Moviebase M3GAN

M3GAN
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Originaltitel: M3GAN
Kinostart: 12.01.2023
DVD/Blu-Ray Verkauf: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 102 Minuten
Studio: Atomic Monster, Universal Pictures
Produktionsjahr: 2023
Regie: Gerard Johnstone
Drehbuch: Akela Cooper, James Wan
Darsteller: Jenna Davis, Amie Donald, Allison Williams, Violet McGraw, Ronny Chieng, Brian Jordan Alvarez, Arlo Green, Jen Van Epps, Kira Josephson, Jack Cassidy
Wenige Filmemacher haben das moderne Mainstreamhorrorkino so sehr geprägt wie der Australier James Wan. Nicht nur aus seinem brutal effektiven Schocker „Saw“ erwuchs eine langlebige Reihe. Auch die Spukarbeiten „Insidious“ und „Conjuring – Die Heimsuchung“ brachten, vor allem im letzten Fall, ganze Gruseluniversen hervor. In Kontakt mit dem im Genre immer wieder beliebten Motiv einer schauerlichen Puppe kam der umtriebige Schreckensfan bereits in „Saw“, in „Dead Silence“ und im „Conjuring“-Ableger „Annabelle“, dem er als Produzent den Weg ebnete. Losgelassen hat ihn die eigenartige Faszination von mörderischen Spielzeugfiguren offenbar nicht. Für den betont schwarzhumorigen Scifi-Puppenthriller „M3GAN“ lieferte er zusammen mit Drehbuchautorin Akela Cooper die Grundidee und zog mit seiner eigenen Firma die Fäden im Hintergrund. Die Regie überließ Wan Gerard Johnstone, dessen Debütwerk „Housebound“ sehr erfolgreich auf der Grenze zwischen Grauen und Komik wandelt. In seinem das Jahr 2023 einläutenden Horrorreißer ist das etwas anders.

Erinnerungen weckt „M3GAN“ vor allem an „Child’s Play“, das 2019 veröffentlichte Remake des Kultstreifens „Chucky – Die Mörderpuppe“, in dem ein tödlich verletzter Serienkiller seinen Geist in eine eigentlich harmlose Spielzeugpuppe transferiert. Anders als das Original verzichtet die Neuverfilmung auf übernatürlichen Schnickschnack und setzt sich, leider nicht bissig genug, mit den Schattenseiten einer durchtechnisierten Welt auseinander. Dass die dem jungen Protagonisten in die Hände fallende, dank KI von ihrer Umwelt lernende, als bester Kumpel konzipierte Figur irgendwann zu einem blutigen Rundumschlag ausholt, hängt direkt mit einem Monster namens Kapitalismus zusammen. Weil ein Arbeiter in einer asiatischen Fabrik angeblich nicht effizient genug ist, wird er fristlos entlassen und rächt sich, indem er an einem Puppenexemplar die Sicherheitsprotokolle deaktiviert.

Eine Hightech-Weggefährtin für Kinder, die in allen Lebenslagen helfen soll und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten mithilfe künstlicher Intelligenz fortlaufend erweitert, ist auch M3GAN, kurz für Model 3 Generative Android. Das Ergebnis der Tüfteleien von Robotik-Expertin Gemma (Allison Williams), die für das fiktive Spielwarenunternehmen Funki tätig ist und Ärger mit ihrem Chef (Ronny Chieng) bekommt, weil sie ohne Erlaubnis an ihrem Projekt werkelt. Als die junge Frau unverhofft die Vormundschaft für ihre kleine Nicht Cady (Violet McGraw) übernehmen muss, deren Eltern tödlich verunglückt sind, will sie die Chance beim Schopfe packen, die Qualität ihrer Schöpfung zu beweisen. Kurzerhand spannt sie das Mädchen als Testobjekt ein und überprüft, inwieweit die ein wenig unheimlich aussehende M3GAN tatsächlich zu einer echten Freundin werden kann, mit der man alle Sorgen und Ängste teilt.

Der Film wandelt hier natürlich auf bestens erkundeten Pfaden. Die Hybris des Menschen im Angesicht technischer oder wissenschaftlicher Errungenschaften und die Überschreitung ethischer Grenzen werden schon in Mary Shelleys oft verfilmtem Horrorklassiker „Frankenstein“ verhandelt. Getrieben ist Gemma freilich nicht nur von Forschergeist. In ihrem Fall steht auch beruflich etwas auf dem Spiel. Sie will vorankommen, den Markt mit einem neuen, bahnbrechenden Artikel aufmischen und ihrem Arbeitgeber letztlich zu mehr Einnahmen verhelfen. Ähnlich wie in „Child’s Play“ bekommt die kapitalistische Logik ihr Fett weg. Richtige Schärfe sucht man aber auch in „M3GAN“ vergeblich. Dafür ist schon das Funki-Milieu zu überzeichnet dargestellt. Gemmas Boss ist die Karikatur eines Arschlochvorgesetzten, der ständig aus der Haut fährt und seine Untergebenen erniedrigt. Merkwürdig ziellos ist in diesem Zusammenhang übrigens die angedeutete Illoyalität seines Assistenten (Stephane Garneau-Monten), die dramaturgisch keine Konsequenzen nach sich zieht.

Immer mal wieder lassen die Macher die satirische Kraft ihrer Geschichte aufblitzen, bringen etwa die Kommunikation zwischen und das Verhältnis von Eltern und Kindern aufs Tapet. In einer Welt, in der Technik fast jeden Lebensbereich erobert hat und folglich auch die ganz Kleinen viel früher mit ihr konfrontiert werden, ist die Idee einer intelligenten, sich stetig verbessernden Puppe, die viele Aufgaben der Erwachsenen übernehmen kann, ebenso bitterböse wie beunruhigend. Das Potenzial schöpft der Film jedoch bei weitem nicht aus, wirft manchmal einfach nur Stichworte in den Raum und dichtet Gemma eine erwartbare Selbsterkenntnis an, anstatt ihre Figur vielleicht völlig zu demontieren. Am Ende wirkt die emotionale, über ihre Beziehung zu Cady eingebaute Note arg aufgesetzt. Um Trauer und Verlust, wovon „M3GAN“ freilich auch ein wenig erzählen könnte, geht es im Grunde gar nicht.

Selbst ohne messerscharfe Seitenhiebe wäre ein unterhaltsamer Gruseltrip möglich gewesen. Das Ausbalancieren der Tonlagen misslingt Johnstone und Co in manchen Momenten allerdings völlig. Was lustig gemeint ist, schlägt zuweilen ins komplett Lächerliche um. Und wirklich hochtouriger Nervenkitzel samt überraschenden Schocks wird uns selten serviert. Anfangs schreitet die Handlung eher gemächlich voran. In der zweiten Hälfte dann geht es etwas zackiger und deftiger zur Sache, bis das Geschehen gegen Ende auf gänzlich absurde Weise eskaliert. Schwierig dabei: Aus heiterem Himmel mutiert die rund 1,20 Meter kleine Spielzeugfigur zu einer Miniversion von Hulk, die nicht nur alle möglichen technischen Systeme kapern, sondern auch Tische durch die Gegend schleudern kann. Logik hat im Horrorgenre natürlich hinten anzustehen. Eine solche Entwicklung müsste dennoch etwas transparenter sein. Nicht nur an dieser Stelle wirkt das Drehbuch ärgerlich fahrig. Schon vorher gibt es Punkte, die massiv an der sogenannten suspension of disbelief kratzen, es dem Publikum erschweren, sich vorbehaltlos auf den Film einzulassen. Dass Gemma ihre strenggeheime Schöpfung, die den Spielzeugmarkt revolutionieren soll, mit auf eine Kinderparty schleppt, gehört zum Beispiel in die nach Denkfaulheit miefende Kategorie: Das muss so sein, sonst würde der Plot nicht vorankommen. Erstaunlich, dass viele US-Kritiker offenbar bereitwillig über derartige Schwächen hinwegsehen und „M3GAN“ teilweise regelrecht abfeiern. Dem Autor dieser Zeilen mag das, allen spannenden Ansätzen zum Trotz, beim besten Willen nicht gelingen.

>> von Christopher Diekhaus

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