Resident Evil: Village – Filmemacher: „Capcom hat mein Monster geklaut“

Ein altes Sprichwort besagt, dass Nachahmung die aufrichtigste Form der Schmeichelei sei. Auch wenn darin ein wahrer Kern verborgen liegt, ist natürlich längst nicht jedem wohl bei dem Gedanken, seine Arbeit in der anderer wiederzuentdecken. Und so kann man es dem niederländischen Regisseur Richard Raaphorst (Frankenstein’s Army) eigentlich kaum verdenken, wenn er sich verärgert und enttäuscht ans Internet wendet und feststellt: „Die Entwickler von Resident Evil: Village haben mein Monsterdesign gestohlen!“

Zunächst einmal sei gesagt, dass es in der Film- und Spielebranche keineswegs unüblich ist, sich von den Werken anderer inspirieren, ja sogar leiten zu lassen. In Zeiten der Google-Bildersuche, Instagram oder Twitter ist es nahezu unmöglich geworden, sich nicht auf die eine oder andere Weise beeinflussen zu lassen – ob nun bewusst oder unterbewusst. Und doch liegt der Fall hier, wie Raaphorst anschaulich mit Bildern belegt, anders und geht weit über das „Nachahmen“ hinaus.

Kaum wegzudiskutieren: Film und Spiel im Vergleich. ©Ascot Elite/Capcom

Hat Capcom bei Raaphorst abgekupfert?

Es genügt nämlich schon ein Blick auf die Vergleichsbilder, um zu erkennen, dass das Filmmonster aus seinem 2013er Frankenstein’s Army nicht nur als lose Inspirationsquelle eingesetzt, sondern ohne dessen Einverständnis kopiert und zweckentfremdet wurde.

Im Laufe von Resident Evil: Village muss sich Protagonist Ethan nicht nur Vampiren und Werwölfen, sondern auch einer Konstruktion namens Sturm stellen, die halb Maschine, halb Mensch ist und anstelle des Kopfes einen gewaltigen Propeller auf dem Torso trägt.

Und eben diese Kreatur findet sich auch im acht Jahre zuvor veröffentlichten Frankenstein’s Army wieder, wobei das Konzept dahinter noch deutlich älter sein und auf Raaphorsts nie umgesetzte Weltkriegs-Groteske Worst Case Scenario zurückgehen dürfte. Auch der Monstername Sturm deutet daraufhin, dass Capcom bei dem filmischen Kollegen abgeguckt hat.

Denn Frankenstein’s Army erzählt von russischen Truppen, die am Ende des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront auf ein geheimes Labor der Nazis und die darin enthaltenen Experimente von Dr. Victor Frankenstein stoßen – darunter eben auch den Propeller-Kopf.

Direkte Gegenüberstellung:

Stolz weicht Verärgerung

Und das sind längst nicht alle Parallelen. Auch die Art und Weise, wie das Monster auftaucht, besiegt werden kann und daraufhin in Flammen aufgeht – all das sei wie in seinem Film, stellt Raaphorst im Interview mit Eurogamer fest.

„Es ist exakt die gleiche Szene. Unser Monster explodiert, geht in Flammen auf und rotiert daraufhin im irrsinnigen Tempo auf die Kamera zu. Selbst die Kulisse und Farbgestaltung sind gleich“, findet Raaphorst. Er strebe zwar keine rechtlichen Schritte oder Konsequenzen an, hoffe aber darauf, dass Capcom Stellung bezieht und seine Kreation entsprechend würdigt. Und das kann man ihm bei diesen offensichtlichen Parallelen nur wünschen.

Zunächst sei er nur verärgert gewesen, dann stolz. Inzwischen sei er aber einfach nur noch traurig. Denn: „Es ist gar nicht so leicht, sich ein cooles Design auszudenken, das etwas aussagt und über simples Design hinausgeht. Das ist harte Arbeit. Dann kommt jemand daher, schnappt sich deine Idee und baut sie in sein Spiel ein.“ Capcom hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Frankenstein’s Army steckt voller schräger Monster-Kreationen. ©Ascot Elite

Geschrieben am 11.05.2021 von Torsten Schrader
Kategorie(n): News



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