Sweet Tooth – Jetzt bei Netflix: Der etwas andere Apokalypse-Ausflug!

Post-Apokalypse muss nicht immer trostlos, finster und voll von Tod und Verderben sein. Pünktlich zum Wochenende begrüßt uns Netflix mit einer neuen epischen Serie, die bewusst gegen den Trend deprimierender Apokalypse-Welten anschwimmt, nach denen man sich am liebsten die Decke über den Kopf ziehen würde. Netflix‘ Sweet Tooth, eine sehr lose Adaption der gleichnamigen Comics, will mehr Bambi sein als A Quiet Place oder Mad Max und zeichnet eine endzeitliche Welt, in der gestorben und gelitten, aber eben auch gelacht und gehofft wird.

Dass sich Feel Good und Post-Apokalypse nicht ausschließen, wurde uns Mitte April schon sehr anschaulich von Love and Monsters vor Augen geführt. In dem Netflix-Film nimmt ein Überlebender für seine große Liebe den beschwerlichen Weg durch eine von Monstern bewohnte Welt auf sich, was einige gefährliche und nervenaufreibende Schlenker erfordert, aber letztlich ein gutes, versöhnliches Ende nimmt.

Sweet Tooth (die das Süß schon im Namen trägt) geht noch einen Schritt weiter und lässt uns diese neue, gar nicht so realitätsfremde Alternativversion unserer Welt, die an den Folgen einer Seuche zu ersticken droht, mit den Augen eines unschuldigen Kindes erleben – noch dazu einem, das mit so entzückenden Fellohren und kleinem Hirsch-Geweih gesegnet ist.

Kaputte Welt bringt neues Leben hervor

Für den kleinen Gus sind diese einzigartigen Merkmale allerdings mehr Fluch und Segen, machen sie ihn doch zu einem beliebten Jagdobjekt für die wenigen verbliebenen Menschen. Gleich zu Anfang tun sich gewisse Parallelen zur realen Pandemie auf: Sweet Tooth beginnt mit einer Seuche, die große Teile der Weltbevölkerung zugrunde gerichtet, eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat.

Gleichzeitig kommen immer mehr Mischwesen zur Welt – Hybride aus Tier und Mensch, die immun sind gegen das Virus und von den „normalen“ Menschen gejagt, zur Ursache für die Katastrophe erklärt werden.

Gus kann dieser Säuberung nur entgehen, weil sein Vater ihn fernab der Zivilisation versteckt hält. So geht das nun schon seit zehn Jahren. Irgendwann gewinnt aber auch hier Neugier die Oberhand und Gus bricht zu einem Abenteuer auf, wie man es in dieser Form bislang noch nicht gesehen hat. Auch wenn die Vermutung naheliegt:

Gus erblickt die Welt mit Kinderaugen. ©Netflix

Überschneidungen sind reiner Zufall

Nein, Sweet Tooth ist keine Antwort auf die real existierende Pandemie. Als das Produzententeam um Susan Downey und Robert Downey Jr. mit der Idee von einem postapokalyptischen Märchen an Netflix herantrat, war an Lockdown und Corona noch nicht einmal zu denken.

Das macht die Überschneidungen, die sich im Laufe der ersten Staffel ergeben, etwa dann, wenn sich Menschen in der Nähe eines vermeintlich Infizierten schnell Masken über den Kopf ziehen, aber umso beklemmender. Auch sonst schlägt Sweet Tooth bei aller Süße und Hoffnung ein ums andere Mal ernste, düstere Töne an.

Das hilft, den sonst so bunten und herzigen Trip zu erden und das Format von Jim Mickle, der sonst eher harte Horror-Kost wie den Vampir-Horrorfilm Vampire Nation, das Kannibalen-Abenteuer We Are What We Are oder den Netflix-Titel In the Shadow of the Moon dreht, nicht zu einer reinen Zuckerguss-Tour verkommen zu lassen.

Die Verfolger sind Gus dicht auf den Fersen. ©Netflix

Sweet Tooth erreicht perfekten Score

Denn selbst in Märchen herrscht bekanntlich nicht immer eitel Sonnenschein. Folgerichtig kommt auch Gus mit Situationen in Berührung, die sich nicht mit seinem kindlich unschuldigen Gemüt vereinbaren lassen, aber dennoch überwunden, auf dem Weg zum Ziel gemeistert werden müssen.

Vieles wird in Sweet Tooth – wohl auch, um den märchenhaften Charme nicht zu gefährden – aber nur angeschnitten oder angedeutet. Manchmal hätte man aber gerne etwas länger draufhalten, umfangreicher hinter die Kulissen blicken können.

Dennoch ist die Sogwirkung, die Sweet Tooth über acht Episoden hinweg erzeugt, enorm. US-Kritiker überschlagen sich förmlich mit Lob für dieses andersartige Comic-Serienformat, bescheren der Netflix-Produktionen einen seltenen perfekten RottenTomatoes-Score von 100%! Aufhorchen lässt auch die extrem überzeugende Durchschnittswertung von 8,38/10.

Die Jagd auf Sweet Tooth ist eröffnet! ©Netflix

Geschrieben am 04.06.2021 von Torsten Schrader
Kategorie(n): News



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