Hereditary – Horror-Meisterwerk schädigte Alex Wolff auf psychologischer Ebene

Wir haben schon viel gehört von Schauspielern, die so in ihrer Arbeit aufgehen, dass sie mit ihrem jeweiligen Charakter verschmelzen – nicht immer zum Vorteil der eigenen geistigen Gesundheit. Denn gerade psychologisch anspruchsvolle Rolle, die uns an dunkle, abgründige Orte führen, verlangen Darstellern einiges ab und bleiben nicht selten auch abseits des Sets an ihnen haften.

Die eigene Arbeit mit nach Hause zu nehmen und ins Privatleben zu tragen, dadurch nicht mehr abschalten zu können, kann auf Dauer nicht gesund sein. Solange es der eigenen Glaubwürdigkeit dient, ist das für viele Darsteller aber ein verschmerzbares Übel.

Auch Alex Wolff weiß nur zu gut, was es heißt, plötzlich nicht mehr zwischen Fiktion und Realität unterscheiden zu können. Der kleinere Bruder von Nat Wolff (Margos Spuren, Stephen Kings The Stand) war gerade einmal zehn Jahre alt, als er das erste Mal für die Nickelodeon-Serie The Naked Brothers Band – Junge Rockstars privat vor der Kamera stand.

Hereditary verlangte seinen Darstellern alles ab. ©Splendid Film

Zuletzt wechselten sich die anfänglich noch belächelten Comedy-Rollen in Filmen wie Bad Sitter, My Big Fat Greek Wedding 2 und nicht zuletzt den beiden Jumanji-Filmen mit zunehmend ernster, schwermütiger werdenden Filmen ab, so wie Ari Asters Hereditary.

Eine emotional schlauchende Erfahrung

Hier spielte Wolff den ältesten Sohn einer zerrütteten Familie, die sich nach dem Tod der Familienpatriarchin in einer außer Kontrolle geratenen, stetig schlimmer, albtraumhafter werdenden Abwärtsspirale wiederfindet, aus der es einfach kaum Entkommen zu geben scheint.

Die Folgen sind derart emotional, aufwühlend und verstörend, dass Hereditary – Das Vermächtnis zu einer quälend langsamen Tortur verkommt, der man sich nicht nur als Zuschauer nur schwer entziehen kann.

Hereditary nahm Alex Wolff ganz schön mit. ©Splendid Film

Auch Alex Wolff hatte seine Probleme mit Asters preisgekröntem Schocker, trug sogar beträchtlichen psychologischen und emotionalen Schaden davon – so einschneidend und schlauchend waren seine Erfahrungen während der Dreharbeiten. Die Konsequenz?

Schlaflosigkeit und die gesamte Bandbreite psychologischer Nebenwirkungen. Hereditary – Die Vermächtnis sei so schadhaft gewesen, wie es ein Film nur sein könne, sagt der Schauspieler, der seit heute mit M. Night Shyamalans neuem Film Old in deutschen Kinos zu sehen ist.

So denkt Alex Wolff heute darüber

Anlässlich der Premiere seiner neuen Filme Pig mit Nicolas Cage und M. Night Shyamalan Old erinnerte er sich jetzt nochmal an die damalige Zeit zurück – wenn auch eher widerwillig. „Das hat mich emotional wirklich mitgenommen“, sagt Wolff.

„Es ist merkwürdig, so etwas zu sagen, denn als Schauspieler wird von einem erwartet, dass man nicht zu selbstherrlich und protzig rüberkommt. In vielerlei Hinsicht ist Schauspielerei ein sehr bequemer Job. Aber das war einer dieser Filme, an dem ich emotional sehr zu knabbern hatte.“

Toni Collette (Hereditary) geht durch die Hölle. ©Splendid Film

Es begann mit Schlaflosigkeit, hörte hier aber noch lange nicht auf. „Ich hatte wirklich alles, das man sich nur vorstellen kann.“ Hat sich die Mühe gelohnt? Finanziell gesehen schon, denn Hereditary spielte weltwelt mehr als achtzig Millionen US-Dollar und damit das Achtfache seiner Kosten ein.

Bei den Zuschauern löste das langsam voranschleichende Grauen, das Hereditary so aus der Masse der Horrorfilme hervorstechen lässt, allerdings eher gemischte Gefühle aus. Darum ist Hereditary – Das Vermächtnis für die einen ein unbestrittenes Horror-Meisterwerk, für andere dagegen schlicht überbewertet.

Jetzt im Kino: Alex Wolff am Horror-Strand aus Old. ©Universal

Geschrieben am 29.07.2021 von Torsten Schrader
Kategorie(n): News



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