Moviebase Wir sind die Nacht

Wir sind die Nacht
Wir sind die Nacht

Bewertung: 60%

Userbewertung: 74%
bei 143 Stimmen

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Originaltitel: Dawn, The
Kinostart: 28.10.2010
DVD/Blu-Ray Verkauf: 14.04.2011
DVD/Blu-Ray Verleih: 07.04.2011
Freigabe: FSK 16
Lauflänge: 96 Minuten
Studio: Constantin Film / Rat Pack Filmproduktion
Produktionsjahr: 2010
Regie: Dennis Gansel
Drehbuch: Jan Berger, Dennis Gansel
Darsteller: Karoline Herfurth, Nina Hoss, Jennifer Ulrich, Anna Fischer, Max Riemelt, Steffi Kühnert, Jochen Nickel, Waléra Kanischtscheff, Senta Dorothea Kirschner, Arved Birnbaum

Vielleicht ist es etwas bösartig und womöglich auch falsch zu behaupten, seit „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“ von 1922 habe es keinen bemerkenswerten Vampirfilm aus Deutschland mehr gegeben. Heimische Produktionen sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten jedenfalls eher selten mit besonders interessanten Beiträgen zum Genrefilm aufgefallen, sieht man vielleicht von den aber auch schon wieder recht speziellen Beiträgen von Jörg Buttgereit einmal ab.

Mit „Wir sind die Nacht“ kommt nun ein tatsächlich sehenswerter, wenn auch nicht bis ins Letzte überzeugender Beitrag zum Hochglanz-Vampirfilm ins Kino, der von Constantin produziert wurde und mit Nina Hoss und Karoline Herfurth in den Hauptrollen auch hochkarätig besetzt ist. Beim Festival in Sitges – auf dem auch so herausragende amerikanische Filme wie „Let Me In“ und „Stake Land“ gezeigt wurden – ließ der Film immerhin die Jury so sehr aufmerken, dass sie ihn mit ihrem Spezialpreis würdigten.

Lena (Karoline Herfurth) ist eine Berliner Kleinkriminelle aus dem Bilderbuch: Zwar lebt sie noch bei ihrer Mutter, aber die Straßen sind, vor allem abends und nachts, ihr Revier. Mit lockerer Hand zieht sie anderen Leuten die Geldbeutel aus der Tasche, und wenn ihr die Polizei nachstellt, flieht sie zur Not auch quer durch einen Supermarkt. So verfolgt sie auch der junge Polizist Tom (Max Riemelt), nachdem sie gerade einen russischen Zuhälter erleichtert hatte; nur knapp kann sie ihm entkommen.

Dass Tom sich in die junge Diebin verguckt und dieser Romanze auch seine Arbeit beeinflussen wird, ist eine der vorhersehbarsten Handlungsentwicklungen im Drehbuch von Jan Berger und Regisseur Dennis Gansel. Die andere ist, dass die junge Rebellin Lena sich womöglich nicht so gut in eine Gruppe einfügen wird, wie andere das erhoffen. Louise (Nina Hoss) erwartet das sogar - schließlich schenkt sie Lena, nur eine Nacht nach deren Flucht vor Tom, die Unsterblichkeit.

Louise ist die gewissermaßen dienstälteste Vampirin einer Gruppe, zu der auch noch Charlotte (Jennifer Ulrich) und Nora (Anna Fischer) gehören, deren Namen trefflich wiedergeben, wie lange sie schon zu den Blutsaugern gehören: Charlotte war in den 1920er Jahren ein gefeierter Stummfilmstar, und Nora wurde von Louise anscheinend auf der Love Parade aufgesammelt. Beiden ist gemein, dass Louise in ihnen ihre verlorene Liebe wieder zu finden hoffte, die vor Jahrhunderten im Sonnenaufgang verbrannte.

„Zu gierig, zu dumm“ seien die Vampirmänner gewesen, erklärt Louise ihrer Novizin einmal, deshalb habe man sich ihrer weltweit entledigt - und auch unter den Menschen machen die Vampirinnen gerne Jagd auf Männer: „Je böser der Mann, desto süßer das Blut.“ Natürlich schreit so eine Szenerie danach, als politisches Statement gelesen zu werden, aber Gansel inszeniert diese männerfreie, gar männerhassende Parallelgesellschaft primär als Zufallskonstellation mit ästhetischem Mehrwert - schöne Frauen in schönen Kleidern - ohne die Implikationen solcher Darstellungen auch nur peripher in den Blick zu nehmen.

So stehen auf der einen Seite die mit derart phallisch-gefährlichen Szenen ausgestatteten Frauen als Affront für eine gewalttätige, patriarchale Gesellschaft da - deren Schattenseiten der Film über böse (zu allem Überfluss auch noch stets osteuropäische) Zuhälter und martialische Spezialeinheiten der Polizei zusammenbringt. Dem steht aber die homosexuell konnotierte, männerhassende Weiblichkeit als Zerrbild feministischer Positionen gegenüber. Gansels Film diskreditiert beide Seiten, ohne ihnen auf irgend eine Art und Weise komplexe Eigenheiten und innere Widersprüche geben zu können - und liefert doch allen Ernstes als Ausweg aus der Konfrontation eine einzelne, romantisierte heterosexuelle Beziehung an, die in jedweder Hinsicht eine Mischform ist: Polizist und Diebin, Vampirin und Mensch.

Wenn man den Film auf seine fragwürdige politische Haltung nicht festnageln will und das alles als harmloses, vielleicht nicht ganz zu Ende gedachtes Entertainment hinnehmen will, bekommt man natürlich einiges geboten. Gerade die zweite Hälfte, offenbar an den modernen Mischformen zwischen Horror- und Actionfilm geschult, macht mit zunehmender Geschwindigkeit und reichlich Waffengeklirr einiges von jener Langeweile wett, die die erste Hälfte mit sich bringt. Diese ist leider geprägt von hölzernen Charaktereinführungen und knirschenden Dialogen; und bevor Herfurths Lena bei einem Vollbad ihrer Tätowierung und ihrer Strubbelhaare (zugunsten einer wohlfrisierten, perfekt gepflegten Mähne) verlustig geht, sieht man sie mit viel zu dunkel geschminkten Augenringen durch die Berliner Nacht schlurfen.

Die verführerischsten Elemente an „Wir sind die Nacht“ sind dann auch in der Tat die Bilder von Berlin bei Nacht, und dem Film gelingt es bestens, die Versuchung des Vampirismus - das hier ein Dasein vor allem im Nachtleben bedeutet - in ganz moderne, aktuelle Bilder zu übersetzen.

>> verfasst von Rochus Wolff

80%
Ria
geschrieben am 05.11.2010 um 15:00 Uhr
Sehr gelungener Film, der mir wirklich Spaß gemacht hat. Die Charaktere sind super und Nora erinnert mich sehr an Alice aus "Twilight". Nur viel verrückter. Die Story ist schön und der Handlungsverlauf flüssig. Die Musik in dem Club war die beste Filmmusik, die ich seit Langem gehört habe! Alles in allem ein super Vampirfilm, den ich nur weiterempfehlen kann.
80%
Nicolas
geschrieben am 28.10.2010 um 06:00 Uhr
Guter Film , der vom Anfang bis zum Ende Spaß gemacht hat! Die Geschichte entwicklet sich schlüssig und die Vampire sind adäquat dargestellt. Die unterschiedlichen Karaktereigenschaften der einzelnen Blutsauger bingen Schwung in den Streifen und sorgen für Spaß aber auch Spannung. Besondes gefallen hat mir die Stimmung, die völlig anders als bei anderen Filmen dieser Art ist. Das einzige Manko bei diesem Film ist meiner Meinung nach das Ende, welches ich aber selbstverständlich nicht veraten möchte!
80%
lilalalumpum
geschrieben am 27.10.2010 um 23:00 Uhr
Ich bin durchweg positiv überrascht!Ich komme gerade aus der Sneak Vorstellung und schon als die Einblendung "gefördert durch Filmförderverein" (oder so...^^) - stöhnte das gesammte Kinopublikum auf.Deutsche Filme sind in der Sneak Vorstellung keine Seltenheit und ebenso selten ist es dann leider auch, dass ein deutscher Film so sehr überraschen kann wie "Wir sind die Nacht".Ich stimme der Kritik zwar zu das die zweite Hälfte des Films zwar actionlastiger ist als die erste, aber die erste ist keineswegs langweilig.Wer nun ins Kino geht und einen blutigen Horror-Action Film erwartet in dem es nur so kracht und spritzt der wird vielleicht enttäuscht sein - aber das ist ja das schöne an der Sneak - man hat halt keinerlei Vorstellungen vom Film.Somit kann man sich bestens auf die Geschichte und Characktere konzentrieren.Aber es sollen keine falschen Hoffnungen entstehen - in diesem Film fließt Blut ;) ...wenn auch immer sehr dezent in Szene gesetzt, was aber wudnerbar zur Atmosphäre passt.Auch die Spezialeffekte brauchen sich nicht verstecken und können stets überzeugen.Abstriche müssen beim Schluß gemacht werden, da dieses mir persönlich zu flach war.Eine so "dramatische" geschichte hat dann vielleicht doch ein etwas besseres Ende verdient.Ich persönlich werd ihn mir zwar nicht auf DVD oder so holen (da ich absolut kein Vamir fan bin -außer! From Dusk till Dawn ^^ -) aber sollte ich den Film vielleicht mal durch Zufall wieder im Fernsehen entdecken würde ich auch nicht abschalten.
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