprungsfilm erweiternde Rückblende ins Jahr 1978 zeigt, war er damals als junger Ordnungshüter an der Jagd auf den amoklaufenden Myers beteiligt und lud dabei eine Schuld auf sich, von der er nun, vier Dekaden später, schmerzhaft eingeholt wird.

Unterdessen begehen Tommy Doyle (Anthony Michael Hall), Lindsay Wallace (Kyle Richards), Marion Chambers (Nancy Stephens) und Lonnie Elam (Robert Longstreet), vier Überlebende von Michaels damaligem Massaker, den schaurigen Jahrestag in einer Bar und erinnern die anderen Gäste an das schreckliche Verbrechen, das die Kleinstadt vor vierzig Jahren erschüttert hat. Zur selben Zeit befindet sich die verwundete Laurie mit ihrer Tochter Karen (Judy Greer) und ihrer Enkelin Allyson (Andi Matichak) auf dem Weg ins Krankenhaus. Die vor ihrem lichterloh brennenden Anwesen vorfahrenden Einsatzkräfte erleben derweil ihr blaues Wunder. Denn aus dem Gebäude tritt auf einmal Michael Myers und metzelt alle Anwesenden nieder.

Halloween Kills legt, verglichen mit der ersten Green-Arbeit, in puncto Härtegrad eine Schippe drauf. Nicht nur tötet der schier unverwundbare The Shape hier deutlich mehr Menschen. Auch die Art, wie er seine Opfer zur Strecke bringt, ist deftiger und grafischer. Wer die Kinoversion kennt, dürfte nach Sichtung des Extended Cut außerdem feststellen, dass Letzterer noch ein Stück brutaler ausfällt. Etwa in einer Szene, in der Michael einem der beiden Bewohner des alten Myers-Hauses die Augen aus den Höhlen drückt.

Scream Queen wird passiv

Schwierig bleibt der erzählerische Aufbau des Sequels, das viele unterschiedliche Fronten aufmacht, dadurch stellenweise zerfasert und an Spannung einbüßt. Laurie, Karen und Allyson, immerhin die Protagonistinnen des vorangegangenen Films, erscheinen eine ganze Weile wie bloße Randfiguren. Vor allem Erstere ist aufgrund ihrer Verletzung dazu verdammt, die passive Rolle einer Beobachterin und Kommentatorin einzunehmen. David Gordon Green und seine Koautoren Danny McBride und Scott Teems schneiden in Halloween Kills reizvolle Themen an. Zum Beispiel stellen sie die Frage, wie ein überlebensgroßes Monster vom Schlage Michaels ganz normale Menschen ebenfalls in Bestien verwandeln kann. Mit einer hysterischen Lynchatmosphäre greifen sie bewusst besorgniserregende Entwicklungen unserer dauererregten Gegenwart auf. Das von Tommy mit platten, markigen Sprüchen angestachelte Chaos bricht sich allerdings viel zu plötzlich Bahn, um wirklich glaubhaft und damit verstörend zu sein. Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass der Furor im Extended Cut mit einer subjektiven Kamerafahrt eingeläutet wird, die an den Einstieg von Carpenters Klassiker erinnert.

Mitunter hat man bei Halloween Kills leider das Gefühl, eine Parodie zu sehen, da sich manche Nebencharaktere mit ihrem dämlichen Verhalten geradewegs ins Unheil stürzen. Dass die Macher eigentlich um Ernsthaftigkeit bemüht sind, unterstreichen Lauries halbphilosophische Bemerkungen über Myers und seine Bedeutung als das pure Böse. Zu oft kippt der blutgetränkte Slasher dafür aber in comichafte Überzeichnung. Permanenter Nervenkitzel lässt sich so nicht erzeugen – trotz diverser zweifellos gelungener Suspense-Momente.

Die auffälligste Abweichung von der Kinofassung findet sich in den letzten Minuten des Extended Cut. Spoilern wollen wir natürlich nicht, was konkret geschieht. Festhalten kann man jedoch sehr wohl, dass der nun in den Handel kommende Schnitt seine Aufmerksamkeit auf die Konfrontation zwischen Laurie und ihrem maskentragenden Widersacher legt und sich einmal mehr vor Carpenters Original verneigt. In die Leinwandfassung haben es diese im Drehbuch ursprünglich bereits vorhandenen Augenblicke übrigens nicht geschafft, weil es sonst Probleme in der Kontinuität zwischen Halloween Kills und Halloween Ends, dem für Herbst 2022 angekündigten letzten Teil der Green-Trilogie, gegeben hätte. Schon skurril, dass der Extended Cut daher außerhalb des offiziellen Kanons stehen muss.

P.S.: Ein Cameo-Auftritt des ursprünglichen Michael-Myers-Mimen Nick Castle, der in der Leinwandversion herausgeschnitten wurde, taucht jetzt im Bonusmaterial unter Unveröffentlichte und erweiterte Szenen auf.

>> von Christopher Diekhaus

©Universal

Geschrieben am 23.02.2022 von Carmine Carpenito



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