FSK – Furchtbare Schnittkatastrophen?

Unsere erste Kolumne rund um das Thema Horror befasst sich heute mit dem viel diskutierten Institut FSK. FSK steht für „Freiwillige Selbstkontrolle“ und vergibt die Altersfreigaben für startende Kino- und DVD-Filme. In letzter Zeit sorgte die Einrichtung mit ihren harten Schnittvorgaben bei Horrorstreifen wie „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning“ oder „Hostel 2“ für heftige Kritik von und heiße Diskussionen unter Filmliebhabern.

Doch warum nimmt die FSK solche Einschnitte überhaupt vor? Die Filme, die mit der Plakette „keine Jugendfreigabe“ versehen werden, brauchen doch nicht noch zusätzlich kaputt geschnitten zu werden? Schließlich dürften Jugendliche unter 18 Jahren für diese Filme erst gar keine Kinokarte bekommen. Warum dann also noch mal zur Schere greifen? Ganz einleuchten mag mir das auch nicht. Da wird das Kinoerlebnis einfach schnell zum Albtraum, wenn gerade die Stücke, auf die man wartet, gar nicht im Film erscheinen. Und das alles, weil die wohl gemerkt „freiwillige“ Selbstkontrolle der Ansicht ist, dass einige Szenen einfach nicht für das Zuschauerauge bestimmt sind. Aber sollte man dies mit 18 Jahren und somit seiner Volljährigkeit nicht selbst entscheiden dürfen? Sicher, für die etwas jüngeren Filmfans sind die Altersempfehlungen äußerst wichtig, auch für deren Eltern, die sich anhand der Freigabe einen Eindruck des Materials machen können. Dennoch scheint die Vorgehensweise der FSK nicht immer schlüssig.

Das fängt schon bei der Einteilung der Altersstufen an. Als Erstes gibt es da die „Freigabe ohne Altersbeschränkung“. Personen jeden Alters dürfen den Film besuchen, ohne dass dieser ihnen schaden würde. Die nächste Einstufung, „freigegeben ab 6 Jahren“, scheint auch noch nachvollziehbar. Doch bei „FSK 12“ treten bei mir erste Zweifel auf. So definiert sich die Einstufung „freigegeben ab 12 Jahren“ laut der Internetseite der FSK wie folgt: „Bei Jugendlichen dieser Altersgruppe ist die Fähigkeit zu distanzierter Wahrnehmung und rationaler Verarbeitung bereits ausgebildet. Erste Genre-Kenntnisse sind vorhanden. Eine höhere Erregungsintensität, wie sie in Thrillern oder Science-Fiction-Filmen üblich ist, wird verkraftet.“ Kann man diese Aussage so pauschal auf alle 12- bis 15jährigen übertragen? Ich denke nicht. Wenn ich eine Szene als, sagen wir mal „lasch“ empfinde, muss das doch noch lange nicht bedeuten, dass Willi Weichei neben mir das genauso sieht?

Der nächste Zusatz für die FSK-Freigabe 12 macht für mich fast gar keinen Sinn – die PG (Parental Guidance). Diese besagt: „Haben Filme die Kennzeichnung „Freigegeben ab 12 Jahren" erhalten, kann auch Kindern im Alter von sechs Jahren aufwärts der Einlass zur Vorstellung gewährt werden, wenn sie von einer personensorgeberechtigten Person begleitet werden.“ Huch? Was ist denn da los? Als bestes Beispiel fällt mir da der Jack Black-Film „Kings of Rock – Tenacious D“ ein. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie eine erwachsene Person, die sich tatsächlich entschieden haben sollte, mit einem 6- bis 11jährigen Belzebub diesen Film zu besuchen, dem kleinen Spross Wörter wie „fuck“ (das unzählige Male auftaucht) und die Geschichte zu erklären. Für mich eine völlig überflüssige Alterseinstufung.

Aber zurück zum Schnitt. Wenn doch etliche Filme – vor allem aus dem Horrorgenre – derart zerstückelt ihren Weg ins Kino finden, warum erscheinen sie dann wenige Monate später unzensiert auf DVD? Und wenn sie dort auch zensiert wurden, warum sind dann meistens eben diese geschnittenen Szenen in den Making-Ofs zu sehen? Zudem würde jeder, der solche Filme wirklich haben will, diese auch bekommen.

Meiner Meinung nach sollte die FSK ihre Vorgehensweise überdenken und auch einen Gedanken an das zahlende Publikum verschwenden. „TCM: The Beginning“ demonstrierte feierlich, wie ein guter Film (in unzensierter Fassung) durch völlig zerstörende Schnitte an den Kinokassen untergehen kann – eben weil sich Fans solch dezimierte Sachen nicht antun. Ansonsten bleiben Hartgesottenen nur zwei Möglichkeiten: Entweder Mitglied bei der FSK werden und mitbestimmen, welche Filme welche Altersfreigabe erhalten, oder auf die unzensierte DVD-Version warten. Oder den Director’s Cut. Oder die Extended Version. Oder…

>> von Janosch Leuffen 




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