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Moviebase Wake Wood

Wake Wood
Wake Wood

Bewertung: 70%

Userbewertung: 65%
bei 44 Stimmen

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Originaltitel: Wake Wood
Kinostart: Unbekannt
DVD/Blu-Ray Verkauf: 27.05.2011
DVD/Blu-Ray Verleih: Unbekannt
Freigabe: FSK 18
Lauflänge: 87 Minuten
Studio: Hammer Films / Atlas Film
Produktionsjahr: 2009
Regie: David Keating
Drehbuch: David Keating, Brendan McCarthy
Darsteller: Timothy Spall, Aidan Gillen, Eva Birthistle, Ruth McCabe, Brian Gleeson, Amelia Crowley, Dan Gordon, Ella Connolly

Der Name "Hammer Films" lässt filmhistorisch interessierten Genre-Fans sofort die Ohren klingen: Von den Fünfzigern bis Siebzigern stand diese britische Filmschmiede für stilvolle, opulent ausgestattete Horror- und Mysteryfilme, von denen besonders die zahlreichen "Dracula"-Verfilmungen mit Christopher Lee bis heute ihren Platz im Pantheon des Genres innehaben. Mit dem aufkommenden Trend des ultrabrutalen Splatterfilms in den 1980ern sank die Popularität des Labels, bis Hammer schließlich vollständig von der Bildfläche verschwand. Mit zahlreichen neuen Projekten melden sich die Briten nun zurück, allen voran mit dem irischen Horrormärchen "Wake Wood", welches nicht nur gekonnt gruselt sondern auch als cleveres Psychogramm einer zerbrochenen Familie funktioniert.

"Wake Wood" bewegt sich zunächst einmal auf klassischen Mystery-Pfaden: Nach dem schrecklichen Tod ihrer einzigen Tochter zieht das junge Paar Louise und Patrick aus der Stadt in das kleine Dorf Wake Wood, mitten in den Wäldern Irlands. Schon bald häufen sich merkwürdige Vorfälle: Ein verschwunden geglaubtes Mädchen aus dem Dorf taucht plötzlich wieder auf, Louise beobachtet zufällig ein mysteriöses nächtliches Ritual der Dorfbewohner. Erfreulicherweise ergeht sich der Film nun aber nicht in ausgedehnten Andeutungen, sondern lässt kurz darauf bereits die Katze aus dem Sack: Der Bürgermeister von Wake Wood bietet dem unglücklichen Paar an, ihre verstorbene Tochter mithilfe des besagten Rituals für drei Tage aus dem Grab zu holen. Patrick und Louises Sehnsucht nach ihrer Tochter und das Bedürfnis, endlich mit ihrer Trauer abzuschließen, siegt schließlich über die berechtigten Zweifel. Überflüssig zu erwähnen, dass eine solche Art des ?Gott-Spielens? im Film nur selten mit Erfolg gesegnet ist...

Zugegeben: Regisseur Keating bedient sich, inhaltlich wie stilistisch, großzügig bei Stephen Kings "Friedhof der Kuscheltiere" und der gleichnamigen Verfilmung von Mary Lambert, aber auch andere genretypische Versatzstücke werden nicht umgangen. Nichtsdestotrotz vermag "Wake Wood" sowohl abgebrühte Horrorfans als auch dem Genre-ferne Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Das gelingt dem Film zum einen durch sein stimmungsvolles, düsteres Setting und zum anderen durch die verstörende Mischung aus subtilem Grusel und drastischen Schockeffekten.

Thematisch besonders interessant ist, wie "Wake Wood" den Zuschauer dem Geschehen auf dem Bildschirm gegenüber moralisch platziert. Sympathisiert man zu Beginn noch uneingeschränkt mit dem vom Schicksal gebeutelten jungen Paar, fängt man immer mehr an, an ihrer Integrität zu zweifeln. Lässt sich der drastische Schritt der temporären Wiederbelebung der Tochter möglicherweise noch nachvollziehen, so wird die eigentliche Selbstgerechtigkeit der Eltern spätestens nach der tatsächlichen Rückkehr des Kindes immer offensichtlicher. Geht es hier noch darum, der kleinen Alice drei letzte schöne Tage auf Erden zu bereiten, oder sind die Motive der Eltern weit egoistischer? Das bitterböse Ende rechnet dann endgültig ab mit dem obsessiven Verlangen nach familiärer Perfektion, welche sich, so deutet der Film an, nicht erzwingen lässt sondern nur natürlich entstehen kann.

Schade, dass der Film diese inhaltliche wie formelle Stimmigkeit durch den überflüssigen Einsatz gezwungen moderner Stilmittel, wie einem hektischen Schnitt ("Jumpcuts") oder einem komplett unpassenden elektronischen Score oftmals zunichte macht. Zu groß ist die Diskrepanz zwischen der düsteren Märchenstimmung des Dorfes Wake Wood und der hektischen Kühle der Videoclip-Ästhetik. Besonders die wendungsreichen letzten 20 Minuten leiden unter der trendigen Machart: Man verliert teilweise schlichtweg den Überblick. Insgesamt aber ist Regisseur Keating mit "Wake Wood" ein ungewöhnlicher Streifen geglückt, der sowohl auf ganz direkter visueller und narrativer Ebene als auch als psychologische Parabel bestens funktioniert. Wenn das Kult-Label "Hammer" weiterhin Genrekost auf solch hohem Niveau produziert, ist die Rückkehr des Studios mehr als zu begrüßen. Welcome back, Hammer!

>> verfasst von Tim Lindemann

10%
Rick-Yo
geschrieben am 20.07.2011 um 18:08 Uhr
Und wieder mal ein Beweis ,dass Britten keine Filme drehen können. Eine Vergewaltigung für Auge und Geist.
Fynn
geschrieben am 11.07.2011 um 06:03 Uhr
Ein mutiger Schritt in eine notwendige Richtung. Der Slasher & Gore Film ist ausgeblutet, der lächerliche Ehgeiz der Regiesseur, sich selbst mit ihren Totungssequenzen und Bodycounts zu übertreffen, ist, - wenn nicht schon jetzt - am peinlichen Ende angelangt. Ich hoffe sehr darauf, wieder gute Geschichten zu sehen, ist nur die Frage, ob der Weg dahin zurück noch möglich ist, denn der Weg vin Hammer zu "Dawn of the Dead" war revolutionär. Aber ob man das heute noch umkeheren kann....?
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