Prey – Schon wieder vermasselt? Wieso Predator 5 enttäuscht [Filmkritik]

Mit Shane Black wagte sich vor einigen Jahren ein Filmemacher an die Predator-Reihe, der im 1987 veröffentlichten Ursprungswerk gleichen Namens als Mitglied einer paramilitärischen Einheit im Kampf gegen das titelgebende außerirdische Wesen zu sehen ist. Seine hierzulande Predator: Upgrade getaufte Regiearbeit, der vierte Beitrag im Franchise, entpuppte sich zwar als saftiges Splatter-Fest, lieferte aber nur wenige Argumente für eine neuerliche Rückkehr der extraterrestrischen Bedrohung.

Keine große Spannung, dürftig entwickelte Figuren und ein humoriger Tonfall, der einer düster-beklemmenden Stimmung im Wege steht – das mussten wir in unserer damaligen Kritik leider konstatieren.

Anders als Blacks Kapitel, das einen flächendeckenden Kinostart erhielt, erscheint der von 10 Cloverfield Lane-Schöpfer Dan Trachtenberg gedrehte fünfte Reihenteil Prey nun auf der Streaming-Plattform Disney+. Neuland betritt der Film auch insofern, als dass er rund 300 Jahre in der Zeit zurückspringt und uns in die Welt der Comanchen entführt.

Amber Midthunder will sich nicht an die übliche Rollenverteilung halten

Im Mittelpunkt des für eine Scifi-Horror-Action-Saga ungewöhnlichen Settings steht die junge Naru (Amber Midthunder), die sich nicht an die übliche Rollenverteilung in ihrem Stamm halten will. Während die anderen Frauen im Lager bleiben und häusliche Tätigkeiten verrichten, zieht es sie in die Wildnis, dorthin, wo es schnell brenzlig werden kann.

Für den Übertritt ins Erwachsensein plant sie, auf große Jagd zu gehen. So, wie es ihr älterer Bruder Taabe (Dakota Beavers) vor ihr getan hat. Obwohl Narus Ambitionen von allen Seiten belächelt werden, ist sie nicht bereit, von ihrem Weg abzurücken. Die Chance, sich zu beweisen, erhält sie, als eine undenkbare Gefahr auf ihre Gemeinschaft zukommt.

Während die anderen die Blutspuren in ihrer Umgebung falsch deuten, begreift Naru sehr schnell, dass sie es mit etwas Furchterregenderem als einem wilden Tier zu tun haben: Eine ebenso hochentwickelte wie brutale Alien-Kreatur namens Predator (Dane DiLiegro) nimmt nämlich die Great Plains genauer unter die Lupe.

Die unberührte Natur

Schon die ersten Einstellungen deuten es ein wenig an. Regisseur Trachtenberg und Drehbuchautor Patrick Aison (Wayward Pines) wollen mit ihrem Film einen Schritt zurück zu John McTiernans Erstling gehen, der seinen Nervenkitzel nicht zuletzt aus seinem unübersichtlichen mittelamerikanischen Dschungelschauplatz zieht. Die unberührte Natur spielt auch in Prey eine nicht unwesentliche Rolle.

Immer wieder bekommen wir majestätische Ansichten von Wald- und Berglandschaften zu sehen, tauchen mit der Protagonistin in einen reißenden Fluss ab oder beobachten sie dabei, wie sie durch eine hochbewachsene Wiese flüchtet. Losgelöst von der übrigen Szenerie erscheint eine graustichige Sequenz an einem finsteren Ort mit toten Bäumen und Ascheregen in der Luft. Die gesamte Passage wirkt etwas effekthascherisch, liefert jedoch halbwegs atmosphärische Bilder.

Narus Reise durch die Wildnis bietet dem Betrachter einiges fürs Auge, ohne allerdings in besonders spektakuläre oder staunenswerte Bereiche vorzudringen. Selbiges lässt sich über die Action- und Spannungsmomente sagen. Auf der Jagd nach dem Predator gerät die junge Frau in diverse heikle Situationen, muss sich auch den Kräften der Natur und feindlich gesinnten Menschen stellen.

Ein wenig ausdifferenzierter Schlitzer-Killer aus einem Slasher-Streifen?

Den Pulsschlag konstant hochzuhalten, gelingt Prey indes nicht, obwohl Amber Midthunder in der Hauptrolle eine zupackende, pure Entschlossenheit ausstrahlende Performance abliefert. Der Predator, der mit der Fähigkeit gesegnet ist, sich unsichtbar zu machen, mag eine imposante Erscheinung sein. Die meiste Zeit tritt er aber eher wie ein wenig ausdifferenzierter Schlitzer-Killer aus einem Slasher-Streifen auf.

Die ganz große Bedrohung geht dem Monster, dessen Wärmebildperspektive der Film mehrfach einnimmt, bedauerlicherweise ab. Dass Prey mit uns in eine im Franchise bislang nicht erforschte Welt aufbricht, den gerade im Western-Genre oft marginalisierten und/oder dämonisierten Ureinwohnern Amerikas eine Stimme gibt und die Macher viele Parts, auch die Hauptfigur, mit indigenen Schauspielern besetzt haben, ist aller Ehren wert.

Am Ende bleibt das abgebildete Milieu aber schon ein bisschen austauschbar. Egal, wie oft von Narus kühtaamia, ihrem Übertritt ins Erwachsenensein, auch die Rede ist. Etwas mehr hätte man schon gerne über die Comanchen und ihre Lebensweise erfahren. In erster Linie ist Trachtenbergs für Disney-Verhältnisse manchmal recht blutiger Reiheneintrag dann doch ein handelsübliches Jump-Run-and-Fight-Abenteuer.

>> von Christopher Diekhaus

©20th Century Studios

Geschrieben am 03.08.2022 von Carmine Carpenito
Kategorie(n): News, Prey



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