Wahrheit oder Pflicht – Im Interview: Regisseur Jeff Wadlow über sein Horror-Comeback

Vor etwas mehr als zehn Jahren ging Jeff Wadlow als Sieger aus einem Wettbewerb hervor, der ihm die Regie bei einem kleinen Slasher namens Cry Wolf einbrachte. Der Film war ein Achtungserfolg und der Startschuss einer beachtlichen Karriere, die in den darauffolgenden Jahren um Titel wie Kick-Ass 2 oder The Fighters erweitert werden sollte. Auch zum Horror-Genre fühlt sich Wadlow weiterhin verbunden und so drehte er für Blumhouse jüngst den übernatürlichen Schocker Wahrheit oder Pflicht (Truth or Dare) ab, in dem es Lucy Hale (Scream 4, Pretty Little Liars) und Tyler Posey seit Donnerstag auch hierzulande mit bösen Mächten zu tun bekommen. In einem exklusiven Intrerview haben wir den Regisseur nun zu seinen eigenen Erfahrungen im Umgang mit dem Spiel befragt und noch dazu erfahren, welcher Fehler einem Regisseur auf keinen Fall unterlaufen sollte.

Jeff, zunächst würde es mich interessieren, wie beliebt „Wahrheit oder Pflicht“ in deinem Freundeskreis war, als du noch ein Teenager warst.

Wir haben es natürlich auch gespielt. Das Tolle an diesem Spiel ist, dass jeder eine völlig andere Variante davon kennt. Nachdem ich den Film fertig hatte, erfuhr ich, dass jedes Land eine ganz andere Herangehensweise an Warheit oder Plficht hat. Der Reiz ist ja, etwas zu sagen oder zu tun, das man normalerweise weder ausspricht noch tut. Das macht den ganzen Spaß aus. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Kindheit und wie viel Spaß wir damit hatten.

Hast du denn auch immer schön brav die Wahrheit gesagt, als sie das Spiel von dir forderte?

Ich habe immer die Wahrheit gesagt.

Ganz sicher?

Ja. (lacht) Die Wahrheit ist doch immer viel spannender als eine Lüge. Witzigerweise habe ich mit „Cry_Wolf“ mal einen Film gemacht, der von Lügen und Täuschungen handelte. Das Kino lebt natürlich von verschleierten Wahrheiten. Aber ich wollte mit „Wahrheit oder Pflicht“ eine Art Ebenbild der Realität umsetzen, denn im echten Leben ist die Wahrheit eben sehr viel interessanter.

Und was war die schlimmste Pflicht, die von dir gefordert wurde? Oder warst etwa du derjenige, der andere böse Dinge tun ließ?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich von einem Freund etwas Böses gefordert habe. Was ich aber weiß, ist, dass ich nackt herumlaufen oder mehr Alkohol trinken musste als ich wollte. Im Normalfall ging es aber vor allem ums Trinken. (lacht)

Hier werden böse Spiele gespielt. ©Universal

Also im Grunde die Sachen, die auch im Film gefordert werden.

Genau. Meine Co-Autoren und ich haben uns zusammengesetzt und uns Gedanken über Wahrheiten und Pflichten gemacht, die während einer gewöhnlichen Spielrunde gefordert werden könnten. Deswegen zeigen wir am Anfang des Spiels eine noch völlig harmlose und typische Version von „Wahrheit oder Pflicht“. Eine, die sich für den Zuschauer vertraut anfühlt. Aber dann betreten wir übersinnliches Terrain, was das Spiel natürlich sehr viel gefährlicher macht, da tatsächlich etwas auf dem Spiel steht.

Olivia wird gefragt, ob sie im Ausnahmezustand eine ganze Stadt und Millionen von Menschen retten würde oder ihre Freunde. Hast du dir darüber Gedanken gemacht, wie du diese große Frage beantwortet hättest?

Das Beantworten dieser Frage wollte ich ganz Olivia überlassen. (lacht) Jede meiner Figuren sollte ihren eigenen Arc bekommen und für Olivias Entwicklung im Film war diese Frage eine sehr wichtige. Als Schöpfer will man erreichen, dass die Charaktere von Akt zu Akt wachsen. Wenn man das als Filmemacher außer Acht lässt, verfehlt man ehrlich gesagt den Sinn eines Films. (lacht) Es schockiert mich immer wieder, wenn ich Film sehe, in denen die Charaktere völlig auf der Strecke bleiben. Charakterentwicklung ist für eine Geschichte absolut ausschlaggebend. Man muss dem Zuschauer am Anfang eine Figur vorstellen, die sich während des Films so glaubhaft verändert, dass sie am Ende nicht mehr dieselbe ist wie am Anfang. Und mit Olivia tun wir genau das.

Und wenn die Figuren im Film lügen, dann nur, um Freunde mit der Wahrheit nicht zu verletzen. Wann hast du die Tendenz dazu, die Wahrheit durch eine kleine Lüge zu ersetzen?

Gibt es eine Möglichkeit, dem Fluch zu entgehen? ©Universal

Das ist eine interessante Frage. Denn obwohl ich vorhin gesagt habe, dass ich die Wahrheit spannender finde als eine Lüge und mich auch ganz allgemein für eine wahrheitsgetreue Person halte, kann es auch bei mir hier und da mal vorkommen, dass ich zu einer sozialen Lüge neige. Das fängt schließlich schon mit kleinen Dingen an. Beispielsweise mit der Frage, ob es Spaß gemacht hat, mit Person XYZ so und so viel Zeit zu verbringen. Und du sagst dann: „Aber klar doch“, obwohl du in Wahrheit mit der Zeit etwas Besseres anzustellen wusstest. (lacht) Aber das gehört einfach zum Leben dazu. Das ist hart genug und man will es nur etwas leichter machen. Man muss aber aufpassen, wieso, wie und worüber man lügt. Wo liegt die Grenze? Im Film müssen sich die Figuren exakt dieser Frage stellen. Sie müssen erfühlen, wann aus einer ganz einfachen und sozialen Lüge eine größere wird, welche ganz klar die Grenze überschreitet.

Und manche Wahrheiten, die im Film ans Licht kommen, führen dazu, dass sich die Figuren im Anschluss sehr viel besser fühlen als vorher. Erinnerst du dich ebenfalls an eine Wahrheit, die du lange verschwiegen, sie dann aber doch geäussert hast, was dir dann eher Frieden statt den befürchteten Ärger einbrachte?

Als wir das Finale des Films gedreht haben, war mir sofort klar, dass wir nicht genug Zeit haben, um es vernünftig und vor allem rechtzeitig in den Kasten zu kriegen. Also habe ich Produzent Jason Blum angerufen und ihm gesagt, dass das Finale vermutlich in die Hose geht, weil wir einfach zu wenige Drehtage dafür einkalkuliert haben. Bevor ich es ihm gesagt habe, trug ich es eine Weile mit mir herum, weil ich dachte, dass sich das eh nicht mehr ändern lässt. Aber ich fühlte mich danach so viel besser und er fand dann auch tatsächlich eine Möglichkeit, mir ein paar Extratage zu verschaffen. Das Finale im Film funktioniert jetzt so gut wie es das tut, weil ich mich getraut habe, ihm die Wahrheit zu sagen, was ihn wiederum dazu brachte, das Problem für mich zu lösen.

Geschrieben am 12.05.2018 von Carmine Carpenito


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