Blairwitch.de: Nach „Son of a Gun“ ist dies dein zweiter Langfilm. In welchen Punkten hat sich die Produktion von OPERATION: OVERLORD zu deinem Erstling unterschieden?

Julius Avery: Es gab viele Drehorte, ein größeres Budget und es waren viel mehr Menschen involviert. In diesem Film gibt es natürlich viel Action, aber darüber hinaus gab es kaum Unterschiede. Du hast die Schauspieler vor Ort, du stellst die Kameras ein uns los geht’s. Wir haben diesmal sehr oft auf Bühnen und in Backlots gedreht. Dafür mussten wir einige Kulissen entwerfen und bauen, unter anderem das verrückte Labor im Untergrund. Außerdem mussten wir den aufkommenden Horror bestmöglich in Szene setzen, damit er für das Publikum möglichst real erscheint. Die Kreaturen und Make-up-Prothesen haben wir dafür extra angefertigt, damit es in der Kamera realistisch aussieht, und das war wirklich cool.

Die „Super Soldiers“ sind also vollständig mit handgemachten Effekten und ohne CGI umgesetzt?

Es gibt einige Elemente, die aus Computereffekten bestehen, aber zu 99 Prozent sind es Make-up-Prothesen. Das fehlende halbe Gesicht des Soldaten haben wir ganz „oldschool“ handgefertigt. Das Gute an praktischen Effekten ist, dass die Schauspieler es direkt sehen, fühlen und entsprechend darauf und damit reagieren können. Sie müssen sich nicht an grünen Punkten oder grünen Strümpfen im Gesicht orientieren. Es ist immer besser, es für die Darsteller so realistisch wie möglich zu gestalten. Auch die Szene mit dem Kerl, dem sein Nacken nach hinten bricht, ist wunderbar analog umgesetzt. Wir haben hierfür animatronische Puppen verwendet und das hat am Set für großen Spaß gesorgt.

Und das sieht wirklich gut aus. Seit den 1990ern haben Computereffekte ja vor allem dank „Jurassic Park“ eine stetige Entwicklung gemacht und es wurde nahezu undenkbar, sie nicht mehr einzusetzen. Aber momentan habe ich das Gefühl, dass alles wieder etwas zurück in Richtung praktische Effekte geht. Vielleicht auch deshalb, weil die Fans die handgemachten Effekte vermissen und lieben. Kannst du diese Entwicklung bestätigen?

Ich denke, dass diese Entwicklung das ist, was sie „Uncanny Valley“ nennen. Es geht darum, wie gut die technischen Effekte heute zwar sind, die Zuschauer aber dennoch bemerken, dass sie nicht realistisch sind. Jeder analoge Effekt, den man in den Filmen davor gesehen hat, fühlt sich plötzlich viel realistischer und greifbarer an. Ich genieße das. Ich bin nicht jemand, der Special Effect nach Special Effect benötigt.

In deinem ersten Spielfilm „Son of a Gun“ hast du mit bekannten Darstellern wie Ewan McGregor und Alicia Vikander zusammengearbeitet. In OPERATION: OVERLORD sind die meisten Schauspieler einem breiten Publikum noch unbekannt. Was ist einfacher für dich: mit Stars oder Newcomern zu arbeiten?

Für mich sind Schauspieler Schauspieler, da gibt es für mich nicht wirklich einen Unterschied. Natürlich haben sie unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, eine Szene zu drehen und jeder hat seine eigene Herangehensweise. Jeder ist da, um den bestmöglichen Job zu machen und es für die Zuschauer so realistisch wie möglich umzusetzen. Als Regisseur bist du für jeden, mit dem du arbeitest, die Ansprechperson.

Der Schauspieler des kleinen Jungen von Chloe macht einen großartigen Job. Er bringt sehr viele Emotionen und tatsächlich auch Humor in die Geschichte. Hat er überhaupt verstanden, in welchem Szenario er da mitspielt? Und wie hat er das verkraftet?

Er hatte viel Zeit, alle am Set ausführlich kennenzulernen. Und wir konnten ihm genau klarmachen, was er spielen würde. Er hat viel Zeit mit Pilou, Mathilde (Ollivier, spielt im Film Chloe, Anm. d. Red.), mir und allen anderen verbracht. Er war immer bei uns. In die Geschichte bringt er, wie du schon sagtest, viele Emotionen. Wir haben versucht, diesen Aspekt und die Action möglichst gut auszubalancieren. J.J. wollte, dass er sich so gut wie möglich in seine Rolle hineinfindet. Und um das zu erzielen, musste er etwas für die anderen Charaktere empfinden, sie lieben, bevor sie in die Hölle gehen würden. Dabei geht man eine gewisse Gefahr ein, denn es steht einiges auf dem Spiel. Wir definieren die Figuren und ihre Handlungen sollen intensiv und realistisch sein, wenn sie die verrückten Super Soldiers sehen.

Produzent J.J. Abrams und seine Firma Bad Robot sind bekannt für qualitativ hochwertige Filme. Wie hat das die Atmosphäre am Set und deine Arbeit beeinflusst?

Ich war schon immer ein großer Fan von J.J. Abrams und seinen Filmen. J.J. hat mich als Filmemacher beeinflusst, er ist im Filmbusiness einmalig. Er geht oft ein gewisses Risiko ein, etwas Neues und Frisches zu produzieren. Ich kann mir nicht vorstellen, mit wem wir sonst einen nicht jugendfreien, so verrückten Genrefilm wie OPERATION: OVERLORD hätten machen sollen. Er hat mich bis an die Grenzen der aufregenden Dinge im Film gehen lassen. Einiges war wirklich kompliziert in der Umsetzung, aber J.J. Abrams war so verrückt danach und sagte einfach nur „Mach es“! Das hat ungemein geholfen, da ich ja so viel wie möglich praktisch und vor der Kamera umsetzen wollte. Wir sehen das Szenario deshalb auch aus der Sicht unserer zentralen Figur Boyce. Die Zuschauer sollen direkt in der Action sitzen und die Gefechte der Soldaten inmitten des Kugelhagels fühlen. Es gab echte Explosionen, reale Flammen und dadurch große Hitze.

Man soll die Angst der Darsteller wirklich fühlen, wenn sie inmitten des Infernos stehen mit der Gefahr, zu erblinden, wenn sie in die falsche Richtung schauen. Das macht es so authentisch. Es gibt diese lange Anfangssequenz, in der das Flugzeug getroffen wird und der junge Fallschirmjäger Boyce verzweifelt versucht, im Flugzeug zu bleiben und schließlich von dem erfahrenen Korporal rausgeworfen wird. Es ist das totale Chaos, alle klettern übereinander her und das Flugzeugt kippt plötzlich und rast im Sturzflug in 45 Grad auf den Boden zu. Wir haben dafür ein riesiges hydraulisches Gimbal benutzt, das uns erlaubte, in alle Richtungen zu kippen. Ein Stuntman sollte diesen wahnsinnigen Sturz drehen, den wir auch noch in einem Take machen wollten – was völlig irrwitzig ist -, und darüber hinaus noch in Feuer fallen und brennen.

Die Flugzeugszene war wirklich intensiv und die folgende Szene im Wasser wirkt wie eine Vorahnung auf eine gruselige Szene später im Film…

Ja, du sprichst von der „Körpertasche“ später im Film. Ich dachte immer daran, wie eine Szene wohl aussehen würde, wenn diese Körper geboren werden. Das war nebenbei bemerkt ein sehr gruseliger Stunt. Die Stuntmen mussten in diese Säcke steigen und schreien – und das hat ihnen wirklich Angst gemacht. Der erste Stuntman verlor völlig die Nerven. Er sagte: „Du kannst mich gern aus einem fahrenden Auto werfen oder mich anzünden, aber ich werde nie wieder in dieses Ding steigen. Das ist mir zu gruselig“ (lacht). Eine andere wirklich Furcht einflößende Szene war die mit Pilous (Asbaek, spielt im Film Wafner, Anm. d. Red.) Gesichts-Make-up. Er sollte immer möglichst weit entfernt von den anderen sein, weil er einfach zu gruselig anzuschauen war. Aber das ist es eben, wenn du die Effekte tatsächlich am Set realisierst. Dann steigen auch die Chancen, dass es beim Publikum funktioniert.

Einige Internetuser vergleichen OPERATION: OVERLORD mit dem Spiel „Wolfenstein“. Ist das gewollt oder nur ein Zufall?

Ich habe das Spiel nie gespielt. Es stand in den 90ern, als ich selbst spielte, nicht auf meiner Playlist. Ich war nie wirklich der große Gamer, außer bei ein paar First-Person-Shootern wie etwa „Duke Nukem“. Da ich das Spiel nicht kenne, bin ich mir nicht sicher, in welchen Punkten sich Film und Spiel ähneln. Ich denke, mit dem Ansatz des Science-Fiction-Action-Horrors kann man beide vergleichen. Und vielleicht ist auch das Setting und Design, das wir kreiert haben, eine Referenz. In beiden Werken finden sich auf jeden Fall popkulturelle Einflüsse.

Es kam auch eine andere Diskussion auf, inwieweit OPERATION: OVERLORD ein neuer Teil des Cloverfield-Universums werden würde. Gab es während der Produktion einen Zeitpunkt, an dem es möglich erschien, hier einen weiteren Cloverfield-Film zu drehen? Ihr hättet ja sehr einfach „Cloverlord“ daraus machen können…

Nein, das ist kein Cloverfield-Film. Es war zu keinem Zeitpunkt angedacht, ihn Teil des Universums werden zu lassen. Billy Ray, einer der Autoren von OPERATION: OVERLORD, stellte J.J. Abrams seine Idee vor einigen Jahren vor und schon damals hieß es Overlord. Die Basics hatten sich seitdem nicht maßgeblich geändert. Ich denke, der Gedanke kommt, weil wir das Bad-Robot-Logo auf dem Film haben und J.J. Abrams als Produzent dabei ist. Und alle Cloverfield-Fans wollen einen neuen Cloverfield-Film sehen. Ich wäre sofort dabei, ich würde auch gerne einen neuen Film aus der Reihe sehen, weil das ein wirklich cooles Franchise ist. Aber OPERATION: OVERLORD gehört nicht dazu.

Zum Abschluss: Was unterscheidet OPERATION: OVERLORD von Filmen mit den gleichen Themen wie dem Zweiten Weltkrieg, übernatürliche Kräfte etc?

Es ist ein actiongeladener Sci-Fi-Horror-Film, ein verrücktes Mash-Up. Wir nutzen die Overlord-Mission des D-Days als Grundlage, wenn die Alliierten mit ihren Fallschirmen im Feindesgebiet landen. Und wenn wir schließlich ins Labor im Untergrund kommen, in dem die Nazis schreckliche Experimente an Menschen durchführen, entwickelt sich der Film zu einem Science-Fiction-Horror. So etwas gab es noch nicht. Der Film ist anders, er ist überraschend. Wenn ich einen Film sehe, möchte ich überrascht werden. Das ist für mich das Wichtigste, wenn ich einen Film schaue. Ein Film soll mich auf eine intensive Achterbahnfahrt mitnehmen, auf der ich schreien kann. OPERATION: OVERLORD ist ein Film, den man im Kino sehen muss. Er ist laut, hat einen mega Soundtrack, fantastische Bilder und ist einfach für die große Leinwand gemacht. Und ihr solltet ihn mit Freunden gucken. Denn niemand steigt alleine in eine Achterbahn, oder? (lacht)

Julius, vielen Dank für das Gespräch.




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