Im Interview - Catherine Hardwicke

BlairWitch.de: Hätten Sie sich je träumen lassen, dass Twilight ein derart großer Erfolg wird?

Catherine Hardwicke: Nein, absolut nicht. Ich wusste, dass es so viele Menschen auf der Welt gibt, die in die Bücher vernarrt sind, aber ich wusste nicht, welche Anzahl es tatsächlich betrifft. Es ist schon ziemlich cool.

Twilight hat selbst das Einspielergebnis des neuen James Bond übertroffen...

CH: Twilight hat das größte Einspielergebnis eines Bond Filmes übertroffen, das es je
gab. Die Vampire haben dem werten Herrn in den Arsch getreten (lacht).

Bezüglich der großen Erwartungen seitens der Fans: Welche Grundvoraussetzungen mussten erfüllt werden?

CH: Wichtig war vor allem, dass ich die richtige Bella und den richtigen Edward finde. Sie
mussten diese starke und intensive Chemie füreinander hegen, sonst hätte der Film
nicht funktioniert.

Wir wissen, wie Robert Pattinson gecastet wurde und welchen Einfluss Kristen
Stewart bei dieser Entscheidung hatte. Aber wieso wählten Sie Kristen Stewart für die
Rolle der Bella aus, was machte sie attraktiv?

CH: Ich habe den Film „Into the Wild“ gesehen, in dem sie einen kleinen Part übernimmt, und dachte sofort, sie habe eine fantastische Arbeit abgeliefert. Ich fühlte ihr Verlangen, ihre Intensität und ihre Sehnsucht. Also stieg ich ins Flugzeug und flog nach Pittsburgh. Dort drehte sie gerade einen anderen Film, während ich einen Tag frei hatte. Wir nahmen also einen anderen Schauspieler und eine Videokamera zur Hand und drehten ein paar Szenen zusammen. Es hat einfach Spaß gemacht und sich gut angefühlt.

Twilight besitzt einige umfangreiche Szenen, die bereits im Trailer zu sehen waren. Ich spreche hierbei von der Baseball-Szene und der Studio-Szene. Stellten sich diese als besonders herausfordernd während des Drehs in den Vorderung?

CH: Dies sind zwei gute Beispiele für die Komplexität. In der Ballet Studio Szene kann man sehen, dass an allen Wänden Spiegel angebracht sind. Man musste sich also ständig verstecken und aufpassen, nicht in das Spiegelbild zu geraten. Das war wirklich herausfordernd und eine komplizierte Choreographie zwischen den Stuntleuten und der Crew. Wir mussten es wirklich gut planen. Wir hatten Storyboards und Veranschaulichungen per Video, um diese Momente so gut wie möglich abzufedern. Wir drehten diese Szene in der ersten Woche auch gleich am ersten Tag und hatten, mit Ausnahme der Probe, keine Chance, die Charaktere zu entwickeln. Es war also durchaus anstrengend (lacht).

Haben die Darsteller dabei selbst als Stuntleute agiert?

CH: Sie haben viel eigenständig erledigt, aber wirklich nur das, was auch sicher war. Aber es gibt einige Stunts, die sich als überaus gefährlich herausstellten, weshalb dann meist ein Double zum Einsatz kam. In der Szene, als Edward aus der Höhe auf den Boden springt, hat sich ein Stunt Double beispielsweise eine Gehirnerschütterung zugezogen. Manche Sachen kann man die Schauspieler einfach nicht erledigen lassen.

Wo wir dann auch schon beim Wetter in Oregon wären.

CH: Oh nein (lacht).


Es war zu vernehmen, dass die Bedingungen vor Ort sehr kompliziert waren. Was haben Sie getan, um die Schauspieler bei all dem Regen, Schnee und der Kälte bei Laune zu halten?

CH: Ich sagte den Mitarbeitern der Ausstattung, dass sie in einen Laden gehen und Wetsuits kaufen sollten, die man dann unter der Kleidung tragen konnte. Zusätzlich haben wir dann auch noch Heizkissen besorgt. Ich habe auch die Kostüme modifiziert, als ich gesehen habe, wie kalt es vor Ort tatsächlich werden kann. In der Baseball-Szene haben einige Schauspieler dann auch Handschuhe und Westen an. Esme (Elizabeth Reaser) musste einen weiteren Mantel tragen, weil ihr so kalt war. Am ersten Tag hat es wie aus Eimern geregnet, was die Frisuren und das Make Up der Damen völlig zerstörte. Deswegen tragen in dieser Szene fast alle Darsteller ein Baseball-Cap.

Kam bei diesen Wetterbedingungen eine Art Airbrush zum Einsatz?

CH: Unser Make Up Artist hat in vielen Einstellungen Airbrush verwendet, ja. Das ist eine schöne Methode. Aber natürlich hatten wir auch Heizstrahler, Zelte und heißen Tee, die man immer, wenn gerade drei Minuten Zeit übrig waren, nutzen konnte. Wir rannten also ständig ins Zelt und stellten uns neben den Heizstrahler.

Ihre letzten Filme waren allesamt im Independent-Bereich angesiedelt. Welchen Unterschied ergibt da eine Big-Budget Produktion wie Twilight - Biss zum Morgengrauen?


CH: Tatsächlich habe ich aus meiner Sicht erst einen Independent-Film gedreht, meine anderen beiden Werke entstanden in Zusammenarbeit mit Sony Pictures und New Line Cinema. Mein letztes Budget war dabei deutlich größer als das, was Summit Entertainment für Twilight zur Verfügung stellte. „The Nativity Story" hat rund 45 Millionen Dollar gekostet, Twilight hingegen hatte ein Budget von 37 Millionen - zudem drehten wir „The Nativity Story“ in Marokko und Italien. Filme wie „Vanilla Sky“, bei denen ich als Production Designer tätig war, beliefen sich sogar auf 100 oder 80 Millionen Dollar. Ich habe also mit vielen unterschiedlichen Produktionskosten gearbeitet, aber in irgendeiner Weise ist es immer dasselbe. Der Regisseur hat immer eine Menge neuartiger und cooler Ideen, während das Studio, egal bei welchem Budget, zumeist einen Strich durch die Rechnung macht.


Was wurde während des Drehs für das Bonusmaterial der kommenden DVD vorbereitet?

CH: Ich weiß nicht genau, ob dies tatsächlich auf der DVD enthalten sein wird, aber es gab da schon lustige Momente, die wir sicher als Bonus auf die Veröffentlichung packen. Insgesamt umfasst der Blick hinter die Kulissen anderthalb Stunden. Bei der Ballet Studio Szene, die ja bereits erwähnt wurde, kommen wir an eine Stelle, als Edward die Kontrolle über sich verliert. Im Drehbuch war vorgesehen, dass er James ein Stück Haut abbeißt und dieses dann durch die Luft wirft. Also haben wir ein Stück geschmolzenen Käse genommen und es unter seinem Kragen befestigt. Robert Pattinson musste es dann also mit seinen Zähne packen und auf den Boden schleudern. Das war fürchterlich (lacht).

Geschmolzenen Käse?

CH: Das ist der Low Budget Way (lacht).

Hat die DVD bereits ihren finalen Status erreicht?

CH: Ja, wir haben bereits alles fertig und die DVD ist schon in der Mache. Wir haben einen ganzen Haufen unveröffentlichter und erweiterter Szenen. Am Set kommen einem Regisseur manchmal verrückte Ideen, die für eine Heimkino-Veröffentlichung dann noch schnell umgesetzt werden. Und es gibt mehr Vampirbisse (lacht).

Wie reagieren Sie auf diesen massiven Hype?

CH: Die ganze Angelegenheit ist schon irgendwie lustig. Als wir vor zwei Tagen bei der Premiere in London waren, dachten wir eigentlich, dass die Los Angeles Premiere die größte Veranstaltung zum Start überhaupt werden würde. Aber als wir dann in der britischen Hauptstadt eintrafen, waren deutlich mehr Anhänger vorhanden, die weitaus fanatischer waren und seit zwei Uhr in der Früh in der Kälte gestanden hatten. Einige Fans haben sich dabei sogar als Vampir verkleidet. Es war ein großartiges Erlebnis.


Und nun sind Sie in Deutschland. Wie gefällt es Ihnen bisher?

CH: Wir sind erst heute Morgen angereist und durften das Hotel bis jetzt noch nicht verlassen. Es ist ein bisschen beengend. Ich war bereits in Berlin und ich liebe die Achitektur. Ich liebe Deutschland, es ist einfach schön hier. Es wird mir aber sicher nicht gestattet sein, mehr auf dieser Reise zu sehen. Ich sollte wohl einfach fliehen (lacht). In Rom verfolgten Fans unser Auto, in Mexiko sprangen sie direkt auf die Dächer. Dieser ganze Film ist eine Art Abenteuer für mich geworden.

Ist das nicht ein wenig beängstigend?

CH: Manchmal ist es das leider schon. Auf der anderen Seite möchte man aber auch niemanden verletzen oder auf die Füße treten (lacht).

 

>> Interview geführt von Katharina Schütt




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