Im Interview – Follow Me: Keegan Allen über Escape Rooms und das Social Media-Problem

Seit gestern kann man dem ehemaligen Pretty Little Liars-Star Keegan Allen (King Cobra, What/If) in deutschen Kinos beim Lösen von kniffligen, vor allem aber morbiden und im schlimmsten Fall tödlichen Rätseln zusehen. In seinem neuen Film Follow Me, einer makaberen Mischung aus Escape Room und SAW, verkörpert der Schauspieler einen Adrenalinjunkie, der sich auf Social Media großer Beliebtheit erfreut und immer nach dem nächsten Hit sucht, um seine Follower bei Laune zu halten – bis sein aktuelles Projekt komplett aus dem Ruder läuft. Passend zum Kinostart haben wir uns mit dem 31-jährigen Kalifornier unterhalten und dabei über Escape Rooms, die sozialen Netzwerke und das digitale Zeitalter gesprochen. Dabei haben wir unter anderem erfahren, dass er sich zeitweilig dazu zwingen musste, das eigene Smartphone einfach mal ausgeschaltet zu lassen, um bei Treffen mit Freunden oder Familie auch geistig anwesend zu sein. Und wenn Euch außerdem interessiert, was für Erfahrungen er mit echten Escape Rooms gesammelt hat und welche Horrorfilme ihm als Kind eine Heidenangst eingejagt haben, erwarten Euch die Antworten im selben Gespräch. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und unheimliche Unterhaltung im Kino!

Keegan, momentan geht es vielen im wahren Leben wie deinem Charakter Cole; Sie sind unfreiwillig eingesperrt – wenn auch zuhause und nicht in einem Escape Room. Glaubst du, dass dieser Umstand und die aktuelle Situation „Follow Me“ zu einem noch intensiveren Erlebnis machen könnten?

(lacht) Das ist eine sehr interessante Frage, da mir das selbst noch gar nicht durch den Kopf ist. Wir leben gerade in einer Zeit, in der das Angstlevel überall auf der Welt sehr hoch ist. Alles scheint auf einmal so empfindlich und zerbrechlich. Der Film entführt die Zuschauer an einen Ort, an dem sie normalerweise nicht daran denken würden. Und trotzdem ist es etwas Reales, das jedem zu jeder Zeit widerfahren könnte. Der Film brachte mich dazu, meine sozialen Netzwerke und Maske zu hinterfragen – jene Maske, die ich trage, wenn ich nach draußen gehe und die, welche ich aufsetze, wenn es um meine Social Media Accounts, mein persönliches Leben und die Art, wie ich mit diesen Plattformen interagiere, oder das Konzept hinter meinen Inhalten geht. Und gerade in diesen Zeiten wird Social Media ziemlich hervorgehoben, und zwar so sehr wie noch niemals zuvor. Also reden wir bei unserem Film quasi von einem Upgrade dieses Angstfaktors.

Cole und seine Freunde wissen nicht, wie ihnen geschieht. ©Capelight Pictures

Um mich auf dieses Interview vorzubereiten, habe ich einen Blick auf dein eigenes Instagram Profil geworfen. Im Gegensatz zu anderen Promis wirken deine Inhalte überwiegend natürlich. Kann man also sagen, dass du immer das postest, was sich für dich in dem Moment gerade richtig anfühlt?

In der Tat. Ich wollte damit zum einen meine Arbeit als Schauspieler pflegen, gleichzeitig aber auch viele meine anderen Passionen wie beispielsweise das Fotografieren mit meinen Followern teilen. Das zum Ausdruck zu bringen, fühlt sich für mich sehr natürlich an.

Dann würdest du dich, anders als deine Figur Cole, eher als Menschen sehen, der das Erleben statt Filmen eines Abenteuers bevorzugt?

In letzter Zeit halte ich das zumindest für angebrachter. Wenn man in diesem digitalen Zeitalter mal etwas nicht auf Kamera festhält, dann ist das Geschehene auch nicht passiert. Seit geraumer Zeit bin ich dabei, mich digital zu entgiften. Teilweise schalte ich mein Smartphone komplett aus und genieße einfach mal einen Film. Ich habe nämlich realisiert, dass ich ständig auf mein Display schaue, wann auch immer ich mein Smartphone mit mir herumtrage, selbst dann, wenn ich mir gerade etwas auf Netflix oder sonst wo ansehe. In solchen Momenten bin ich dann gar nicht wirklich anwesend. Das gilt auch für Outdoor-Aktivitäten oder wenn ich mit Familie und Freunden zusammensitze. Ich habe immer mein Display nach neuen Meldungen überprüft. Dass ich mich nun bewusst davon distanziere, hat mir sehr geholfen. Ich habe mich diesbezüglich schon ziemlich verändert. In letzter Zeit versuche ich, Dinge bewusst nicht zu fotografieren oder zu filmen, damit ich im wahren Leben mehr präsent sein kann.

Eine böse Überraschung jagt die nächste. ©Capelight Pictures

Wie wichtig sind Social Media Kanale für Schauspieler inzwischen geworden? Immerhin werden sie von ihren Pressesprechern dazu ermutigt, auf diversen Plattformen aktiv zu sein.

Das wird eine ziemlich komplizierte Antwort. Was mich betrifft; Ich benutze Social Media aus zwei Gründen. Zum einen um die Arbeit, in die ich als Schauspieler involviert bin, zu bewerben oder auf Veränderungen sowie Dinge aufmerksam zu machen, die keine Bühne haben oder sich an einem Ort zutragen, wo sie nicht gesehen werden. Und zum anderen will ich meine Leidenschaft für das Fotografieren mit den Menschen teilen. Ich mag es, meinen Followern etwas zu geben, das ihnen gefällt oder das sie sogar motiviert. Auch ich finde auf Social Media Inspiration und folge einigen Seiten – zum Großteil Comedy-orientierte oder spaßige Profile von Freunden, wobei ich meine eigenen Profile inzwischen stark gefiltert habe, speziell nach diesem Film. Ich habe mich quasi von Dingen getrennt, die mich stressen. (lacht) Ich meine, wenn wir auf unser Smartphone schauen, saugen wir jedes Mal eine Menge Energie auf. Das ist auch der Grund, wieso mich „Follow Me“ so gereizt hat.

Jeder kann immer zu allem imstande sein. Egal, ob es sich in der jeweiligen Situation richtig oder falsch anfühlt. Aber manchmal verspüren wir den Druck, etwas zu tun, das unser besseres Ich nicht machen würde. Man nehme hier mal Promis als Beispiel. Wenn du ein Publikum hast, das wie bei Cole verzweifelt nach neuem Content lechzt, manövriert man sich früher oder später in eine Lage, wo man einfach alles für ein paar Aufrufe tut. Du produziert Videos, die du mit Leuten teilen willst, um dir bei ihnen eine Rechtfertigung oder deren Zufriedenheit einzuholen. Was ich an „Follow Me“ krass finde, ist die Tatsache, dass ich ihn nicht als Horrorfilm wahrnehme.

Manche werden mir da garantiert widersprechen und sagen, dass er in diese Kategorie fällt. Wieder andere werden ihn einen psychologischen Thriller nennen. Ich dagegen sehe im Film eine einzigartige Antwort auf die Erwartung an Menschen in Zeiten von Social Media und in was es sich inzwischen entwickelt hat. Durch diese Technologie wurde uns die Möglichkeit gegeben, alles aus unserem Leben mit der Welt zu teilen und das zu jeder Zeit. Und unser Film repräsentiert eine düstere Variante dessen, was daraus resultieren kann. Vor allem kann es jedem passieren, was ziemlich furchteinflößend ist. Doch wer unseren Film sieht, wird hoffentlich sein eigenes Social Media-Verhalten überdenken und nicht nur Content über ihn posten, sondern auch welchen daraus inhalieren.

Manche sollten vielleicht auch darüber nachdenken, in was für Escape Rooms sie sich begeben. Hast du jemals einen besucht, der vom Gruselfaktor her auch nur annähernd an den aus eurem Film herankam?

Ich muss dir sagen, dass ich vor diesem Film noch nie einen Escape Room ausprobiert habe.

Immer online – um jeden Preis. ©Capelight Pictures

Wow, wirklich?

Ja, ich habe immer nur davon gehört. Als ich das Drehbuch bekam, gefiel mir, was ich las, und wollte unbedingt darin mitspielen. Als wir ans Set kamen, war ich total baff, wie toll alles aussah und was sich dort so an Deko finden ließ. Als Schauspieler war es also sehr einfach, die Realität beim Lösen von Puzzles für einen Moment aus dem Sinn zu verlieren. Nach dem Film bot sich mir schließlich eine Möglichkeit, einen echten Escape Room zu besuchen. Wir waren an einem Ort, wo es mehrere solcher Räume gab. Manche von ihnen waren sehr harmlos und durchschnittlich, andere jedoch hart erarbeitet und so komplex, dass man ganze Stunden in ihnen verbringen konnte. Ich habe definitiv einige erlebt, die sehr privat, intensiv und unheimlich waren. Zum Teil wurde es richtig verrückt. Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung machen konnte, aber auch, dass ich sie erst nach dem Film hatte. Das hätte nämlich zu einer völlig anderen Perspektive geführt. Ich wollte wie meine Figur Cole völlig ahnungslos an die Sache herangehen. Er hatte keine Ahnung, worauf er sich da einlässt. Klar, er sagt, er habe schon einige Escape Rooms gemeistert. Aber halt nicht so einen. Darum war es einfach nur großartig, mich ohne Vorwissen in dieses unbekannte Terrain zu begeben.

Zum Abschluss würde ich gerne eine Aussage aus unserem Gespräch aufgreifen: Du sagtest, du siehst in „Follow Me“ keinen reinrassigen Horrorfilm. Würdest du denn gerne mal in einem mitmachen? Immerhin bist du bislang eher selten mit dem Genre in Berührung gekommen.

Ehrlich gesagt bin ich keine Horrorperson. Aber es gibt dennoch eine Reihe von Genrefilmen, die ich mir immer wieder ansehen kann, speziell zu Halloween. Zum Beispiel „Chucky“. Die Mörderpuppe war für mich immer das unheimlichste, das es gibt. Ich mag aber auch Sachen wie „Das Ding aus einer anderen Welt“ oder generell klassischen Horror. Die waren damals sehr künstlerisch und haben einfach einen Nerv getroffen. „The VVitch“, um ein modernes Beispiel zu nennen, hat mir ebenfalls eine Scheiß-Angst eingejagt – entschuldige bitte meine Ausdrucksweise. (lacht) In diesem Film existiert kein Monster. Also schon, aber es war mehr eine gruselige Erscheinung, die dich das pure Böse spüren ließ. Man bekam es nie wirklich zu Gesicht und trotzdem war es dazu in der Lage, dich zu vereinnahmen.

Man sitzt wie gefesselt auf seinem Sessel und wartet vergebens auf Erlösung. Aus genau diesem Grund mag ich auch unseren eigenen Film so sehr und ich kann sehr gut verstehen, wieso man ihn als Horrorvertreter einstufen könnte. Aber was mir an „Follow Me“ gefällt, ist, dass er ebenfalls zu der Sorte Film gehört, die dich vereinnahmen und dir keine Erlösung anbieten. Man muss diese Erfahrung einfach über sich ergehen lassen und selbst herausfinden, wie sie auf einen wirkt. Die Leute erwartet eine wendungsreiche Achterbahnfahrt und ich liebe Filme wie diesen. Manche von ihnen sind Horrorfilme, andere jedoch sind es nicht. Deswegen finde ich es auch so schwierig, unseren Film zu kategorisieren. Wenn sie sagen, es sei ein Horrorfilm, dann sagen sie das hauptsächlich, weil Blut, Gore und solche Sachen darin vorkommen. Aber wenn man unter die Oberfläche sieht, realisiert man, dass er psychologisch sehr aufregend ist. Er ist unheimlich, aber aus Gründen, die mit Horror nichts am Hut haben.

Geschrieben am 21.08.2020 von Carmine Carpenito
Kategorie(n): News



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