Jane Goldman - Die Frau in Schwarz

„The Woman in Black“ ist dein erster Ausflug ins Horror-Genre. Kam es daher nicht etwas überraschend für dich, dass dir das Projekt von Hammer Films angeboten wurde?

Nicht wirklich. Die Person, die zu der Zeit für die Umsetzung verantwortlich war, wusste, dass ich Horrorfilme mag. Als mir „The Woman in Black“ dann angeboten wurde, ergab es für mich also durchaus Sinn und so hoffentlich auch für sie.

Hammer Films ist nach wie vor ein großer Name für Genrekenner. Fühltest du dich in irgendeiner Form den alten Fans verpflichtet?

Weißt du, es ist eine Ehre für mich, Teil einer großartigen Tradition von britischen Horrorfilm-Geschichten sein zu können. Aber gleichzeitig repräsentiert „The Woman in Black“ auch einen völligen Neuanfang für Hammer Films, die sich einfach nur dazu verpflichtet fühlen, tolle Horrorfilme zu machen ohne dabei zwangsweise an die Form früherer Hammer Films Produktionen zu denken. Das Hauptaugenmerk, an welches ich dachte, lag also darin, den Film einfach so gut und gruselig werden zu lassen, wie es uns eben möglich ist.

Ob ein Beil gegen die Frau in Schwarz helfen kann?

Abgesehen von den gruseligen Augenblicken konzentriert sich „The Woman in Black“ außerdem auch auf die inneren Konflikte der einzelnen Charaktere. Wie wichtig und herausfordernd war es für dich, die Balance zwischen Drama und Horror zu halten?

Ich finde, dass das eine wirklich sehr wichtige Sache ist. Gerade bei Horror. Denn in diesem Genre verhält es sich doch so, dass, je mehr du dich für das Wohlergehen der Charaktere interessierst, desto intensiver wird deine Angst um sie. So etwas ist wirklich sehr wichtig. Für mich hatte es einfach Priorität, einen Film über Charaktere zu machen und gleichzeitig eine unheimliche Geistergeschichte zu erzählen. Ich wurde auch sehr vom japanischen Horror inspiriert. Einfach in dem Sinne, dass sie ziemlich aufmerksame & charakterstarke Filme produzieren, die gleichzeitig aber auch sehr erschreckend sein können.

Im Gegensatz zu deinen anderen Filmen, zum Beispiel „The Debt“ oder „X-Men: First Class“, ist „The Woman in Black“ nicht so dialoglastig ausgefallen. Hier sprechen die Bilder für sich. War das eine große Umstellung für dich?

Das war in der Tat eine sehr große Umstellung, bei den Dialogen so zurückhaltend sein zu müssen. Es war auch das erste Mal, wo ich so etwas ausprobiert habe, denn in der Regel sind meine Filme sehr auf die Gespräche zwischen den Charakteren fokussiert, wie du bereits erwähnt hast. Es war also eine sehr interessante Herausforderung für mich, etwas zu schreiben, das mit weniger Dialogen auskommen muss und trotzdem auf einer spannenden Ebene funktioniert.

Daniel Radcliffe folgt den mysteriösen Geräuschen.

Inwiefern wurde Susan Hill in die Verfilmung ihres Romans involviert? Hattest du beim Drehbuch freie Hand oder gab es Wünsche ihrerseits, dass bestimmte Elemente weder ignoriert noch verändert werden dürfen?

Nein, sie gab uns freundlicherweise freie Hand bei der Umsetzung und war sogar sehr unterstützend, worüber ich richtig glücklich war. Ich fühlte mich einfach erleichtert nachdem sie meine erste Drehbuchfassung gelesen und mir gesagt hatte, dass sie sehr zufrieden damit sei. Das war mir nämlich verdammt wichtig. Und ich denke, dass der Autor einer Vorlage immer der beste Beurteiler ist, ob man der geistigen Arbeit treu geblieben ist. Ich war also unglaublich froh und mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich zu hören bekam, dass sie die Fassung für gut befand. Sie hatte danach auch keinerlei Anregungen. Ihr ist sicherlich auch klar, dass eine Adaption eine Adaption ist und es nichts am Buch selbst ändert. Es bleibt immer noch die ursprüngliche Quelle. Susan war daher ein wirklich toller Support.

Mit Daniel Radcliffe konntet ihr einen echten Star für die Hauptrolle verpflichten, der zudem auf einem wichtigen Scheideweg steht. Wie zufrieden warst du mit seiner Arbeit vor der Kamera?

Wir waren sehr glücklich über die Verpflichtung von Daniel. Ich war total zufrieden mit ihm und er hat mich wirklich beeindruckt. Das war eine völlig neue Erfahrung für ihn und zugleich fesselnd für mich, Daniel in einer ganz anderen Rolle zu sehen, als verwitweter Vater, als richtiger Mann eben. Das ist dann natürlich etwas ganz anderes als das, was wir zuvor von ihm zu sehen bekamen. Ich war also mehr als froh über seine Besetzung und halte ihn für einen brillanten Schauspieler und wirklich jeder bei der Produktion war begeistert von der erbrachten Leistung.

Ein Kampf gegen den Realitätsverlust.

Gab es denn keine Bedenken, dass man durch genau diese Eigenschaften auf Unglaubwürdigkeit stoßen könnte? Immerhin sah man ihn bis 2011 noch als Zauberlehrling aus Hogwarts.

Sicherlich dürfte es sich hierbei um eine Sache handeln, die einem stets bewusst ist. Aber es ist einfach eine total andere Rolle. Bereits nach wenigen Szenen sollte jedem klar sein, dass es sich hier um eine ganz andere Richtung des Schauspielens handelt. Als Daniel dann die ersten Aufnahmen am Set spielte und das Endergebnis ersichtlich wurde, war auch die Besorgnis um die Leute verflogen, die womöglich Schwierigkeiten damit haben könnten, ihn als Arthur zu akzeptieren. Er spielt ganz anders und sieht auch ganz anders aus im Film.

... und wie die weltweiten Einspielergebnisse beweisen, will man ihn offenbar auch abseits von „Harry Potter“ sehen.

Oh ja, das stimmt. So eine loyale Fanbase hat schon seine Vorteile. Aber ich glaube außerdem, viele Fans und Kinogänger finden es interessant zu beobachten, welche Schritte ein Schauspieler in seiner Position nach so einer wichtigen Rolle wie der des Harry Potter macht, die im Grunde derart prägend war. So war es dann toll zu sehen, dass wir Menschen dazu animieren konnten, sich aus diesem Grund unseren Film anzusehen, obwohl sie sich normalerweise womöglich eher weniger für Horror interessieren.

In Großbritannien wurden sogar Genrerekorde gebrochen.

Wir waren alle so unglaublich glücklich. Einen derartigen Erfolg hätten wir uns niemals erträumt. Da war es uns allen natürlich eine helle Freude. Aber ich freue mich auch deswegen so sehr darüber, weil es sich beim Geister-Horror um einen traditionellen Teil der britischen Literatur handelt. Und ich finde es einfach wunderschön, dass es die Kinogänger immer noch huldigen. Diese Resonanz macht uns einfach glücklich.

Ein Haus voller dunkler Geheimnisse.

Beim Horror ist ein Prequel oder eine Fortsetzung bei Erfolg nie wirklich auszuschließen. Glaubst du, dass sich auch das Universum von „The Woman in Black“ irgendwie erweitern lässt oder sollte man es bei dieser einen Verfilmung sein lassen?

Bei „The Woman in Black“ handelt es sich um eine klassische Geistergeschichte, die, auch schon vor dem Film, immer für sich alleine stehen wird. Ich weiß aber, dass bereits über eine andere Geschichte diskutiert wurde. Es wäre eine verwandte Geschichte, aber keine direkte Fortsetzung. Aber falls diese Ideen tatsächlich umgesetzt werden sollten, werde ich unglücklicherweise nicht darin involviert sein können, da ich bereits an anderen Projekten arbeite. Aber ich bin mir sicher, egal was Hammer Films letztlich daraus macht, es wird sich sicherlich um eine Furcht erregende Geschichte handeln.

Du hast zu Beginn von deiner Zuneigung zum Horrorfilm gesprochen. Darf man also davon ausgehen, dass „The Woman in Black“ zwar dein erster aber nicht letzter Ausflug ins düstere Genrekino war?

Natürlich würde ich gerne einen weiteren Horrorfilm machen. Und das werde ich mit Sicherheit auch tun, irgendwann. Momentan ist zwar noch nichts in diesem Bereich geplant, aber ich habe definitiv vor, irgendwann wieder einen unheimlichen Beitrag in Angriff zu nehmen. Einfach aus dem Grund, weil ich ein so großer Fan des Genres bin und es so vieles gibt, was ich auf diesem Gebiet noch gerne machen würde. Vielleicht also in der Zukunft, auch wenn es noch nichts Konkretes gibt.

Bis jetzt hast du das Genre immer wieder gewechselt. Egal ob Action, Drama, Crime oder eben Horror. Existiert trotzdem ein Genre, welches dir Schwierigkeiten bereiten würde oder bist du für jede Art Film offen?

Ein richtig schwermütiges Drama würde ich wahrscheinlich ablehnen. (lacht) Diese Art Film beziehungsweise so ein grobkörniges Charakterstück würde ich mir persönlich wohl auch eher ungern oder selten ansehen, daher würde mit meiner Schreiberei wohl auch nichts Gutes bei rauskommen. Bei einer romantischen Komödie würde ich wahrscheinlich auch eher nein sagen, aber man kann nie wissen. (lacht)

Arthur wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

Deine bisherigen Filme waren alles Umsetzungen von Büchern oder Comics, und wie du in einem Interview verraten hast, ist das Adaptieren eine große Leidenschaft von dir. Was fasziniert dich so sehr daran, bereits existierende Geschichten in Drehbuchform zu bringen?

Das ist tatsächlich eine Leidenschaft von mir und ich habe großen Respekt vor der Sprache des Kinos, dem Erzählen von Geschichten. Ich empfinde es einfach als vergnüglichen Prozess, eine Handlung, die in einer Form bereits kreiert wurde, passend in die Sprache des Kinos zu übersetzen. Für mich ist das eine sehr befriedigende und interessante Art des Schreibens. Auch deshalb, weil es bei jedem Buch oder bei jedem Comic so unterschiedlich ist. Manchmal ist die Geschichte bereits völlig vorgegeben, bei manchen Adaptionen greift man wieder nur auf den Geist oder die Ideen zurück und entwirft eine neue Handlung, und bei wieder anderen Adaptionen fügst Du einfach bestimmte Elemente hinzu oder entfernst welche. Es ist ein endloser und interessanter Prozess.

Was erweist sich für dich als komplexer: das Adaptieren eines Buchs oder das eines Comics? Immerhin existiert bei den meisten Comics bereits ein komplettes Universum. Ändert das denn was?

Das hängt wirklich sehr von den individuellen Teilen des vorhandenen Materials ab. Oftmals ist es aber so, dass Comics beim Erzählen einer Geschichte dem Film sehr ähnlich sind. In einem Buch existieren dagegen viele interne Dialoge. Da muss man dann natürlich sehr viel mehr Arbeit investieren, um daraus anschließend einen interessanten Film machen zu können. Speziell, weil du da die Charaktere durch die Aktionen des Charakters kennenlernst, mitbekommst wie sie fühlen, was sie beabsichtigen und wer sie wirklich sind. Die Komplexität ist ganz unterschiedlich und hängt wie gesagt von der jeweiligen Vorlage ab.

Mit Ausnahme von „The Woman in Black“ hast du deine bisherigen Drehbücher stets gemeinsam mit Matthew Vaughn verfasst, der sie anschließend verfilmte. Hast du durch die enge Zusammenarbeit mit ihm auch bei der Inszenierung ein gewisses Mitspracherecht?

Wir arbeiten tatsächlich sehr eng miteinander. Traditionell gesehen ist es einem Drehbuchautor nicht erlaubt, in einem Drehbuch Dinge vorzuschlagen, die eigentlich für den Regisseur bestimmt sind. Aber da ich Matthew sehr gut kenne und so eng mit ihm zusammenarbeite, bin ich dazu in der Lage, dies oftmals gemeinsam mit ihm zu tun.Wir fühlen uns also sehr verbunden, uns gegenseitig Sachen vorzuschlagen und haben daher eine großartige Beziehung zueinander, was ich sehr genieße.

Kommt jede Warnung zu spät?

Wie sieht es offiziell mit dem Posten als Regisseurin aus? Würde dich das auch reizen?

Meine ungeteilte Leidenschaft gilt dem Schreiben. Ich hege im Moment also noch keine konkreten Pläne, irgendwann bei einem Film Regie zu führen. Ich habe jedoch großen Respekt vor Regisseuren. Es ist allerdings eine ganz andere Art des Arbeitens. Nicht alle sind dazu in der Lage, einen Film zu inszenieren, genauso wenig wie jeder dazu in der Lage ist, ein Drehbuch zu verfassen. Das Schreiben ist etwas, das ich genieße und mich zufriedenstellt. Im Augenblick bin ich einfach total dankbar dafür, dass ich das habe und tun kann.

Noch eine letzte Frage: Es wird bereits fleißig an einer Fortsetzung zu „X-Men: First Class“ gearbeitet. Du wurdest bislang aber noch nicht mit dem Projekt in Verbindung gebracht. Muss das Sequel nun ohne Dich und Matthew als Drehbuchautoren auskommen?

Womöglich bin ich ja doch in das Sequel involviert. Das wäre schön. Wenn Matthew die Fortsetzung inszenieren darf, werde ich definitiv wieder mit von der Partie sein. Im Moment sieht es so aus, als wäre Simon Kinberg allein für die erste Drehbuchfassung verantwortlich. Aber er, Matthew und ich stehen ständig in engem Kontakt und sprechen über die Handlung. Und wie gesagt: wenn Matthew als Regisseur an Bord ist, werde ich gemeinsam mit ihm daran arbeiten. Aber aktuell diskutieren wir noch alle miteinander, wie wir die Geschichte genau fortsetzen möchten.

>> verfasst und geführt von Carmine Carpenito




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