Moviebase Auslöschung

Auslöschung
Auslöschung

Bewertung: 80%

Userbewertung: 90%
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Originaltitel: Annihilation
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 12.03.2018
DVD/Blu-Ray Verleih: 12.03.2018
Freigabe: Unbekannt
Lauflänge: 115 Minuten
Studio: Paramount Pictures
Produktionsjahr: 2018
Regie: Alex Garland
Drehbuch: Alex Garland
Darsteller: Natalie Portman, Jennifer Jason Leigh, Tessa Thompson, David Gyasi, Oscar Isaac, John Schwab, Jennifer Jason Leigh, Gina Rodriguez, Tessa Thompson

Dass die Angst vor einer Überforderung des Publikums in Hollywood ein ständiger Begleiter ist, zeigte sich auf entlarvend-prägnante Weise im Umgang des Verleihgiganten Paramount mit der Verfilmung des Jeff-VanderMeer-Romans „Auslöschung“. Nachdem Regisseur und Drehbuchautor Alex Garland den Science-Fiction-Streifen fertiggestellt hatte, entschied sich das Unternehmen, die Adaption lediglich in den USA, in Kanada und China in die Kinos zu bringen. Für alle anderen Territorien trat man die Rechte an den Streaming-Riesen Netflix ab und nahm dadurch in Kauf, dass der bildgewaltige Survival-Trip in einem weniger wirkungsvollen Format gesichtet würde. Garland, der 2014 mit dem Zukunftskammerspiel „Ex Machina“ einen grandiosen ersten Spielfilm vorlegt hatte, brachte in einigen Interviews seine Enttäuschung über den Entschluss zum Ausdruck. Immerhin sei seine zweite Regiearbeit von Anfang an für die große Leinwand bestimmt gewesen. Betrachtet man das komplexe, in der Zeit vor- und zurückspringende Werk, lässt sich durchaus erahnen, warum die Paramount-Oberen irgendwann kalte Füße bekamen. Ärgerlich ist ihr Rückzieher aber trotzdem, da der oft beklagte fehlende Mut in Hollywood einmal mehr deutlich zu Tage tritt.

Seit einigen Jahren breitet sich in einem Küstengebiet im Süden der USA ein unerklärliches Phänomen aus. Eine geheime Regierungsorganisation hat die sogenannte Area X hermetisch abgeriegelt und setzt alles daran, in Erfahrung zu bringen, was hinter dem als Schimmer bezeichneten leuchtenden Schleier vor sich geht, der die Region umhüllt. Diverse Expeditionsteams wurden bereits entsandt, um das Geheimnis zu lüften. Lebend zurückgekehrt ist bislang jedoch niemand. Eines Tages taucht ganz unerwartet der ebenfalls in die Sperrzone geschickte Soldat Kane (Oscar Isaac, „Star Wars: Die letzten Jedi“) nach einer rund zwölfmonatigen Abwesenheit bei seiner Ehefrau Lena (Natalie Portman, „Black Swan“) auf. Als er nur wenig später ins Koma fällt, steht für seine Gattin fest, dass sie den Grund für seinen Zustand finden und ihren Mann, wenn möglich, retten muss. Die Biologin schließt sich daher einem neuen Erkundungstrupp an, den die Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh, „Amityville: The Awakening“) in die Area X führen will. Neben Lena nehmen auch die Physikerin Josie Radek (Tessa Thompson, „Westworld“), die Rettungssanitäterin Anya Thorensen (Gina Rodriguez, „Deepwater Horizon“) und die Geologin Cass Sheppard (Tuva Novotny, „A War“) an der Reise ins Ungewisse teil.

Sein Auge für starke Bilder stellte der als Roman- und Drehbuchautor bekannt gewordene Alex Garland schon in „Ex Machina“ unter Beweis. Obwohl sein Regiedebüt fast ausschließlich auf einen Handlungsort und ein kleines Figurenensemble begrenzt war, schuf er, zusammen mit seinen kreativen Mitstreitern, eine famose, immer wieder für neue Highlights sorgende Optik. Auch der Science-Fiction-Mystery-Thriller „Auslöschung“, der auf dem ersten Buch von VanderMeers sogenannter Southern-Reach-Trilogie beruht, überrascht den Zuschauer mit atemberaubenden Impressionen, die Kameramann Rob Hardy als einen echten Könner seines Fachs ausweisen. Aufnahmen einer saftig grünen, urwüchsigen Natur fordern dazu auf, den Blick ausgiebig schweifen zu lassen. Und regelmäßig springen den Betrachter und die Expeditionsteilnehmerinnen eigenwillige, bizarre, faszinierende, aber ebenso verstörende Formen und Strukturen an. Die mysteriöse Area X ist ein verwunschenes Wunderland, in dem man stets auf der Hut sein muss und das definitiv eine große Leinwand verdient gehabt hätte.

Auch wenn die Literaturadaption im Vergleich weniger dicht und packend ausfällt als der permanent an den Nerven zehrende Psychokrieg in „Ex Machina“, ist Garlands zweiter Spielfilm weit davon entfernt, langweilig zu sein. Schon Kanes plötzliche Rückkehr und sein seltsam angeschlagener Zustand kreieren eine Grundspannung, die mit dem Vordringen in das abgesperrte Terrain behutsam, aber kontinuierlich gesteigert wird. Wer eine atemlose Actionhatz erwartet, wird erstaunt sein, wie oft sich Garland Zeit für ruhigere Momente nimmt. Daneben hat „Auslöschung“ allerdings auch einige handfeste Aufreger zu bieten, die mitunter unangenehm blutige Ausmaße erreichen. Abheben kann sich die Scifi-Arbeit von vielen anderen Genrebeiträgen vor allem durch ihre verhältnismäßig kunstvolle, mit Zeitsprüngen arbeitende Erzählstruktur und eine manchmal fast meditativ wirkende Stimmung. Der Regisseur wagt sich in seiner recht freien Aneignung der Romanvorlage an große Themen heran – etwa die Frage nach dem menschlichen Sein, nach der Identität und nach dem Verhältnis zur Natur –, verhebt sich dabei jedoch nicht, sondern liefert dem Publikum reichlich Stoff zum Debattieren und Reflektieren.

Gewöhnungsbedürftig, irritierend, aber ebenso betörend gestaltet sich der letzte Akt, der ein ekstatisch-psychedelisches Farben- und Bewegungsspiel zelebriert und den Paramount-Verantwortlichen wahrscheinlich das größte Kopfzerbrechen bereitet hat. Konsequent unterläuft „Auslöschung“ hier die Sehgewohnheiten und Handlungskonventionen des eingefahrenen Blockbuster-Kinos und erhält so eine ganz individuelle Note. Sich von den irrwitzigen Bildern und Geschehnissen verzaubern zu lassen, lohnt allemal. Immerhin setzt der Film am Ende einen erinnerungswürdigen Akzent, der für einige Diskussionen sorgen dürfte. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Garland auch in Zukunft des Öfteren auf dem Gebiet der philosophisch angehauchten Science-Fiction austobt. Denn ähnlich klug und fesselnd wie er haben es in den letzten Jahren nur wenige Regisseure hinbekommen.

>> von Christopher Diekhaus

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