Moviebase Jurassic World: Das gefallene Königreich

Jurassic World: Das gefallene Königreich
Jurassic World: Das gefallene Königreich

Bewertung: 60%

Userbewertung: 45%
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Originaltitel: Jurassic World 2
Kinostart: 06.06.2018
DVD/Blu-Ray Verkauf: 04.10.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 04.10.2018
Freigabe: FSK 12
Lauflänge: Unbekannt
Studio: Amblin Entertainment, Apaches Entertainment, Legendary Entertainment
Produktionsjahr: 2017
Regie: J.A. Bayona
Drehbuch: Derek Connolly, Michael Crichton
Darsteller: Bryce Dallas Howard, Chris Pratt, James Cromwell, Ted Levine, Toby Jones, BD Wong, Daniella Pineda, Rafe Spall, Geraldine Chaplin

Bereits mit seinem Langfilmdebüt, dem stimmungsvollen Horrordrama „Das Waisenhaus“, brachte sich der in Barcelona geborene Juan Antonio Bayona als umsichtiges, Emotionen glaubhaft transportierendes Kinotalent in Stellung und heimste bei der Goya-Verleihung 2008 den Preis als bester Nachwuchsregisseur ein. Auch in seinen folgenden Leinwandarbeiten, dem Tsunami-Katastrophenstreifen „The Impossible“ und dem tief unter die Haut gehenden Fantasy-Märchen „Sieben Minuten nach Mitternacht“, legte Bayona eindrucksvoll Zeugnis von seiner inszenatorischen Könnerschaft ab, was ihn schließlich – verdientermaßen möchte man sagen – auf den Regiestuhl der mit Spannung erwarteten Fortsetzung zum Dino-Abenteuer „Jurassic World“ katapultierte. Den Staffelstab übernahm der Spanier von Colin Trevorrow („The Book of Henry“), der zusammen mit Derek Connolly („Kong: Skull Island“) das Drehbuch für das inzwischen fünfte Kapitel in der 1993 von Steven Spielberg eingeläuteten „Jurassic Park“-Reihe verfasste.

Drei Jahre sind vergangen, seitdem der im Pazifik gelegene Saurier-Freizeitpark „Jurassic World“ von seinen tierischen Bewohnern verwüstet und von den Menschen verlassen wurde. Die Urzeitechsen sind über die Isla Nublar kreuz und quer verteilt und genießen das Leben in Freiheit. Als jedoch ein verheerender Vulkanausbruch droht, bricht eine Diskussion über den Umgang mit den riesenhaften Kreaturen los: Soll man sie retten oder einfach sterben lassen? Letzteres hält Claire Dearing (Bryce Dallas Howard, „The Village – Das Dorf“), einst dauergestresste Managerin der prähistorischen Themenstätte, für ein Verbrechen, weshalb sie mit Begeisterung auf die Pläne des steinreichen Benjamin Lockwood (James Cromwell, „American Horror Story“) reagiert. Der frühere Geschäftspartner des ersten Jurassic-Park-Gründers John Hammond will die Dinosaurier von Isla Nublar evakuieren und in einem natürlichen Schutzreservat ansiedeln. Helfen sollen bei der Rettungsmission auch Claire und ihr Ex-Freund Owen Grady (Chris Pratt, „Passengers“), der früher Velociraptoren gezähmt hat. Einmal auf dem heruntergewirtschafteten Eiland angekommen, müssen die beiden erkennen, dass finstere Machenschaften im Gange sind, bei denen keineswegs das Wohl der Riesenechsen im Mittelpunkt steht.

Wie schon der direkte Vorgänger krankt „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ an einer wenig originellen Handlung und einer schematischen Figurenzeichnung. Bestimmte Plot-Elemente und Motivationen werden aus Colin Trevorrows Film von 2015 beinahe unverändert übernommen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den menschlichen Allmachtsfantasien und der omnipräsenten Profitgier bleiben die Verantwortlichen schuldig. Und mehr als einmal kommen sie mit unkreativen Ideen um die Ecke, wenn es darum geht, die klischeebehafteten Protagonisten aus Notlagen zu befreien. Exemplarisch für die eher schludrige Drehbucharbeit sind nicht zuletzt die wenig erinnerungswürdigen Bösewichte und die verschenkte Auflösung des eigentlich erschütternden Geheimnisses rund um Lockwoods Enkelin Maisie (Isabella Sermon). Ambivalente Gedankenspiele – etwa dann, als Claire und Owen die Ausbeutung der Dinosaurier vorgehalten wird – ersticken Bayona und seine Autoren zumeist im Keim, sodass sie rasch in Vergessenheit geraten.
   
Ins Auge sticht allerdings, dass die Macher aus der an „Jurassic World“ entbrannten Sexismus-Debatte in Ansätzen gelernt haben. Statt Claire ständig auf Stöckelschuhen durch unwegsames Gelände zu schicken und sie in eine weitestgehend passive Rolle zu zwängen, darf sie dieses Mal taugliches Schuhwerk tragen und etwas häufiger in Aktion treten. Ein kleiner Fortschritt, selbst wenn der lässig-zupackende Owen erneut die witzigeren Sprüche und die eindrucksvolleren Stunteinlagen bekommt.

Trotz des eher abgedroschenen Inhalts und einiger arg pathetisch aufgeladener Momente präsentiert sich „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ als kurzweilig-solides Popcorn-Kino. Juan Antonio Bayonas temporeiche Inszenierung entschädigt zumindest für einige Handlungsmacken. Óscar Fauras suggestive Kameraarbeit zieht den Betrachter nicht selten stärker in das Geschehen hinein. Effekthaltige Spektakelsequenzen wie der Vulkanausbruch auf der Isla Nublar geraten angemessen wuchtig. Und gerade Horrorfreunden dürfte angesichts diverser Gruselpassagen mehrfach ein kleines Lächeln über das Gesicht huschen. Vor allem die zweite Filmhälfte, die überwiegend in einer gigantischen, verwinkelt-unheimlichen Villa spielt, lässt an das Haunted-House-Motiv und damit auch an das beeindruckende Debütwerk des spanischen Regisseurs denken. Dass er sich im Fall der „Jurassic World“-Fortsetzung in nicht unerheblichem Maße Blockbuster-Zwängen beugt, wird gerade durch die Erinnerungen an sein vorheriges Schaffen deutlich. Beim nächsten Mal kann er hoffentlich wieder mit einem besseren Drehbuch arbeiten.

>> von Christopher Diekhaus

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