Moviebase Grey, The

Grey, The
Grey, The

Bewertung: 55%

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Originaltitel: The Grey
Kinostart: 12.04.2012
DVD/Blu-Ray Verkauf: 21.09.2012
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 117 Minuten
Studio: Liddell Entertainment
Produktionsjahr: 2011
Regie: Joe Carnahan
Drehbuch: Joe Carnahan
Darsteller: Liam Neeson, Dermot Mulroney, Joe Anderson, James Badge Dale

"Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen" lautet ein zum Sprichwort verkürztes Zitat des Römischen Dichters Plautus und spielt auf die scheinbar ur- und unmenschliche Grausamkeit an, die in uns allen schlummert. Regisseur Joe Carnahan ("The A-Team") verfolgt mit seinem Survival-Thriller "The Grey" einen anderen Ansatz: Mag der Mensch auch noch so grausam und auf den eigenen Vorteil bedacht sein – trifft er auf eine Bedrohung von außen, wird er doch wieder zum Rudeltier. So mutiert eine Bande von prügelnden, saufenden Ölarbeitern, die sich nach einem Flugzeugabsturz mit der urwüchsigen Naturgewalt eines blutdurstigen Wolfsrudels, ebenso wie mit ihren eigenen (Todes-)Ängsten konfrontiert sieht, plötzlich zur innig verbundenen Schicksalsgemeinschaft.

Von Anfang an versucht Carnahan, seinen Film trotz passender Thematik so weit wie möglich von dem heutzutage ja eher mit Trash-Appeal verbundenem Subgenre Tier-Horror fernzuhalten. Wenn überhaupt peilt er Klassiker wie "Der Weiße Hai" an, in denen die drastischen Konfrontationen von Tier und Mensch neben aller Spannung vor allem auch für das psychologische Zusammentreffen von wilder Urgewalt und Zivilisation standen. Das versucht "The Grey" wenig subtil zum einen durch die Gegenüberstellung von Wolfs- und Menschenrudel zu erreichen: Alpha-Männchen Liam Neeson muss sich nicht nur gegen die tierischen Feinde durchsetzen, sondern auch innerhalb seiner kleinen Gruppe Rangkämpfe bestehen, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Zum anderen ergeht sich der Film immer wieder in quälend-kitschigen Rückblenden, die einerseits die persönlichen Dramen der harten Malocher-Kerle beleuchten, im Besonderen Ottways (Neeson) Beziehung zu seinem hartherzigen Vater, und andererseits die Survival-Thematik psychologisieren: Die Wölfe, so möchte es Carnahan wohl gern verstanden wissen, stehen für die externalisierten, geheimen Ängste dieser scheinbar so zähen Männer, von denen sie letztlich, nun ja, aufgefressen werden.

Zwischen diesen überambitionierten Einschüben gelingen dem Film aber auch immer wieder packende Spannungssequenzen, die vor allem durch ihre physische Greifbarkeit bestechen: Um einen der ihren zu retten, müssen die Männer beispielsweise einmal durch meterhohen Schnee stapfen, kommen nur quälend langsam voran und schließlich auch zu spät. Wenn Ottway gegen Ende in einen tosenden Gebirgsbach stürzt und schlotternd wieder aus dem Wasser steigt, spürt man die grausame Kälte förmlich durch den Kinosaal ziehen. Unangenehme Intensität erreicht der Film auch in den deftigen Sterbeszenen, die sich oftmals beinahe unerträglich lang über mehrere Minuten hinziehen. Selbiges lässt sich auch über den Film insgesamt sagen, der mit seinen knappen zwei Stunden schlichtweg zu lange dauert für eine an sich reichlich simple Geschichte.

"The Grey" scheitert also letztlich am eigenen Anspruch, knallharten Tierhorror mit metaphysischer Selbsterkenntnis der Protagonisten zu verbinden; gelingt ihm ersteres noch recht gut, hapert es für psychologischen Tiefgang zu sehr an den dümmlichen Dialogen und pathetischen Traumsequenzen. Nicht umsonst bleibt "Der Weiße Hai" zusammen mit "Die Vögel" und wenigen anderen weiterhin einsame Spitze im Subgenre. Um eine gute halbe Stunde gekürzt hätte aus "The Grey" so etwas wie das "Taken" des Tierhorrors werden können: Neeson als eiskalter Alleskönner, der, vor allem im überraschend gnadenlosen Finale, immer noch einen weiteren clever-brutalen Trick aus dem Ärmel zaubert. So bleibt er ein recht unentschlossener, nicht allzu schlauer Film, der den Zuschauer durch ein Wechselbad der Gefühle schleift, von atemloser Spannung zu gähnender Langweile.

>> verfasst von Tim Lindemann

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